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Grimma Kleiner Klöppel für die große Glocke
Region Grimma Kleiner Klöppel für die große Glocke
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00:22 08.05.2018
Mechaniker Hartmut Barthel von der Heidenauer Glockenläute- und Elektroanlagen GmbH bei letzten Kontrollen am neuen Klöppel für die große Glocke der Grimmaer Frauenkirche. Quelle: Thomas Kube
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Grimma

„Es klingt weicher und besser als vorher.“ Pfarrer Torsten Merkel steht mit Hartmut Barthel am Fuße der Grimmaer Frauenkirche und schaut die beiden 46 Meter hohen Türme empor. Es ist Donnerstag, 13.45 Uhr, und die Glocken-Klangprobe über die Köpfe der Grimmaer hinweg ist sozusagen der finale Akt der Arbeiten am Glockenstuhl, die im Spätherbst ihren Anfang nahmen. Dabei erhielt am Donnerstag die größte der drei Glocken einen nagelneuen, aus Eisen geschmiedeten Klöppel, der nun eins ist mit der 1456 gegossenen Bronzeglocke, die mit ihren 1460 Kilogramm kräftig am Tragebalken zieht.

Letzte Handgriffe vom Fachmann

Minuten zuvor erledigte Barthel im Südturm der Frauenkirche die letzten Handgriffe an der großen Glocke, deren beiden Schwestern von 1463 und 1997 im Nordturm ihre Arbeit verrichten. Barthel ist als Mechaniker bei der Heidenauer Glockenläuten- und Elektroanlagen GmbH tätig und seit 25 Jahren als Glocken-Fachmann unterwegs. Am Donnerstag brachte er den neuen, vor zwei Monaten beim Rottaler Hammerwerk Wensauer in Auftrag gegeben Klöppel an, der mit 37,5 Kilo nur noch halb so schwer ist wie sein Vorgänger. Er soll sanfter und damit schonender die 562 Jahre alte Glocke zum Schwingen und Klingen bringen.

Beide Glockenstühle wurden stabilisiert

„Wir mussten beide Glockenstühle stabilisieren“, erläutert Pfarrer Merkel die Notwendigkeit für die Arbeiten, die unterm Strich etwa 15 000 Euro kosten. Neben Spenden und Geld der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde nimmt sich die Landeskirche mit in die Pflicht. Obwohl die Glockenstühle beim Einbau der neuen mittleren Glocke vor 20 Jahren als in Ordnung befunden wurden, gab es jetzt Handlungsbedarf. Es galt, unliebsame Schwingungen zu beseitigen, damit in den Türmen keine Risse im Mauerwerk entstehen. Immerhin verrichten die Glocken täglich dreimal ihre Arbeit, dazu noch zu feierlichen Anlässen wie Gottesdienste und Hochzeiten. Wann sie die Grimmaer rufen, ist in der 2013 aktualisierten Läuteverordnung geregelt.

Mit den Arbeiten an den Glockenstühlen, an denen sogar noch im 14. Jahrhundert geschlagenes Holz zu entdecken ist, und im Verbindungsgang beider Türme war die Glastener Zimmerei Pluntke beauftragt worden. Deren Männer brachten im Spätherbst unter anderem Bohlen zur Verstärkung und zusätzliche Winkel an, damit die mächtigen Glockenstühle stabil sitzen. „Der Glockenstuhl darf nicht mit dem Turm verbunden sein, damit sich die Schwingungen nicht übertragen. Da geht es um Millimeter“, verdeutlicht Merkel die durchaus heikle Aufgabe.

Alter Klöppel war zu schwer

Klar war aber auch, dass die große Glocke vom schweren Klöppel entlastet werden muss. „Es war zu viel Masse, die an die Bronze schlug“, erläutert Merkel. Mit dem kleineren Schlagkopf soll nun die jahrhundertealte Glocke geschont und zugleich im Klang verbessert werden. Ein Hin und Her mit der Denkmalbehörde und die zweimonatige Anfertigungszeit führten dazu, dass er nun erst ein halbes Jahr nach den Zimmererarbeiten angebracht werden konnte.

„Er küsst die Glocke nur noch“, wand sich Fachmann Barthel an den Pfarrer, als er seine Arbeit im Turm erledigt hatte. Und meinte natürlich den neuen Klöppel, der in einer kurz angebundenen Lederschlaufe hängt. Minuten zuvor hatte Barthel das 37,5-Kilo-Stück sozusagen justiert. Dabei kam auch ein Einstellgerät zum Einsatz, mit dem zum Beispiel Läutewinkel, Anschlagzahl und Stromimpuls festgelegt werden. Eine Steuerplatine mit einprogrammierten Daten regelt nun, wie die elektronische betriebene Glocke läuten soll.

Am Sonntag zum Gottesdienst werden die Glocken wieder ihren Dienst verrichten. Der Laie dürfte den Unterschied an der großen Glocke kaum hören. Pfarrer Merkel aber hat durchaus ein feines Gespür dafür.

Von Frank Prenzel

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