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Grimma Klingaer Orgelverein rückt von Maximalziel ab
Region Grimma Klingaer Orgelverein rückt von Maximalziel ab
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00:32 07.05.2018
Warten auf den Startschuss der Sanierung: Kantorin Cornelia Schneider, Orgelsachverständiger Klaus Gernhardt und Fördervereinsvorsitzender Andreas Michel (v. li.) in der Klingaer Kirche. Quelle: Thomas Kube
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Parthenstein/Klinga

Ernüchterung beim Förderverein für die Restaurierung und Pflege der Barock-Orgel in der Kirche zu Klinga. Er wollte das verschlissene Instrument in den originalen Zustand zurückversetzen. Doch daraus wird nach heutigem Kenntnisstand nichts werden. Alles läuft auf einen Kompromiss in Sachen Sanierung hinaus.

Barocke Orgel ist kaum erhalten

„Als Verein waren wir mit großer Euphorie angetreten. Doch nun kam die Enttäuschung“, sagt Vereinschef Andreas Michel (63). „Auf dem Instrument steht zwar Barockorgel, aber es ist keine drin.“ Will heißen, von der Substanz aus dem Jahr 1744 blieb durch 17 Veränderungen im Laufe der Zeit kaum noch etwas erhalten. „Den Urzustand herzustellen, wäre eine Wiedererfindung der Orgel, ohne dass wir Belege von damals haben. Dafür erhalten wir keine Fördermittel“, verdeutlicht Michel.

Verschiedene Meinungen der Fachleute

Ein Fachmann wie Klaus Gernhardt (80) aus Bad Lausick nennt den jetzigen Zustand „verwachsen“. Der unabhängige Sachverständige für historische Musikinstrumente erarbeitete für die Kingaer Orgel ein Restaurierungskonzept, mit dem, wie er sagt, „in Annäherung an den technischen Zustand des 19. Jahrhunderts ein Klang der Entstehungszeit erzeugt werden soll.“

Die Orgel in der Klingaer Kirche. Sie stammt aus der Barockzeit, doch von der originalen Substanz ist nach 17 Umbauten nicht mehr viel übrig. Quelle: Thomas Kube

Diesen Vorschlag stimmte Gernhardt mit Norbert Ranft-Knopfe, Orgelsachverständiger der Landeskirche, und mit der Denkmalschutzbehörde des Landkreises ab. „Aus Sorge um eine sorgfältige Restaurierung berief die Kirchgemeinde als Eigentümer mit unserem Orgelverein eine Kommission ein, die eine Empfehlung erarbeitete, die alle Beteiligten trugen“, schildert Michel. Diese Empfehlung ging an Ranft-Knopfe, der daraufhin laut Gernhardt mit „einer für alle Orgelbauer missverständlichen Stellungnahme“ antwortete. „Er schlug uns zwei Varianten vor: eine, die meinem Konzept entspricht, und eine, mit der die Orgel nun doch in ihren Originalzustand zurückversetzt werden könnte.“ Letzteres kann Gernhardt nicht akzeptieren. „Dann bin ich hier raus!“

Ranft-Knopfe lässt sich hingegen noch alle Optionen offen. „So will es auch mein Chef im Landeskirchenamt“, sagt der Meeraner. Als nächstes möchte er sich mit der Klingaer Orgelkommission treffen, um die verschiedenen Positionen zusammenzuführen. Für schwierig erachtet er jedoch den Kompromiss, gleichzeitig einen Klang der Entstehungszeit und eine Technik des 19. Jahrhunderts herzustellen. „Wenn ich eine Orgel habe, die wie das 18. Jahrhundert klingen soll, erwarte ich auch eine, die wie im 18. Jahrhundert aufgebaut ist“, meint er.

Orgelbaufirma soll mit entscheiden

Es gibt also noch viel Diskussionsstoff. Wenn es nach Vereinschef Michel geht, sollte am Ende die Orgelbaufirma während der Restaurierung mit entscheiden, was zu tun ist, denn viele Details ließen sich nicht im Voraus klären. Ihm ist wichtig: „Auf 17 verunglückte Versuche darf kein 18. Unglück folgen.“ Ein Punkt, in dem sich alle einig sind. „Nachdem in der Vergangenheit so viele Register und Pfeifen ein- und ausgebaut worden sind, würde ich mich über einen homogenen Klang der Orgel freuen“, sagt Kantorin Cornelia Schneider (53). Und Ranft-Knopfe nennt als Ziel „eine gut funktionierende und leicht gängige Mechanik.“

Arbeiten sollen 2019 beginnen

„Wir wollten, dass der Ausbau der Orgel dieses Jahr beginnt, doch das ist unrealistisch“, sagt Michel. „Den Start nehmen wir uns aber fest für nächstes Jahr vor.“ Zeit also, um weiter Geld zu sammeln. Jede Spende ist dem Verein willkommen, der insgesamt 70 000 Euro zusammentragen möchte. Mittel werden außerdem von Stiftungen, der Kirchgemeinde, der Landeskirche und der Denkmalschutzbehörde erhofft. „Seit dem 7. Dezember 2017 gehören Orgelbau und -musik zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Schon allein deshalb ist ihr Erhalt so wichtig“, begründet Michel den finanziellen Aufwand, der durchaus 150 000 bis 180 000 Euro betragen könnte.

Bereicherung des Kulturlebens in Klinga

Für ihn ist maßgebend, die Orgel wie bisher nicht nur zu kirchlichen Veranstaltungen zu nutzen, sondern mit ihr das gesamte Kulturleben von Klinga zu bereichern. Deshalb beteiligt sich der Verein auch dieses Jahr an den Tagen der offenen Dorfkirche und des offenen Denkmals sowie am Naunhofer Heimatwandertag. Fest im Kalender stehen weiterhin Konzerte im August und zu Weihnachten, eine Lesung und eine Ausstellung im September sowie ein Turmblasen. Außerdem plant der Tourismusverein Leipziger Land für den Reformationstag einen Orgelwandertag, der durch Klinga führt.

Von Frank Pfeifer

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