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Grimma Klingaer Straße vom Busverkehr abgehängt
Region Grimma Klingaer Straße vom Busverkehr abgehängt
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00:17 12.06.2018
Wollen diese Bushaltestelle in der Klingaer Straße wiederhaben: (v.l.n.r.) Gerda Krischok, Hannelore Mitzkat, Dietrich Fritz,Ullrich Obenauf, Carsten Gürtler, Manfred Pott, Ralph Neldner und Vera Gube. Quelle: Thomas Kube
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Naunhof

Sie haben lange gezögert, bis sie die Sache an die große Glocke hängten. Aber weil ihnen die Behörden nur unbefriedigende Antworten geben konnten, wandten sich Einwohner der Klingaer Straße von Naunhof jetzt an die LVZ. Durch das beachtliche Wohngebiet fährt seit August vergangenen Jahres kein Bus mehr – für die Älteren ein Fiasko.

„Den Bus gab’s hier schon zu DDR-Zeiten“, schildert Manfred Popp (83). „Er fuhr von Brandis über Naunhof nach Grimma, wo manche von uns zum Arzt müssen.“ Schluss war, als plötzlich – ohne Information der Anwohner – die Haltestellenschilder und Fahrpläne abgebaut wurden. „Am nächsten Tag kam eine Firma und malte die Busmarkierungen auf der frisch sanierten Fahrbahn auf“, berichtet Popp kopfschüttelnd. „Was für ein Schildbürgerstreich, denn da wurde die Haltestelle schon nicht mehr bedient!“

Die Busmarkierungen wurden auf die sanierte Fahrbahn aufgemalt, als die Haltestelle schon nicht mehr in Betrieb war. Quelle: Thomas Kube

„Der Bus fehlt mir sehr“, klagt Vera Gube (82), die auf einen Rollator angewiesen ist, mit dem sie jetzt für Einkäufe und Behördengänge ins Stadtzentrum laufen muss. Da können schon mal an die zwei Kilometer zusammenkommen.

Ältere sind auf Bus angewiesen

„Ich fahre notgedrungen mit dem Rad, an das ich die schweren Einkaufsbeutel hängen kann“, sagt Ralph Neldner (69). „Aber wie lange kann ich das noch? 2012 wurde mir eine Platte ins Sprunggelenk eingesetzt. Laufe ich, tut mir schon an der Großsteinberger Straße der Fuß weh.“

Hannelore Mitzkat (71) spielt gerne Rommé im Begegnungszentrum. „Manche aus unserer Runde können nicht mehr kommen, weil kein Bus fährt“, kritisiert sie. Ullrich Obenauf (67) überschlägt: „An der Kingaer Straße wohnen rund 1200 Menschen, das Gros in den Blöcken sind ältere.“ Sie seien ohne Bus abgehängt, auf dem Weg zum Stadtzentrum gebe es nicht einmal Bänke, auf denen sie sich ausruhen können.

Lange Wege für Einkauf

Die „zerrissene Infrastruktur Naunhofs“ erschwert nach dem Dafürhalten von Carsten Gürtler (51) das Ganze für jene, die – anders als er – kein Auto haben. „Die Einkaufsstätten liegen nicht zentral am Markt“, sagt er. „Von Netto und Lidl an der Tankstelle bis zu Penny in der Großsteinberger Straße sind es fast drei Kilometer. Und Aldi liegt noch einmal ganz woanders.“

Schulkinder springen über Halbschranke

Von rund 20 Schulkindern, die früher von der Haltestelle in der Klingaer Straße aus zu den Gymnasien in Brandis und Grimma fuhren, berichten die Rentner. Jetzt müssten sie zum Bahnhof, und manche würden, wenn die Zeit knapp wird, über die Halbschranke springen, um rechtzeitig anzukommen.

„Ich erwarte von unseren Abgeordneten, dass sie sich im Stadtrat nicht nur zanken, sondern sich um die Befindlichkeiten der Bürger kümmern“, fordert Hannelore Mitzkat. „Die Leute hier haben 40 Jahre und länger gearbeitet und werden im Alter abgeschnitten.“

Rathaus verweist Betroffene ans Landratsamt

Manfred Popp hat bereits im Rathaus nachgefragt. „Dort wurde mir gesagt, es handle sich um eine Probe von einem Jahr, für Näheres sollte ich mich ans Landratsamt wenden“, berichtet er. „Als ich dort anrief, sagte man mir, ich brauche mich nicht so aufregen, schließlich könne ich jetzt ja nach Kitzscher fahren. Aber was soll ich dort? Und außerdem geht das auch nicht von unserer Haltestelle aus.“

Kreisbehörde verweist auf andere Haltestelle

Eine solche Aussage von einer Mitarbeiterin hält die Sprecherin des Landratsamts, Brigitte Laux, für schwer vorstellbar, zumal sie fahrtechnisch keinen Sinn mache. Ansonsten seien für die Fahrplangestaltung und Linienführung von „Muldental in Fahrt“ die Fahrgastpotenziale herangezogen worden. So wäre Großsteinberg am See mit erschlossen worden, was eine Bedienung der Haltestelle in der Klinger Straße nicht mehr möglich mache. Die Anwohner hätten aber die Möglichkeit, die Haltestelle Großsteinberger Weg zu nutzen, von der aus sie wochentags im Stundentakt – an Wochenenden etwas seltener – nach Brandis gelangen, wo sie nach Grimma umsteigen könnten. Laux: „Das ist ein kurzer Weg von 500 Metern.“ Popp entgegnet: „Wenn jemand nicht laufen kann, ist ein halber Kilometer weit.“

Kreis: Änderung derzeit nicht in Sicht

Eine Änderung der Haltestellenbedienung stellt Laux derzeit nicht in Aussicht. Permanent werde jedoch bis 2020 bewertet, wie sich Angebote anpassen lassen, dabei würden auch die Hinweise aus der Klingaer Straße beachtet.

Solange alles beim Alten bleibt, wünscht sich Hannelore Mitzkat, dass die Stadt einen Bus einrichtet, der sich per Telefon bestellen lässt. „Dafür würde ich auch bezahlen“, sagt sie. Doch Bürgermeister Volker Zocher (parteilos) sieht keine Zuständigkeit der Kommune. Die Fragen, inwieweit die Stadt Einfluss auf die Gestaltung der neuen Linien hatte, ob bekannt war, dass das große Wohngebiet die Busverbindung verliert und ob sie eventuell dagegen Einspruch erhoben hat, ließ er trotz mehrmaligen Nachbohrens unbeantwortet.

Von Frank Pfeifer

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