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Grimma Klingaer Taufengel halb Frau und halb Mann
Region Grimma Klingaer Taufengel halb Frau und halb Mann
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12:28 16.04.2018
Der Taufengel in der Kirche Klinga mit der verhüllten männlichen Brust. Er gilt als einzigartig, weil seine linke Brust weiblich ist. Quelle: Thomas Kube
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Parthenstein/Klinga

Ein Rätsel gelöst, ein zweites bleibt bestehen. „Warum ist der Taufengel in der Klingaer Kirche halb Frau und halb Mann?“, fragt sich Andreas Michel (63), Vorsitzender des Fördervereins für die Restaurierung und Pflege der Barock-Orgel. Die Figur, die hoch über den Köpfen schwebt, verfügt nur über eine weibliche Brust.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurden für zahlreiche evangelisch-lutherische Gotteshäuser Taufengel in Auftrag gegeben. Lange Zeit war aber unbekannt, welcher Künstler hinter dem Klingaer Exemplar steckt. Das hat sich mittlerweile geändert.

Figur stammt von Caspar Friedrich Löbelt

„Als wir zur Geschichte unserer Kirche recherchierten, fanden wir Aufzeichnungen, wonach die Figur von Caspar Friedrich Löbelt stammt, dem führenden Bildhauer seiner Zeit in Leipzig, der auch zahlreiche Arbeiten der damaligen Universitätskirche geschaffen hat“, erklärt Michel. Der Klingaer Engel soll der Überlieferung nach um 1736 entstanden sein.

Ursprünglich hielt er, wie allgemein üblich, ein Taufbecken in den Händen. Sollte ein Kind getauft werden, wurde er herabgelassen. Diese Praxis änderte sich jedoch. Nach der Aufklärung gerieten die Taufengel deutschlandweit in die Kritik und wurden aus vielen Kirchen entfernt. „In Klinga stiftete um 1850 eine ortsansässige Familie ein Taufgestell, womit der Engel wahrscheinlich ausgedient hatte“, so Michel.

Ab 1850 hängt der Engel an der Decke

Doch er verschwand nicht, sondern wurde fest an der Decke installiert. Anstatt des Beckens bekam er einen Palmwedel und ein Band mit dem Spruch „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig“ in die Hände gedrückt. Die ausgelagerte Winde, mit der er zuvor auf- und abgezogen wurde, existiert noch.

Es war nicht ganz ungewöhnlich, solchen Figuren ein androgynes Aussehen zu verleihen. Dass aber der Klingaer Taufengel eine freie weibliche und eine verdeckte männliche Brust hat, das wundert Andreas Michel. „Ich wäre dankbar, wenn mir jemand darüber Auskunft geben könnte“, sagt er.

Verblüfft ist auch der Historiker Axel Christoph Kronenberg aus Lamspringe in Niedersachsen, der sich intensiv mit Taufengeln befasst und rund 250 von ihnen in Augenschein genommen hat. „Ich kenne auch sehr viele in Mitteldeutschland. Überwiegend sind sie weiblich, es gibt nur einige Männer“, sagt der 79-Jährige. „Aber so etwas wie in Klinga habe ich noch nicht gehört. Das scheint mir einzigartig zu sein.“

Von Frank Pfeifer

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