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Klingaer singt in der Royal Albert Hall

Klingaer singt in der Royal Albert Hall

Das rollende "R" hat sich Wilfried Hilsberg bewahrt. Nur an seiner Aussprache lässt sich erkennen, dass er nicht aus Klinga stammt. Ansonsten gilt er im Parthensteiner Ortsteil als Tausendsassa.

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Wie ein Star: Wilfried Hilsberg in der Londoner Royal Albert Hall, wo er dank seiner Kenntnisse aus dem Volkschor Klinga mitsingen konnte.

Quelle: Privat

Parthenstein/Klinga. Er mischt in Vereinen mit, bringt sich ehrenamtlich ein. Und für verrückte Ideen ist er immer zu haben. So sang er tatsächlich schon in der Londoner Royal Albert Hall, wenn auch nicht auf der Bühne.

Der 66-Jährige, der in Hirschfelde zwischen Görlitz und Zittau aufwuchs und seit 1978 in Klinga wohnt, weil seine Frau Gudrun von dort stammt, hat momentan alle Hände voll zu tun mit der Vorbereitung des Faschings. Wie in den zwölf Jahren zuvor gestaltet er die Dekoration. Bislang für den Kultursaal, nun erstmals für das neue Dorfgemeinschaftszentrum. Hilsberg fertigt lustige Karikaturen an und zeigt auf die Entwürfe, die unter anderem Gärtner, Friseur, Schuster und Klempner zeigen, denn das Thema lautet "Klingaer Feierabend: Die närrische Welt der Berufe". Weil der Saal nun größer ist, werden mehr Plakate als früher gebraucht. "Ich lasse sie in einem Copy-Shop auf A0 vergrößern und male sie dann aus", erklärt er.

Die Fingerfertigkeit hat er sich selbst beigebracht, denn sein Geld verdiente er auf andere Weise. Der gelernte Kraftfahrzeugschlosser schulte nach 1989 zum Tischler um. Als die Sehkraft zu stark nachgelassen hatte, wurde er vor 15 Jahren Erwerbsunfähigkeitsrentner. "Die Netzhaut hat sich abgelöst, das lässt sich nicht behandeln", sagt er. Kein Grund für ihn, die Hände in den Schoß zu legen.

Seit dem vergangenen Jahr sitzt er im Kreisvorstand des Blinden- und Sehbehindertenverbandes. Quartalsweise stellt er CDs für die Mitglieder her mit Neuigkeiten aus dem Vereinsleben, Gesundheitstipps, Veranstaltungshinweisen, Rechtsberatungen, und Kochrezepten, untermalt von Musik. Zum Teil bespricht er die Scheiben selbst, zu merken am rollenden "R".

Ein größeres Publikum nahm von dieser Spracheigenheit Notiz, als er 2008 Sommerreporter beim Mitteldeutschen Rundfunk war. Siebenmal berichtete er im Rundfunk, dreimal im Sachsenspiegel des Fernsehens, was sich bei schlechtem Wetter am Cospudener See unternehmen lässt.

Seine Stimme war dafür geschult, singt er doch auch im Volkschor Klinga mit, wo er seit 1982 Manager und Programmdirektor ist. Und genau dieses Engagement versetzte ihn in die Lage, im vergangenen Jahr in der Royal Albert Hall sein Können zu beweisen. Seine Tochter Katja lebt mit Ehemann Bryan Apura und Enkel Michael Toby in London. Den Hilsbergs hatten sie Eintrittskarten für die größte und älteste Konzerthalle der Stadt besorgt, die 8000 Besucher fasst.

Zur jährlichen Chorveranstaltung "Prom Praise" ließ das All Souls Orchestra mit klassischen Liedern die Herzen der Zuhörer höher schlagen. "Der mit über 100 Musikern besetzte Klangkörper, der Chor aus 500 Sängerinnen und Sängern, das verlieh der Veranstaltung ein besonderes Flair", sagt der Klingaer. Im zweiten Teil des Konzerts durften alle Besucher mitsingen. Hilsberg ließ sich animieren, sprang ebenfalls auf und stimmte ein. "Mit meinen paar Brocken Englisch kam ich nicht weit", gesteht er. "Aber ich kannte einige Lieder auswendig, die es auch bei uns gibt. Und da habe ich einfach auf Deutsch mitgesungen." Mit rollendem "R", versteht sich.

Am liebsten würde er von all seinen Erlebnissen ein Buch schreiben. Denn es gäbe noch eine Menge mehr zu erzählen. Hilsberg ist seit 46 Jahren Discjockey. "Ich habe 2006 den jetzigen Sportverein Klinga-Ammelshain mitbegründet, bin für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und bereite die Silvesterfeiern mit vor", zählt er auf. "Seit 24 Jahren organisiere ich die Skatturniere in Klinga, und seit elf Jahren fertige ich für den Seniorenskatclub Grimma Flyer her."

All das tut er, wie er sagt, ohne einen Cent für seine Arbeit zu verlangen. "Meine Frau spricht immer von einer brotlosen Kunst", gibt er schmunzelnd preis. Aber sein Motto lautet: "Wer rastet, der rostet." Und deshalb hält er sich stets in Bewegung, genauso wie sein "R" weiter rollt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.01.2014
Pfeifer, Frank

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