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Kössern empfängt Stromer: Rittergut-Besucher tanken E-Autos auf

Elektromobilität Kössern empfängt Stromer: Rittergut-Besucher tanken E-Autos auf

Am einstigen Kuhstall des Rittergutes Kössern ragen vier Ladesäulen für Elektroautos aus der Wand. Laut Besitzer Jörn-Heinrich Tobaben ist es mit einer Leistung von 66 Kilowatt die derzeit größte E-Tankstelle im ländlichen Raum in Ostdeutschland. Nun hofft er auf viele Nachahmer, dass für die sauberen Flitzer ein dichtes Ladenetz entsteht.

Jörn-Heinrich Tobaben (hinten) will mit der Elektro-Ladestation an seinem Rittergut in Kössern auch den umweltfreundlichen Tourismus beleben. Stefan Moeller von der Firma „Strominator“ verleiht E-Autos und konnte sich mit seiner Tesla-Limousine von der Funktionstüchtigkeit der Ladestation überzeugen.

Quelle: Thomas Kube

Grimma/Kössern. Es dürfte eher selten der Fall oder sogar einmalig sein, dass ein Elektromobilist sein Fahrzeug aus der Wand eines Rittergutes auftanken kann. In Kössern, etwa drei Kilometer abseits der nächsten Bundesstraße, ist das der Fall. Hier ragen aus der ockerfarbenen Wand des einstigen Kuhstalls vier Ladesäulen hervor. Allerdings rollen bislang nur selten E-Autofahrer vor, um sich mit der nötigen Energie zu versorgen. „Wenn zur Zeit im Schnitt zwei Autos pro Woche kommen, ist das viel“, sagt Jörn-Heinrich Tobaben, dem das Gut in Kössern und die E-Tankstelle gehören. Er habe aber sogar schon ein paar Stammkunden, die etwa auf dem Weg von Dresden nach Leipzig nach Kössern abbiegen, um ihre Autobatterie mit Strom zu speisen.

Tobaben, 47 Jahre alt und Geschäftsführer der Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH, will Vorreiter sein. Seinen Worten zufolge unterhält er die größte Elektrotankstelle im ländlichen Raum in ganz Ostdeutschland. Als sie im Mai 2015 eröffnet wurde, stand sogar Daniel Schäfer an seiner Seite, der in Leipzig die BMW-i-Fabrik verantwortet. Und in diesem Sommer schaute Sachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) vorbei, nahm das top sanierte Gebäudeensemble in Augenschein und lobte den Wahl-Kösserner für sein Engagement bei der Elektromobilität. Immerhin gehört Kössern als „Dorf der Baumeister“ seit April zu den 18 im Projekt „Sachsens Dörfer“ gebündelten Orten. Der Freistaat wolle, so Tobaben, dass andere Dörfer dem Beispiel Kösserns bei der E-Mobilität folgen.

Zwei der Säulen am frisch sanierten Kuhstall haben eine Leistung von je elf, die anderen beiden von je 22 Kilowatt. Wie lange ein Ladevorgang dauert, hänge auch vom Auto ab, sagt Tobaben. Ein BMW i3 etwa brauche an der stärkeren Säule 30 bis 40 Minuten, um auf 80 Prozent zu kommen, an der schwächeren Säule seien es bis zu drei Stunden. Kabel liegen am Gebäude nicht bereit, „die hat der Nutzer im Auto“, weiß der 47-Jährige. Tobabens E-Tankstelle ist rund um die Uhr geöffnet, zahlen müssen die Autofahrer nichts, obwohl ein Ladevorgang etwa drei Euro kostet. Dennoch steckt hin und wieder jemand die drei Euro in den Kasten am Haus. Und im Café, das Tobaben in der schönen Jahreszeit im Kuhstall an den Wochenenden betreibt, steht ein Elektroschwein, das gefüttert werden darf. „Wenn in drei Jahren zig Autos hier tanken, bin ich aber nicht mehr so entspannt“, lacht Tobaben mit Blick auf Visionen und Stromverbrauch. Auf absehbare Zeit soll das Tanken aber gratis bleiben, zumal die Anlage kein Abrechnungsmodul hat und deshalb günstig ist. „Sie bringt mir für den Hofladen und das Café ja auch Kundschaft“, sagt Tobaben. Denn während die Batterie lädt, können es sich die Autofahrer bei einer Tasse Kaffee gemütlich machen, so sein Geschäftsmodell. Auch der Nahtourismus könnte von den Wartezeiten profitieren.

Das E-Projekt am Rittergut Kössern, das er 2012 erwarb und mit dem Einsatz von rund zwei Millionen Euro wieder zu einem Schmuckstück verwandelte, brachte Tobaben mit den Leipziger Stadtwerken auf den Weg. Das Unternehmen finanzierte mit Hilfe des Bundesförderprogramms „Schaufenster Elektromobilität“ die Ladesäulen, Tobaben schuf bei der Sanierung des Kuhstalls die baulichen Voraussetzungen, installierte aus eigener Tasche Kabel und Zähler, schuf Parkplätze. „Ich möchte das Rittergut als Hot Spot der Elektromobilität im ländlichen Raum verankern“, sagt der 47-jährige Manager, der die Woche über in Leipzig wohnt. Er wolle seinen Beitrag leisten für den Durchbruch der Elektromobilität im ländlichen Raum. „Da gibt es kaum Pioniere, einer muss ja anfangen.“

In Leipzig existieren laut Tobaben derzeit rund 50 Ladesäulen mit 160 Ladepunkten für die sauberen Autos. Die Innenstadt habe ein dichtes Netz. „Jetzt muss die nächste Stufe zünden“, sagt der 47-Jährige. E-Mobilität mache nur Sinn, wenn auch der ländliche Raum erschlossen werde. Als Vorreiter sei er derzeit noch „allein auf weiter Flur, da müssen ganz viele mitmachen“.

Stefan Moeller vom Leipziger Elektroauto-Vermieter „Strominator“ spricht sogar von einer Ladewüste im ländlichen Ostdeutschland. „Strom ist vorhanden, aber er kann nicht genutzt werden.“ Es sei wie mit der Henne und dem Ei: Was war zuerst da? In diesem Fall müsse es heißen: „Wer fängt an“, so Moeller. „Nutzer sagen, es gibt keine Ladesäulen, also kaufe ich mir kein E-Auto. Säulenbetreiber sagen, es lohnt sich nicht, wenn kein Auto kommt.“ Zwar sei ein mit Strom fahrendes Auto derzeit noch nicht für jeden geeignet, „aber im gewerblichen Bereich in Leipzig, könnten wir sofort 80 Prozent der Benziner und Diesel ersetzen“, ist Moeller überzeugt.

Tobaben hofft, dass viele seinem Beispiel folgen und so das umweltfreundliche Fahren an Fahrt gewinnt. Als Mitglied im Verein Sächsisches Burgen- und Heideland versuche er, Gastronomen-Kollegen zu motivieren und es ihm gleich zu tun. „Die Schiffsmühle Höfgen hat sich inspirieren lassen“, erzählt er. Auch in Grimma gebe es zwei Ladepunkte. „Elektromobilität ist die Zukunft“, ist Tobaben überzeugt. Dafür macht er sich auch als Chef der Metropolregion stark.

Seine versteckte Ladestation ist übrigens für Stromer per Internet leicht zu finden, denn sie ist auf der gängigsten App für E-Tankstellen gelistet. „Wattfinder“ ist ihr Name, und sie greift auf das Goingelektric-Verzeichnis zu. Es funktioniert laut Moeller wie das Internet-Lexikon Wikipedia und habe derzeit die höchste Datenlage. E-Radfahrer werden auf diesem Wege indes kaum nach Ladestopps suchen. Bei Tobaben am Rittergut in Kössern werden aber auch sie fündig und können ihren Akku mit Strom versorgen .

Von Frank Prenzel

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