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Grimma Konkurrenz für Brühlsche Terrasse: Grimma bekommt malerischen Rundweg
Region Grimma Konkurrenz für Brühlsche Terrasse: Grimma bekommt malerischen Rundweg
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11:52 19.02.2018
Die Stadt Grimma von einer ihrer besten Seiten, an der ein Rundweg entstehen soll. fsw - Frank Schmidt - MTL - BOG Quelle: Frank Schmidt
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Grimma

Was Elbflorenz hat, wird auch die Perle des Muldentals bekommen – eine Terrasse, eine Brühlsche, oder besser: eine Grimmsche. Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) ließ sich am Dienstag erstmals in die beinahe noch geheimen Karten schauen. Demnach soll es Spaziergängern bis spätestens Mitte nächsten Jahres möglich sein, auf Höhe der Grimmaer Altstadt die Mulde komplett zu umrunden. „Jahrhundertelang träumten die Grimmaer davon – jetzt wird es Wirklichkeit“, schwärmt Berger.

Niemand habe die Absicht, eine Mauer zu bauen. Gebetsmühlenartig wiederholte Berger in den zurück liegenden Jahren sein Versprechen, das pittoreske städtische Ufer trotz aufwendiger Arbeiten am Hochwasserschutz nicht verschandeln zu wollen. Er hat Wort gehalten. 80 Prozent des zwischen Polizeirevier und Tempelberg angerührten Betons „versteckt“ sich hinter bestehendem Gemäuer. 2500 Abdichtungspfähle, acht Brunnensysteme, 80 Verschlusselemente – 60 Millionen Euro wird Grimmas Hochwasserschutz am Ende kosten. Laut Axel Bobbe von der Landestalsperrenverwaltung befinde sich das auch international stark beachtete Projekt bereits auf der Zielgeraden. „Es mag sicher viele überraschen, aber die gesamte städtische Ostseite büßt nichts von ihrer touristischen Schönheit ein, im Gegenteil: sie gewinnt, und wie!“, triumphiert Berger.

Erstmals in der Geschichte der Stadt werde es einen durchgängigen Rundweg von Pöppelmannbrücke über Stadtwaldpromenade, Hängebrücke und entlang der historischen Stadtmauer wieder vor bis zum Schloss geben, kündigt das Stadtoberhaupt an. 750 000 Euro koste das „Sahnehäubchen“, wobei zwei Drittel der Summe gefördert würden.

„Ich bin begeistert“, platzt es aus Stadtführer Klaus Büchner heraus. Er könne es gar nicht erwarten, die Runde mit seinen Gästen möglichst bald zu drehen. Er spricht von einem „touristischen Highlight“, das Grimma garantiert viele Besucher bescheren werde. Ähnlich sieht es Heimatforscher Rudolf Priemer: „Bislang gab es immer nur einen Trampelpfad, der irgendwo geendet hat. Ich würde mich wirklich freuen, wenn der Rundweg kommt.“ In diesem Zusammenhang erinnert Priemer an Grimmas „Belvedere“, den Höhenweg direkt über der Promenade: „Von dort aus kann man die Schokoladenseite unserer Stadt am allerbesten sehen. Leider muss man derzeit noch hinauf kraxeln. Der Stadtwald schreit nach gärtnerischer Gestaltung!“ Es sei der Verschönerungsverein gewesen, der in der Kaiserzeit all die exponierten Aussichtspunkte geschaffen habe – „Das waren noch Leute, die sich für ihre Stadt und nicht ihr Konto in der Schweiz interessierten“, so Priemer gewohnt bissig.

Der Canaletto-Blick auf Grimma wird derweil immer reizvoller. Beinahe jedes Gebäude der städtischen Ostseite wurde aufgehübscht. Als nächstes sei die Roggenmühle dran, die Rekonstruktion koste rund 3,5 Millionen Euro, informiert Janine Wolff vom Stadtentwicklungsamt. Zudem würden am Gymnasium sowohl Fassade als auch Fenster erneuert. Zuletzt flossen vier Millionen Euro allein ins Alte Seminar. Seinem Außenbereich soll künftig auch der Schulhof zugeschlagen werden. „Zwischen Klosterkirche und St. Augustin wollen wir Klosterhof und Klosterplatz gestalten – mit Pergola und einer Bühne, die beispielsweise für Freiluftkonzerte genutzt werden kann“, blickt Berger voraus. Er lobt die gute Zusammenarbeit mit der Talsperrenmeisterei, die in die Pläne der Grimmaer eingeweiht sei, so dass die Grenzen zwischen Hochwasserschutz und Ufergestaltung längst fließend seien. Vor seinem geistigen Auge läuft der OBM bereits den knapp drei Kilometer langen Rundweg ab: „Es wird von der Altstadt aus verschiedene Zugänge zum Ufer geben – etwa an Ruderverein, Klosterkirche, Etuifabrik und Pöppelmannbrücke.“ Es sind Balkone, Treppen und sogar ein kleines Open-Air-Museum geplant. Für den Architekten und Denkmalpfleger Thomas Will von der TU Dresden, der in Grimma maßgeblich mitgearbeitet hat, eine absolute Erfolgsgeschichte: „Ich habe immer gesagt, dass wir hier nicht nur hundertjährige Hochwasser abwehren wollen, sondern dass auch was für den Alltag der Menschen rausspringen muss. Daher war es uns wichtig, das Ufer begehbar zu machen“, so der Professor. Die Grimmschen Terrassen seien mehr als nur erfreuliches Nebenprodukt.

Von Haig Latchinian

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