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Kranwerk-Chef befürchtet kulturellen Kahlschlag durch Freihandelsabkommen

Kranwerk-Chef befürchtet kulturellen Kahlschlag durch Freihandelsabkommen

Viele reden seit Wochen über die Kürzungen der Förderung durch den Kulturraum. Heiko Guter tut das nicht, denn er erhält für das Alte Kranwerk Naunhof keine.

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Heiko Guter, der Chef vom Kranwerk Naunhof, befürchtet negative Auswirkungen des geplanten Freihandelsabkommens mit den USA für den Kulturbetrieb.

Quelle: Andreas Döring

Landkreis Leipzig. "Niemand kann uns etwas streichen. Wir mussten uns schon immer selbst finanzieren", sagt er und findet das nicht einmal dramatisch angesichts der Zukunft, die er fürs deutsche Kulturleben befürchtet. Die Einrichtung an der Lutherstraße hält er fit, indem er neue Ideen entwickelt und auf breitere Publikumsschichten setzt.

Einen kulturellen Kahlschlag prophezeit er, wenn das angestrebte Freihandelsabkommen mit den USA, TTIP, in Kraft treten würde. "Dann kann auch eine amerikanische Musical-Company bei uns Subventionen beantragen, wenn das Gleichheitsprinzip gewahrt bleiben soll", mutmaßt er. "Da sich aber nicht unendlich viel Geld im Topf befindet und schon jetzt gekürzt wird, hieße das, es würde weit weniger für die etablierten Häuser zur Verfügung stehen. Es käme zu deren Schließung." Das Kranwerk und seinen Verein Kulturfaktur betreffe das nicht, auch wenn er im Herbst 170 Unterschriften gegen TTIP gesammelt habe.

"Es ist Freude und eine Form von Freiheit, dass wir uns in der Lage sehen, uns ungebunden als Kulturhaus zu bewegen und alternative Angebote zu haben, vor allem auch internationale", sagt Guter. So solle in diesem Jahr die europäische Kulturreise fortgesetzt werden. Nach Bands aus Frankreich, Schweden und Polen in jüngster Vergangenheit würden nun Gäste aus Finnland, Spanien und Ägypten erwartet.

Am 20. März haben sich "Sväng" angesagt. Sie bringen finnische Volksmusik zum swingen, geben südosteuropäischer Folklore einen neuen Sound, lassen slawische und russische Melodien in ihrer melancholischen Wucht erstrahlen. Das "Al Andaluz Projekt", eine spanisch-ägyptisch-deutsche Gruppe, wird am 24. Oktober gastieren und sephardische Musik spielen.

Mit der "crane factory", einer völlig neuen Kultursparte für 20- bis 30-Jährige, zielt Guter auf ein Publikum ab, das bislang kaum den Weg zu ihm gefunden hat. Alternativ-Rock und Independent Rock werden im Zentrum stehen, die Band "crwth" aus Leipzig soll am 26. Juni den Auftakt bestreiten. Vorband wird die Gruppe "Eroll Corte" sein, die sich, als sie sich zusammenfand, anderthalb Monate lang im Alten Kranwerk ein Probelager abhielt. Die 19- und 20-Jährigen, die in einer Wohngemeinschaft in Leipzig leben, wollen die neue Konzertreihe inhaltlich füllen und über soziale Medien wie Twitter und Facebook vermarkten. "Ich gebe ihnen gern eine Plattform, denn wir alten Säcke können das einfach nicht mehr", meint Guter schmunzelnd.

Sein Metier sind die Folk- und Weltmusik, in dieser Richtung soll alles weiter laufen wie gehabt. Dazu kommen die gewohnten Workshops für Kinder, die Hoffeste, der Weihnachtsmarkt. Das Upcycling, bei dem es darum geht, aus Gebrauchtem etwas Neues herzustellen, war im vergangenen Jahr gut angelaufen und besonders bei 16- bis 25-Jährigen beliebt. Das Angebot für dieses Jahr ist laut Guter schon fast ausgebucht. Wegen der guten Resonanz zur Premiere soll es auch wieder ein Kunstprojekt mit der Naunhofer Jungen Gemeinde geben. 2014 hatte sie einen Leuchter für die Stadtkirche angefertigt.

Beginnen wird die Saison schon am 13. März. Philipp Möller aus Berlin liest dann aus seinem neuen Buch "isch hab Geisterblitz", und zwar einen Tag, bevor es auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt wird. Bekannt ist der Autor durch seinen 2012 erschienenen Bestseller "Isch geh Schulhof", in dem er Unerhörtes aus seinem Alltag als Berliner Grundschullehrer mit Witz und vor allem Hintersinn beschrieb.

Die beiden Orchester im Landkreis Leipzig haben in Bezug auf das geplante Freihandelsabkommen TTIP keine großen Befürchtungen. "Das sind nicht nur unsere primären Probleme", sagt der Geschäftsführer des Leipziger Symphonieorchesters (LSO), Hans-Ulrich Zschoch. Ihn beschäftigt eher die Finanzierung des LSO durch den Kulturraum. Für seinen Kollegen Heiko Schulze, den Geschäftsführer der Sächsischen Bläserphilharmonie in Bad Lausick, ist das Vertragswerk zwischen EU und USA auch nicht das Thema, das ihn entscheidend um den Schlaf bringt. Die derzeitigen Fördergelder aus dem Kulturraum-Topf stünden ohnehin fest. Immerhin könnte TTIP Auswirkungen auf die Leistungsschutzrechte der Bläserphilharmonie haben, etwa bei der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) oder auch bei Bildaufnahmen des Orchesters. Generell sei TTIP für die einstigen Rundfunkbläser aber keine große Gefahr.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.02.2015
Frank Pfeifer/Nikos Natsidis

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