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Krebspatientin aus Grimma findet mit neuer Therapiemethode Pipac ins Leben zurück

Neue Methode Krebspatientin aus Grimma findet mit neuer Therapiemethode Pipac ins Leben zurück

Bauchfellkrebs – diese Diagnose kommt nicht selten einem Todesurteil gleich. Fast immer sind die Tumore Metastasen anderer Krebsgeschwüre, fast immer führen sie zum Tod. Sechs bis zwölf Monate, so lang ist die Lebenserwartung eines Patienten mit Bauchfellkrebs im Durchschnitt. Annegret Severin aus Grimma trotzte der tödlichen Krankheit.

Will anderen Krebspatienten Mut machen: Annegret Severin aus Grimma hat eine neue Krebstherapie erfolgreich überstanden.
 

Quelle: Thomas Kube

Grimma.  Annegret Severin gehört zu den Patienten, die durch die neue Behandlungsform gegen Bauchfellkrebs seit 2014 turmorfrei und bei Wohlbefinden ist.

Mit Schluckbeschwerden hatte es bei der heutigen 54-Jährigen im Mai 2012 angefangen. „Über ein paar Monate hatte ich Probleme beim Essen“, schildert sie die Situation. Bei einer Magenspiegelung hatten die Ärzte nichts festgestellt. Im Oktober ging gar nichts mehr. Durch die Gewichtsreduzierung fiel ihr selbst das Treppensteigen schwer. Dann diagnostizierte ein anderer Arzt Magenkrebs, und die Odyssee begann für sie. „Zu allem Unglück standen auch noch Baumaßnahmen am Haus an“, erzählte die gelernte Erzieherin. Obwohl sie Chemotherapien bekam, musste sie die Bauarbeiter versorgen und den Bauablauf kontrollieren. „Ich konnte mich nicht gehen lassen, sondern musste Disziplin an den Tag legen“, erzählt die gelernte Krippenerzieherin. Doch die Ärzte räumten ihre keine guten Chancen ein, dass sie die Krebsbehandlungen übersteht. Die Diagnose lautete unheilbarer Magenkrebs mit Bauchfellstreuung. „Ich sagte mir, du bist noch jung, dass kann es doch nicht gewesen sein und erkundigte mich nach vielfältigen Methoden“, sagt die Grimmaerin.

„Im Fernsehen sah ich eine Visitesendung zu der innovativen Behandlungsmethode aus dem Ruhrgebiet. Ich rief dort sofort an und wollte an der Studie teilnehmen. Doch ich erhielt eine Ablehnung“, erinnert sie sich. Insgesamt hatten sich 3000 Patienten für die Studie beworben. „Ich gab jedoch nicht auf und wollte unbedingt, dass die Methode bei mir ausprobiert wird“, erzählte sie. Und dann war es soweit. Im März 2013 erhielt sie die erste Pipac-Behandlung. „Die Pipac-Methode wirkte lokal und effektiv direkt am erkrankten Gewebe. Mir war es nicht schlecht wie bei den anderen Chemotherapien, und mir ging es schon am nächsten Tag wieder gut“, schilderte sie die Wirkung.

„Nach zwei Pipac-Anwendungen am Marien Hospital in Herne wurde ich operiert und weder im Magen noch im entnommen Bauchfell waren noch Krebszellen nachweisbar“, erzählt sie noch heute die auch für sie selbst unfassbare Geschichte. Insgesamt erhielt sie sieben Pipac-Anwendungen. Doch vom ersten Moment an, hatte sie großes Vertrauen in die behandelnden Ärzte in Herne gesetzt. „Wer wird schon von einem Papst behandelt“, witzelte sie, obwohl der behandelte Facharzt für Chirurgie Dr. Urs Giger-Pabst hieß.

Er gehörte dem Team um Professor Dr. Marc Reymond an, der die neue Methode entwickelt hatte. Gemeinsam mit Ingenieuren konstruierten sie ein Gerät, dass das Chemotherapeutikum, das sonst in den Blutkreislauf geleitet wird, unter Druck direkt in die Bauchhöhle vernebelte. Das feine Aerosol wurde durch drei winzige Schnitte in der Bauchdecke zwei Stunden lang appliziert. Durch die Vernebelung und den Druck erreichten die Mediziner, dass das Medikament bis in die kleinsten Winkel der Bauchhöhle gelangte, und dass es tiefer in das Tumorgewebe eindrang, das im Vergleich zu gesundem Gewebe einen erhöhten inneren Druck aufweist. Spülungen mit Chemotherapeutika perlen deswegen daran ab, wie Wasser vom Gefieder eines Vogels.

Seit diesem Jahr wird die neue Behandlungsform Pipac durch Professor Dr. med. Steffen Leinung an den Muldentalklinken in Grimma durchgeführt (die LVZ berichtete). Er ist Chefarzt für Chirurgie am Krankenhaus Grimma. Am 17. November wird es einen Patiententag von 15 bis 18 Uhr am Krankenhaus Grimma geben. Dieser Tag soll auch zum Anlass genommen werden, um eine Selbsthilfegruppe für Betroffene von Bauchspeicheldrüsen-Erkrankungen zu gründen. Annegret Severin hat sich bereit erklärt, darin mitzuwirken.

Die 54-jährige will Patienten mit der Diagnose Bauchfellkrebs Mut machen. „Ich halte gegenwärtig bereits mit drei Leuten aus Leipzig Kontakt, die mich unregelmäßig anrufen“, erklärt sie. Für Darmerkrankungen gäbe es bereits eine aktive Gruppe, aber für Betroffene mit Bauchfell-Erkrankungen fehle die. Dabei gehe es um alltägliche Dinge, wie welche Lebensmittel am besten vertragen werden und wie man den Alttag meistert. „Wichtig ist, dass man in einer solchen Situation eine Stütze in der Familie hat“, erzählt sie aus Erfahrung. Denn ohne ihre Familie hätte sie die ganze Odyssee nicht durchgestanden. Auch Freundschaften sind wichtig. Severin: „Durch meine Krankheit habe ich viele Freunde verloren, aber auch viele hinzubekommen.“ Denn auch für Angehörige und Freunde und Bekannte sei es nicht einfach, mit der Krankheit umzugehen. Sie bräuchten auch einen Ansprechpartner, den eine solche Selbsthilfegruppe, wie sie in Grimma geplant sei, bieten könnte.

Von Cornelia Braun

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