Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Kult-Moderator Thomas Böttcher zurück im Muldental
Region Grimma Kult-Moderator Thomas Böttcher zurück im Muldental
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:40 08.11.2018
Böttcher schafft das! Für das MDR-Fernsehen war die Ulknudel neun Tage in Mitteldeutschland auf Wanderschaft. Quelle: MDR/Daniel Laudowicz
Naunhof

Zuschauer saßen auf Garagen, Kirschbäumen und Dixi-Toiletten. Einmal im Leben wollten sie „WM“-Luft schnuppern. 9000 Fans strömten in den Bahrener Ortsteil Kamerun. Böttcher & Fischer, die Ulknudeln aus dem Radio, hatten zum WM-Ersatz-Endspiel geladen: Deutschland gegen Kamerun. Der Miniort platzte aus allen Nähten, die Autobahn war dicht, FIFA-Referee Klaus Peschel wurde bestochen. Radiohörer machten ihrem Böttchi unmoralische Angebote: „Siegt Kamerun, musst du in meiner Kammer ruh’n!“ Das war vor 20 Jahren.

„Ach, ja, Kamerun, lang, lang ist’s her.“ Dunkel erinnert sich Thomas Böttcher an Sachsens ersten Flash-Mob. Türlich, es sei toll gewesen. Aber alles habe seine Zeit. Die Trennung von Radiosender und Busenfreund Fischer sei längst abgehakt: „Ich war krank, und als ich wieder auf der Matte stand, wollten die mich nicht mehr.“ Er schaue nicht zurück in Zorn, Trauer oder gar Verzweiflung. Er schaue nur nach vorn: „Ich fühle mich wohl bei dem, was ich jetzt mache. Alles gut.“

„Lieber radioaktiv als im Radio aktiv“

Am Freitag, 20 Uhr, kehrt der Böttcher zurück ins Muldental. Im Naunhofer Hotel Rosengarten gastiert er mit seinem Bühnenstück „Lieber radioaktiv als im Radio aktiv“. Dabei durchleuchtet sich Comedian Böttcher selbst, kehrt das Innerste nach Außen, erzählt über sich und sein bisheriges Leben: „Von Geburt an“, betont er. Premiere hatte das Soloprogramm im Radeberger Biertheater. Ja, ja, das Biertheater. Schon zu Radio-Zeiten habe er da gespielt, jetzt umso öfter. In gleich vier Stücken mimt er mit: Gute Ex, schlechte Ex. Laubenpieper. Malzau, deine Kursachsen. Der Schwipsbogen: „Das ist klassisches Schauspiel!“

Thomas Böttcher läuft fast 250 Kilometer vom Unstruttal bis Meißen. Quelle: MDR/Daniel Laudowicz

Er hatte keinen Cent in der Tasche, nichts zu essen bei sich und weder Karte noch Kompass. Unter dem Motto „Böttcher schafft das!“ begab er sich in diesem Sommer auf Wanderschaft durch Mitteldeutschland. Vom Unstruttal nach Meißen, fast 250 Kilometer in neun Tagen, und das bei sengender Hitze. Der 53-Jährige erfuhr morgens per SMS sein nächstes Tagesziel, und los ging’s. Wo er schlief, wie er sich was zu essen verdiente und wen er alles traf – im MDR-Fernsehen konnten seine Fans hautnah dabei sein.

Er fühlt sich wohl in Döbeln

Ob es eine Fortsetzung gibt? „Schau mor ma.“ Böttcher, der gebürtige Delitzscher, fühlt sich wohl in Döbeln, seiner Wahlheimat, genau im Herzen Sachsens. Dort wohnt er nicht nur, dort hat er ein tolles Büro mit Rechner, Schlagzeug und Gitarre. Dort entstehen seine BÖlumnen, seine druckreifen satirischen Wochenrückblicke. Ob Maaßen oder Nahles – alle bekommen ihr Fett weg. Er liebe Sachsen. Weder Land noch Leute wolle er sich madig machen lassen. Von niemandem! Er sei glücklich in der Patchworkfamilie mit drei erwachsenen Kindern und seiner Nancy. Sie unterstütze ihn extrem: „Sie ist meine Beraterin, Managerin und Taktgeberin.“

„Man muss eben doch kein Arschloch sein“

Elektriker hatte er gelernt und meldete sich 1992 auf eine Stellenanzeige beim Radio. Als Mädchen für alles. Schon bald durfte er ans Mikro. Legendär sein Spruch: Ich möchte einmal mit Profis arbeiten! Jederzeit gern arbeitete Böttcher zusammen mit Wolf-Rüdiger Raschke, Kopf der Band Karussell. Beide lernten sich im Radio kennen: „Wolfi ist einer der anständigsten und liebevollsten Menschen, die ich erlebt habe“, schwärmt der Böttcher. Über 40 Jahre sei der sich treu geblieben: „Man muss eben doch kein Arschloch sein, um in dem Haifischbecken zu bestehen.“

Er sei der Einladung von Hotelier Raschke gern gefolgt und freue sich auf das Wiedersehen im Naunhofer Rosengarten, sagt Böttcher. Für Freitag erwägt auch der einstige WA-DO-BA-Sprecher Frank Schmidt aus dem Dorf Walzig bei Trebsen sein Kommen. Wochenlang wetteiferte er live im Radio mit Böttcher darum, welcher Weihnachtsbaum zuletzt nadelt – der Walziger Dorfbaum auf der Milchrampe oder die Bö-Fi-Fichte auf dem Bautzener Obermarkt. Dass die Walziger gewonnen hatten, fand Böttcher damals nicht so lustig. Heute kann er nur noch drüber lachen.

„Lieber radioaktiv als im Radio aktiv“, Freitag, 20 Uhr im Naunhofer Hotel Rosengarten. Restkarten zu 20 Euro unter Telefon 034293/430

Von Haig Latchinian

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Feuerwehr von Naunhof rückte in der Nacht zum Donnerstag nach Erdmannshain aus. Ein Passant hatte Qualm rund um die Mühle beobachtet. Als die Kameraden das Gebäude untersuchten, konnten sie jedoch keinen Brand feststellen.

08.11.2018

Während Leipzigs Stadtreinigung ganze Siedlungen nicht mehr ansteuert, setzt die Kell im Landkreis auf praktikablere Lösungen – hofft aber auch auf mehr Rücksicht.

08.11.2018

Hund und Mensch als Team – der Hundesportverein Grimma hatte sich SGSV-Beauftragte Nicole Schneider eingeladen. In der Disziplin Rally Obedience leitete die Profi-Frau die Hundefreunde an.

08.11.2018