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Grimma Kulturraum zahlt nicht mehr fürs Kreismuseum Grimma
Region Grimma Kulturraum zahlt nicht mehr fürs Kreismuseum Grimma
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10:03 12.02.2019
Das Kreismuseum in Grimma in winterlicher Kulisse. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Nach der Aufregung im vorigen Jahr ist rund ums Kreismuseum Grimma wieder Ruhe eingekehrt. Und doch hat sich etwas Entscheidendes geändert: Der Kulturraum Leipziger Raum stellt für die Finanzierung des Hauses keinen einzigen Cent mehr zur Verfügung, so dass der Landkreis Leipzig seit Jahresanfang für die museale Stätte allein aufkommt.

Für Personalkosten und Unterhaltung seien jährlich etwa 200.000 Euro im Haushalt des Landkreises veranschlagt, informiert auf LVZ-Nachfrage Landratsamt-Sprecherin Brigitte Laux. Der Weiterbetrieb des Museums stehe daher außer Frage.

Grimma verweigert seit Jahr und Tag den Sitzgemeindeanteil

Wie berichtet, spitzte sich die Lage im vorigen Jahr nach einem deutlichen Schreiben des Landratsamtes an die Grimmaer Stadtverwaltung zu. Die Muldestadt weigert sich seit Jahr und Tag den sogenannten Sitzgemeindeanteil für das Kreismuseum zu zahlen und verweist auf andere kulturelle Einrichtungen, die sie kostenmäßig fordern. Die Kreisbehörde stellte deshalb in dem Schreiben die Perspektive des Museums, das sich vor allem mit der Geschichte der Stadt Grimma befasst, in Frage. Das Haus befindet sich seit 1956 in Trägerschaft des Kreises.

Die Tür zum Kreismuseum. Quelle: Frank Prenzel

Üblicher Weise zahlt der Kulturraum nur, wenn auch die sogenannten Sitzgemeinde ihren Anteil beisteuert – acht Prozent der Kosten. Im vorigen Jahr stellte der Kulturraum noch 110.000 Euro für das Kreismuseum in Grimma zur Verfügung und zieht nun offenbar die Reißleine, damit das bisherige Beispiel keine Schule machen kann.

Museumsleiterin Marita Pesenecker wertet es als positives Signal, dass der Landkreis für die Finanzierung aufkommt und in der Paul-Gerhardt-Straße ohne Einschränkung weitergearbeitet werden kann. „Das Damoklesschwert schwebt aber nach wie vor über unserer Einrichtung“, gibt die 59-Jährige ihren Gedanken Ausdruck.

Beigeordnete: Noch nicht am Ende der Diskussionen

Aus dem Landratsamt heißt es dazu, dass „hinsichtlich einer perspektivischen Entwicklung zur Ausrichtung des Museums in der Zukunft“ noch keine Entscheidungen getroffen wurden. „Da sind wir noch nicht am Ende der Ideen und Diskussionen angekommen“, so Ines Lüpfert, in deren Verantwortung als Zweite Beigeordnete auch die Kultur liegt. Auch beim Kreismuseum Wyhra seien eine intensive Potenzialanalyse und viele Gespräche nötig gewesen, um eine tragfähige Konzeption zu entwickeln. Ziel des Landkreises sei es, das Museum stärker in Grimma zu verankern, dort liege der Sammlungsschwerpunkt, und dort sei auch die touristische Vermarktung leichter zu bewerkstelligen, so die Beigeordnete.

Mit Marita Pesenecker, Sybille Kerntke und Jens Müller kümmert sich ein eingespieltes Team um das Museum, das im Jahr etwa 3000 Besucher zählt und mehrere Veranstaltungen auf die Beine stellt. Jährlich 18.000 Euro kann das Trio für Ausstellungen, Restaurierungen, Ankäufe oder Künstlerhonorare ausgeben. „Mit der Summe können wir weiter planen“, informiert die Museumschefin und freut sich über einen Coup, der ihr im vorigen Jahr gelang.

Marita Pesenecker, Leiterin des Kreismuseums in Grimma. Quelle: Thomas Kube

Da erstand Pesenecker einen barocken Sekretär aus dem 18. Jahrhundert, auf den sie schon lange scharf war. Der Grimmaer Seifensieder Gottfried Samuel Herrmann hatte das Schränkchen im Jahr 1788 auf der Ostermesse in Leipzig gekauft. Bis zum Jahr 2000 stand es dann in einem kleinen Laden am Grimmaer Markt und landete schließlich bei einem Antiquitätenhändler in Rohrbach. Für 2500 Euro konnte Pesenecker den Sekretär jetzt ankaufen. „Wir haben Schränke von sonst wo und nun endlich mal ein aus Grimma verbürgtes Objekt“, ist sie froh. Ins Kontor schlug im letzten Jahr auch von Schimmel befallene gotische Altarfiguren aus der Grimmaer Hospitalkapelle und eine gotische Eichentruhe, die restauriert werden mussten.

Überarbeitung von Räumen liegt auf Eis

Andere Vorhaben aber liegen wegen der Zukunftsfrage des Museums auf Eis. „Die Töpferstube und der Handwerkerraum bräuchten eine gestalterische und inhaltliche Überarbeitung“, verdeutlicht die 59-jährige Leiterin. Der Zeitpunkt ist offen. Vor zwei Jahren musste Pesenecker die bereits zugesagten Fördermittel für die Töpferstube wegen der ungewissen Situation sogar wieder zurückgeben.

Chic im Osten – Museum zeigt DDR-Mode

Mit zwei bis drei Sonderausstellungen wartet das Kreismuseum in Grimma jedes Jahr auf. Die nächste rückt bereits ins Blickfeld und greift anlässlich 30 Jahre Mauerfall eine besondere Facette der untergegangenen DDR auf. Ab 17. März (Eröffnung 15 Uhr) heißt es „Chic im Osten“, wofür sich das Museumsteam den gleichnamigen Leipziger Verein geangelt hat.

„Der Verein sammelt seit 20 Jahren DDR-Mode“, weiß Museumsleiterin Marita Pesenecker zu berichten. Mittlerweile seien über 1000 Bekleidungsstücke zusammen gekommen. Ein Teil davon wird bis zum Sommer in der Paul-Gerhardt-Straße in Grimma zu sehen sein. „Wir wollten zu 30 Jahre Wende ein spezielles Thema und was Lustiges aufgreifen“, verrät Pesenecker und weiß um den Aha-Effekt, den viele Besucher haben werden. Schließlich hatten sie diese Sachen einst selbst am Leib.

Gerahmt wird die schicke Sonderausstellung von einigen Veranstaltungen. Am 28. April führt um 15 Uhr die Vereinschefin durch die Offerte. Zum Internationalen Museumstag am 19. Mai gibt es ab 11 Uhr eine Ost-Modenschau und Soljanka aus dem Kessel. Und am 23. Juni wartet um 15 Uhr der Grimmaer Manfred Pippig mit dem Bildervortrag „Mode früher“ auf.

Am 18. August hebt sich dann der Vorhang zur zweiten diesjährigen Sonderausstellung, deren Produkte allesamt gekauft werden können. Ihr Titel: Engel nicht nur zur Weihnachtszeit – Volkskunst aus Sachsen und Polen. Und am 1. Dezember wird die traditionelle Weihnachtsausstellung eröffnet, die dieses Mal Grimma beleuchten soll.

Zudem hält das Museum an bewährten Formaten fest. Unter dem Titel „Zwischen Kunst und Kitsch“ rückt der Torgauer Ingo Henjes am 31. März zur Antiquitätenschätzung an. Zum Eier-Batiken mit Ursula Krause sind alle am 7. April eingeladen. Und das Papiertheater von Ulrike Richter macht am 20. Oktober Station im Kreismuseum.fpr

Von Frank Prenzel

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