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Grimma Kunst in der Schaddelmühle: Heimaterde wird zu Keramik
Region Grimma Kunst in der Schaddelmühle: Heimaterde wird zu Keramik
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12:51 22.09.2018
Markus Heller formt aus Ton Kunststücke. Eine Motorkettensäge und eine Kette zeigen, dass sie Alltagsgegenständen nachempfunden sind. Quelle: Frank Schmidt
Grimma/Schaddel

Mit „Kunst aus Heimaterde“ ist ein zweiwöchiger Workshop überschrieben, der gegenwärtig acht Künstler in der Schaddelmühle bei Großbothen zusammenführt. Das fünfte Mal übrigens, erzählt Frank Brinkmann, Vereinschef der Schaddelmühle. „Vor den beiden Fluten, von denen auch wir jedes Mal hart betroffen waren, gab es schon diese Workshopreihe, die wir aber unterbrechen mussten. Vor fünf Jahren haben wir sie wieder aufgenommen, was neben den vielen anderen Aufgaben ganz wichtig für uns ist.“ Und dafür werden alle Räume der Schaddelmühle in Beschlag genommen, zumal die Künstler dort auch wohnen und versorgt werden.

Verein ist Partner im Geopark Porphyrland

Mit dem Projektnamen verbindet sich die Partnerschaft zum Geopark Porphyrland. Als Geoportal für die Erden der Keramik verfügt die Schaddelmühle über eine eigene Tonaufbereitungsanlage, um den Rohstoff Ton selbst aufzuarbeiten. „Das eigentliche Anliegen unserer Arbeit ist, den Ton als künstlerisches Medium zu propagieren und in der bildenden Kunst anzuwenden“, sagt Brinkmann. Und das vor dem Hintergrund, dass die Region eine lange Tradition der Industriekeramik habe – Colditzer Porzellan zum Beispiel stehe dafür.

Künstler experimentieren mit Tonen aus der Heimat

Für die im Workshop gefertigten Kunstwerke, ob figürlich oder abstrakt, gebe es keine thematischen Vorgaben. „Wichtig ist uns aber der Ort und das Material. Deshalb bringen die Künstler aus ihren Regionen auch eigene Tone zur Ergänzung mit, was sogar erwünscht ist“, sagt Brinkmann.

Mit bereits fertig modellierten Kunststücken, die unter anderem Alltagsgegenstände darstellen, präsentiert sich Markus Heller. Vor dem 31-jährigen Künstler aus Stuttgart, der seit vier Jahren in Leipzig lebt, liegen auf dem Tisch eine Motorkettensäge und eine als Schmuck gedachte Kette – alles aus Ton. Und schon ungebrannt im Regal liegend, zeigt er diverse sogenannte „Versatzstücke“, die der Laie als Lego-Spielzeug bezeichnen würde.

Verpackungsmaterialien hinterlassen Abdruck

Die Leipziger Künstlerin Roswitha Maul nutzt den Aufenthalt, um zu experimentieren, was sie anhand von verschiedenen Tongefäßen erklärt. Dafür bedient sich die 37-Jährige unterschiedlicher Verpackungsmaterialien, zum Beispiel Wellpappe, Luftpolsterfolie oder Styropor, deren Oberfläche sie auf geformte Gefäße und Vasen abdrückt. „Weil solche Gefäße, Krüge und Vasen irgendwie ja auch Verpackungsmaterialien sind“, sinniert sie über ihre Werke.

Arbeit in der Schaddelmühle als Auszeit

Ronny Szillo hat ursprünglich Medienkunst studiert, stellt aber in der Schaddelmühle sein Können als „Konzeptkünstler“ unter Beweis. Das Modellieren mit Ton sei für den 40-Jährige ein Stück weit auch Meditation. „Im Sinne einer Therapie, wenn ich die heutige Zeit so sehe, wo alles so schnelllebig ist.“ Denn: „Habe ich vorher mit den Fingern auf dem Bildschirm rumgetippt, ist die Arbeit mit Ton genau das Gegenteil.“ Was man dann auch im gewissen Sinn als ein Ausbrechen aus dem Alltag sehen könnte? Zumindest hat Szillo nichts gegen diese Interpretation.

Der nächste Winter kommt bestimmt, sagt sich indes Mario Schott, der einen weißen und einen schwarzen Schneemann formt. Ebenfalls aus Ton, was insofern interessant ist, „da ich eigentlich ein Metaller bin“, gesteht der 53-Jährige. Dabei ist es ihm nicht wichtig, Schneemann und Schneefrau darzustellen, sondern „das ungleiche Paar als ein Spiegelbild der Gesellschaft“, erklärt der Künstler.

Von Frank Schmidt

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