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Kunst und Kuchen in Altenhain

Kunst und Kuchen in Altenhain

Trebsen/Altenhain. Wer sonntags ein lohnendes Ausflugsziel sucht, aber glaubt, im Muldental eh schon alles abgeklappert zu haben, dem sei das Altenhainer Schloss empfohlen.

. Restaurator Thomas Lauth machte das verwahrloste Herrenhaus in 14 Jahren mühevoller Kleinarbeit zum Schmuckstück des mehrfach ausgezeichneten schönsten Dorfes. Fortan erwarten den Besucher hier jeden Sonntag Kunst, Kultur und Kuchen. Von wegen Kuhdorf!

 

Fast 1000 Gäste staunten bei der Wiedereröffnung des traditionsreichen Gemäuers im wahrsten Sinne des Wortes Bauklötzer. An jenem Adventswochenende lockte Hausherr Thomas Lauth mit handgemachten Puppen, Südtiroler Schnitzereien und Keramik aus Halle auf seinen hauseigenen Weihnachtsmarkt. Lauths Mutter Renate servierte im Café leckere Eierschecke und Dresdener Stolle. Viel mehr als nur ein Sahnehäubchen waren die ausgestellten Gemälde von Bernhardt Schloß. Eine Tradition war geboren: „Wir laden seitdem jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr zu Kunst, Kultur und Kuchen ein", freut sich Renate Lauth. Die Witwe zog extra aus Dresden ins Altenhainer Herrenhaus, um ihren Sohn zu unterstützen. „Mein verstorbener Mann Peter kennt das Haus noch im Urzustand. Als ihm unser Sohn damals eröffnete, diese Ruine wieder auferstehen lassen zu wollen, schlug Peter die Hände überm Kopf zusammen – der Thomas sei verrückt, sagte er. Ach, wenn mein Mann das Schmuckstück jetzt sehen könnte. Auch Thomas wünschte sich das sehr. Peter wäre stolz auf seinen Sohn."

1945 wurde die Rittergutsfamilie von Gontard enteignet, danach beherbergte das Haus etliche Umsiedler. Später diente das Gebäude zunächst der LPG, ehe man es zum Kindergarten umfunktionierte. Bis in die 80-er Jahre wurde es von sowjetischen Offiziersfamilien bewohnt. Schließlich stand das Haus lange leer. Fortan wurde Brauchbares ausgeschlachtet, Unbrauchbares rangekarrt – Autowracks, Matratzen, Kühlschränke. 1996 erwarb Thomas Lauth das bröckelnde Anwesen mit 6000 Quadratmetern Park. 17 Container Müll musste er zunächst abfahren. Es begann eine ehrgeizige Restaurierung. Thomas Lauth machte seinem Namen alle Ehre. Er, kein Freund großer Worte, arbeitete im Herrenhaus in aller Stille – und das ausschließlich in seiner Freizeit und nur mit privaten Mitteln. Er, der die Innenräume der Wermsdorfer Kapelle, von Kloster Rein in Graz, der Kunsthochschule Wien und des Rittersaales in Bad Muskau restaurierte, machte in Altenhain etappenweise fast alles selbst. Hilfe bekam er von ansässigen Handwerkern. Weil ihr Sohn gerade Deckenmalereien in Bautzen freilegt, führt Mutter Renate selbst durch das lichtdurchflutete, mit vier Deckenbildern geschmückte Treppenhaus im Stil der Neo-Renaissance. Derzeit sind in den Räumen mit Oberlicht, kunstvoll gearbeitetem Kachelofen, Säulen aus Stuckmarmor samt vergoldeten Kapitälen sowie einer reich verzierten Stuckkante an der Decke stimmungsvolle Aquarelle und Ölbilder von Ekkehart Stark zu sehen. Dazu kredenzt Renate Lauth wie jeden Sonntag Pfirsichtorte, Apfelkuchen und – Donauwellen(!). Am 29. Mai führen Mutter und Sohn im Rahmen der LVZ-Schlössertour durchs Haus, vom 24. bis 31. Juli ist ein erstes Sommercamp für malende Ferienkinder im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren geplant (Anmeldung unter Tel. 034383/ 62 99 93).

Renate Lauth zeigt ihre in voller Blüte stehenden Kamelien. „Bei schönem Wetter kann man auch im Garten sitzen. Und bis in den Planitzwald sind es nur zwei Minuten die Birnenallee runter." Also dann, nichts wie hin, sonntags, ins Kuhdorf, oder besser: ins Coup-Dorf.

Haig Latchinian

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