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LKW-Fahrer in der Zwickmühle – zwischen Ruhepflicht und Parkplatznot

Autobahnraststätten LKW-Fahrer in der Zwickmühle – zwischen Ruhepflicht und Parkplatznot

Im Landkreis Leipzig herrscht – wie in ganz Deutschland – an den Autobahnen ein gravierendes Problem: Es gibt zu wenig Parkplätze für Laster. Trotzdem müssen die Fahrer gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeiten einhalten. Mit der Folge, dass es auf Rasthöfen zu teils gefährlichen Situationen kommt.

Der Autobahnparkplatz Pösgraben an der A38 zwischen Leipzig-Süd und Dreieck Parthenaue ist regelmäßig überfüllt.
 

Quelle: Andreas Döring

Landkreis Leipzig. Es wird eng auf der Straße – und vor allem daneben. Über 200 LKW-Stellplätze fehlen an den sächsischen Autobahnen. Ein Dilemma. Für die Fernfahrer: Um die vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten, stellen sie ihre Fahrzeuge auch auf Flächen ab, die dafür nicht geeignet sind. Vor allem nachts reihen sich die LKW bis auf die engen Auffahrten. Und für andere Verkehrsteilnehmer: Die Fahrzeuge stehen meist unbeleuchtet auf den Fahrbahnen und sind für einfahrende Fahrzeuge erst sehr spät zu erkennen. „Das stellt ein erhebliches Verkehrsrisiko dar. Die Sicherheit wird hierdurch massiv beeinträchtigt, die Wahrscheinlichkeit für Unfälle steigt“, so Markus Löffler, Leiter der Abteilung Umwelt, Verkehr und Technik beim ADAC Sachsen. Dietmar von der Linde, Geschäftsführer des Landesverbands des Sächsischen Verkehrsgewerbes prophezeit: „Es wird in näherer Zeit keine echte Lösung geben.“

Das Falsch-Parken auf der Autobahn – dazu zählen auch Zu- und Abfahrten – kostet den Fahrer mindestens 70 Euro und bringt ihm ein Punkt in der Sünderkartei. Die Überschreitung der Lenkzeit zieht nicht nur für den Fahrer, sondern auch für das Unternehmen weitaus empfindlichere Bußgelder nach sich. „Auf Grund des internationalen Wettbewerbs und des Preisdrucks auf das Gewerbe ist jeder zusätzlich zu zahlende Euro für Strafen nicht zu akzeptieren“, so Andrea Böttcher.

Die Polizei führt regelmäßige Kontrollen durch. Pressesprecher Uwe Voigt sagt: „Prinzipiell ist das Parken von LKW in Raststättenauffahrten nicht ungefährlich.“ Deshalb sei es auch als Ordnungswidrigkeit in der Straßenverkehrsordnung erfasst. Eine Mitarbeiterin der Raststätte Muldental sagt: „Die Polizei kommt, schickt die LKW-Fahrer weg und am nächsten Morgen stehen sie wieder da. Wir können da nichts machen.“

Seit Jahren versucht die Politik Herr der Lage zu werden. Isabel Siebert, Sprecherin des Landesamts für Straßenbau und Verkehr sagt: „Es ist richtig, dass der LKW-Verkehr ein großes Parkproblem hat. Die Straßenbauverwaltung ist in enger Abstimmung mit dem Auftraggeber Bund um die Verbesserung der Situation bemüht und baut das LKW-Parkplatzangebot an Autobahnen weiter aus.“ In den letzten Jahren sind deutschlandweit tausende neue Stellplätze entstanden. Auf der A 72 wurden im letzten Jahr ganze 27 weitere Plätze geschaffen. Immerhin: Mit dem Neubau der Autobahn 72 wird zwischen Rötha und Espenhain eine sogenannte PWC-Anlage (Parkplatz mit WC) errichtet. Dort wird es weitere LKW-Stellplätze geben – wie viele genau steht noch nicht fest.

Prokuristin Böttcher: „Die bauen Parkplätze, stimmt. Aber das reicht einfach nicht aus“. Sie sieht nicht nur Bund und Länder in der Pflicht, sondern auch die Kommunen und Städte. „Hier müssen Stellplätze für LKW zur Verfügung gestellt werden“, fordert sie.

Von der Linde sieht Schwierigkeiten: „Einen Parkplatz für LKW zu bauen, ist nicht so einfach. Da bilden sich Bürgerinitiativen, die Menschen haben verschiedene Ängste, es gibt Widerstand. Und am Ende wird dort nichts gebaut.“ Ein Teil der Lösung könnten Apps und Parkleitsysteme sein, so Verkehrsexperte von der Linde. Diese führen den Fahrer zu freien Parkstellen. Wenn alle erreichbaren Plätze belegt sind, können diese aber nicht helfen.

Laut Verkehrsministerium haben die meisten Autohöfe abseits der Autobahnen freie Kapazitäten an Parkplätzen. Der Haken ist, dass eine Gebühr für das Parken erhoben wird. Diese kann in der Regel über Wertbons eingelöst werden. „Die meisten Fahrer verpflegen sich aus Kostengründen aber selbst und versuchen Geld zu sparen. Die Betreiber wiederum sind auf Umsatz angewiesen“, erklärt von der Linde.“ Einen wirklichen Ausweg sieht er mit Hinblick auf den steigenden Bedarf an Stellplätzen vorerst nicht: „Man kann nicht endlos Parkplätze bauen. Und das geht zu Lasten der Fahrer.“

Von Nathalie Helene Rippich

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