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Landfilm-Tradition lebt in Zschadraß auf

Landfilm-Tradition lebt in Zschadraß auf

Zschadraß. Ein Hauch von Nostalgie zog durch den Festsaal im soziokulturellem Zentrum Zschadraß, als das ortsansässige Diakoniewerk, die Gemeindeverwaltung und der Verein Ländliches Leben kürzlich zum Landfilm eingeladen hatten.

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Wie in alten Zeiten: Peter Ziegler besitzt noch eine transportable 35 mm Filmkofferanlage.

Quelle: Frank Schmidt

Und zwar so, wie er schon früher im Ort zweimal im Monat stattfand. Mit historischen Filmprojektoren, die man erst aufbauen muss, so wie man neuerdings einen Beamer hinstellt und dessen Lichtkegel auf einer Leinwand fixiert. „Na ja, ganz so einfach war es damals nicht“, hielt Peter Ziegler dagegen. Der gelernte Filmvorführer, so die einstige Berufsbezeichnung des Rentners, nennt eine solche transportable 35-Millimeter-Filmkofferanlage sein Eigen, die aus den 50er Jahren stammt. Sie besteht aus zwei Projektoren, weil ja bis zu zehn Rollen pro Film im Wechsel abgespult werden. Ein solcher Projektor bringt gut 50 Kilogramm auf die Waage. Ohne diverse Zusatztechnik, wie Steuerung und Lautsprecher. Ziegler war über 30 Jahre Filmvorführer von Beruf. Zuletzt im Kulturpalast Böhlen bei Espenhain. Mit einer mobilen „Filmapparatur“ zeigte er Filme in Gefängnissen, Krankenhäusern und in abgelegenen Dörfern. Walter Ulbricht und Otto Grotewohl waren seine prominentesten Zuschauer. Nachdem man aber das Kino in seiner damaligen Form „abwickelte“, es sozusagen unmodern wurde, durfte sich Ziegler die Geräte ausbauen. „Ich habe sie damit vor der Verschrottung gerettet.“ Und bei sich zu Hause in Maaschwitz wieder aufgebaut.

Während man in Zieglers Freundes-, Bekannten- und Verwandtenkreis den so entstandenen kleinen privaten Kinosaal zu schätzen weiß, erfuhr auch die Kommune von dem kulturhistorischen Schatz. Schnell war die Idee einer Neuauflage des Landfilmes in die Tat umgesetzt, für die Ziegler samt Technik nicht wirklich lange überredet werden musste. Der leidenschaftliche Filmvorführer hat zahlreiche Filme, die er teils über einen Bekannten von einem sich aufgelösten Filmverleih im Westen bekam. Nur darf er sie öffentlich nicht zeigen, weil er dafür keine Rechte hat. Der älteste Film ist von 1926 mit Luis Trenker. Zu seinen jüngsten gehört der in den 70er Jahren produzierte DEFA Indianerfilm „Tecumseh“ mit DDR-Chefindianer Gojko Mitic. Dennoch ließ Ziegler seine Projektoren mit dem 1976 gedrehten Film „Robinson jr.“ anlaufen – auch ein Streifen aus seiner Sammlung. Und exklusiv dafür habe er über den Landesfilmdienst die Rechte erworben.

Wenn es nach dem Zschadraßer Bürgermeister Matthias Schmiedel geht, könnte es eine Neuauflage des „etwas anderen Kinos mit Clubcharakter“ geben. Denn mit Gaumenfreuden in Form eines Drei-Gänge-Menüs, themenbezogen zum Film, machte er den Landfilm beim Publikum schmackhaft. Alles drehte sich um die Karibik. Der Film Robinson jr. ebenso wie das Menü mit Hummersüppchen, Hähnchen „Hawaii“ und Ananas-Traumcreme. Ein nächstes Mal könnte sich Schmiedel das Thema Krimi vorstellen, bei dem die Zuschauer fiktiv mitermitteln. „Oder ein Musikfilm“, wünschte sich Klaus-Peter Knobel aus Raschütz. Er kennt sogar noch den Landfilm von früher. Wie auch Margot Martin aus Zschadraß. „Das war richtig gemütlich hier. Von wegen in Zschadraß ist nichts los“, sagte sie und fügte an: „Wenn das Schule macht, wird der Saal bald zu klein sein. Zumal es in Colditz kein Kino mehr gibt und die Leute nur auf den Fernseher angewiesen sind. Ich jedenfalls würde gerne wiederkommen.“

Frank Schmidt

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