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Landkarten ohne Colditz: Stadt will für Touristen interessanter werden

Kooperationsvereinbarung Landkarten ohne Colditz: Stadt will für Touristen interessanter werden

Ein geschichtsträchtiges Schloss erhebt sich über einer romantischen Altstadt. Colditz-Fans wissen das, deshalb kommen sie sogar aus England. Doch dann hört’s auch schon fast auf. Wer den Ort nicht kennt, umfährt ihn, denn sein Name ist von manchen touristischen Landkarten gestrichen worden. Das soll sich nun zügig ändern.

Verstecken muss sich die Stadt Colditz nicht mit seinem Markt, dem Schloss (links oben) und der Stadtkirche. Durch die künftige bundesweite Vermarktung erhofft sie sich mehr Touristen.

Quelle: Thomas Kube

Colditz. Ein geschichtsträchtiges Schloss erhebt sich über einer romantischen Altstadt. Colditz-Fans wissen das, deshalb kommen sie sogar aus England. Doch dann hört’s auch schon fast auf. Wer den Ort nicht kennt, umfährt ihn, denn sein Name ist von manchen touristischen Landkarten gestrichen worden. Das soll sich nun zügig ändern.

„Der Tourismus geht an Colditz vorbei, wir werden in überörtlichen Publikationen nicht mehr erwähnt“, konstatiert Hauptamtsleiter Hans-Peter Kiesel nüchtern. Deshalb hat er mit dem Tourismusverein „Sächsisches Burgenland“ eine Kooperationsvereinbarung erarbeitet, die Besserung verspricht. Es handelt sich um einen überregionalen Verband, ohne den heutzutage nichts mehr läuft.

Zähneknirschend stimmte der Stadtrat dem Kontrakt zu. Jan Gumpert von der Freien Wählervereinigung „Für unsere Heimat“ (FWV) nimmt zum Beispiel das Wort „Erpressung“ in den Mund. Denn selbst der Tourismusverein „Sächsisches Burgen- und Heideland“, in dem Colditz noch Mitglied ist, kann die Stadt nicht mehr bundesweit vermarkten. Dies ist dem größeren Verband vorbehalten.

Und der will bis zum 30. Juli kommenden Jahres für seine Dienste 6600 Euro. Zugesagt ist für die Summe, dass Colditz bereits in die aktuellen Publikationen des Verbandes aufgenommen wird. „Dieses Geld verpufft aber, wenn wir später nicht richtig Mitglied werden“, mahnt Kiesel. Dann würden jährlich 9000 Euro fällig, also rund ein Euro pro Einwohner aus der Stadtkasse.

Kein Pappenstiel, zumal Colditz schon jedes Jahr 45 000 Euro an den Tourismusverein „Colditzer Muldenland“ überweist, der am Markt die Tourist-Information betreibt. „Ich frage mich, warum wir ihnen so viel Geld zuschießen, wenn wir durch sie nicht vermarktet werden“, sagt der Abgeordnete Manfred Heinz (FDP). „Wenn wir dem anderen Verband jetzt Geld geben, sollten wir die gleiche Summe unserem Verein wegnehmen.“ Eine Sichtweise, die Sonja Schilde von der Bürgerinitiative Colditz teilt: „Was wir den Einen geben, müssen wir den Anderen streichen.“

Davon aber hält Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) nichts. „Sollten wir unserem Verein die Mittel streichen, können wir dort gleich zuschließen“, meint er. In der Touristinformation würden nur eine hauptamtliche Mitarbeiterin und ansonsten Hilfskräfte arbeiten, die ihre Sache im Rahmen ihrer Möglichkeiten gut machen. „Wir brauchen diese Ansprechpartner in der Stadt. Ziehen wir welche ab, würden die Öffnungszeiten gekürzt. Und die Touristen, die kommen, stünden vor verschlossener Tür“, sagt Schmiedel.

Der Verein habe aber nun einmal keine Chance mehr, sich auf Messen zu präsentieren. Das gehe nur mit einem großen Verband. Deshalb sei zu begrüßen, dass sich der Stadtrat bei nur einer Nein-Stimme für den Beitritt entschieden hat.

Gegen eine Kürzung der Mittel für den ansässigen Verein spricht sich Simon Wismach (FWV) aus. „Wir haben keine starke Wirtschaft, und jetzt soll auch noch am Tourismus gespart werden?“, fragt er rhetorisch. „Das darf nicht sein. Werbung ist das A und O, sonst fallen wir hinten runter.“

Trotzdem wollen sich die Stadträte einmal erklären lassen, wie der Colditzer Tourismusverein mit dem kommunalen Geld arbeitet. Das soll am Donnerstag Abend geschehen, wenn das Parlament 19 Uhr im Freizeitzentrum Fema zusammentritt. Geschäftsführerin Anett Mehner wird gleich zu Beginn ihren Verein vorstellen.

Von Frank Pfeifer

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