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Landrat Graichen zieht die Reißleine: Kultursekretär Holger Pethke beurlaubt

Personalie Landrat Graichen zieht die Reißleine: Kultursekretär Holger Pethke beurlaubt

Landrat Henry Graichen (CDU) hat die Reißleine gezogen und Kultursekretär Holger Pethke beurlaubt. Der Chemnitzer hatte seine Stelle im Landkreis erst im November vorigen Jahres angetreten.

Holger Pethke musste als Leiter des Kultusamtes überraschend seinen Hut nehmen. Der 54-Jährige hatte seinen Posten erst im November vorigen Jahres angetreten.

Quelle: Jens Paul Taubert

Landkreis Leipzig.

Der Chemnitzer hatte den Posten erst im November vorigen Jahres angetreten. Wie die LVZ erfuhr, zog Landrat Henry Graichen (CDU) vor wenigen Tagen die Reißleine und entband Pethke von seinen Aufgaben. Letzter Auslöser soll die Sitzung des Kulturkonvents Ende Juni in Grimma gewesen sein. Auf der Zusammenkunft, in der es unter anderem um die Bewilligung von Kulturraumgeldern für die beiden Orchester in Böhlen und Bad Lausick sowie Schloss Hartenfels in Torgau ging, hatte unter anderem Klaus-Dieter Anders sein Unbehagen bezüglich der Führung des Kultursekretariates durchblicken lassen. Er habe seine Probleme mit den immer wieder geänderten Beschlussvorlagen, erklärte Anders in seiner Funktion als Vorsitzender des Kulturraum-Beirates und bezog sich auf angeblich von Pethke geänderte Formulierungen.

Henry Graichen bestätigt gegenüber der LVZ, dass man sich von Pethke getrennt habe. Als Grund nannte er ein „gestörtes Vertrauensverhältnis“. Dies betreffe sowohl die Tätigkeit im Landratsamt als auch im Kulturraum, den die Landkreise Leipzig und Nordsachsen zusammen bilden. Im Kulturraum habe es insbesondere Meinungsverschiedenheiten zwischen Kultursekretariat und Beirat gegeben, ließ der Kreischef und Konventvorsitzende durchblicken. Eine offizielle Stellungnahme zur Beurlaubung Pethkes gab es seitens des Landratsamtes nicht.

Wie weiter bekannt wurde, hätten sich die Wege ohnehin in absehbarer Zeit getrennt. Der gebürtige Meißner hatte bereits einen Aufhebungsvertrag zum 1. Januar 2018 unterschrieben.

Pethke war Ende 2016 mit Volldampf in seinen Job gestartet. Bei seinem Amtsantritt hatte er erklärt, dass er den Landkreis schon aus der Ferne als sehr innovationsfreudig wahrgenommen habe. Neben den Sachgebieten Schulverwaltung/Kultur sowie Schülerbeförderung und öffentlicher Personennahverkehr zählte hauptsächlich das Amt des Kultursekretärs zu Pethkes Aufgaben. Politisch durchaus aufgeladene Themen lagen auf seinem Tisch. Zuvörderst die Frage der Orchesterfinanzierung. Pethke nahm für sich in Anspruch, bei der konfliktträchtigen Auseinandersetzung für den entscheidenden Durchbruch gesorgt und den Weg zum schließlich ausgehandelten Kompromiss erst bereitet zu haben. Beobachtern war zudem nicht verborgen geblieben, dass es Auseinandersetzungen um die Neuformulierung der Förderrichtlinien im Kulturraum und um etwaige Einsparungen im defizitären Kulturbereich gab.

Erfahrungen hatte der gebürtige Meißner bereits in zahlreichen Funktionen gesammelt. Bereis mit 27 Jahren war er Kulturverantwortlicher im Landkreis Meißen. Später folgten Stationen als Sozialbürgermeister in der Karl-May-Stadt Radebeul und eine Tätigkeit als Pressesprecher des Sächsischen Landtages. Zehn Jahre war Pethke von 2003 bis 2013 Jugendamtsleiter in Chemnitz, bevor er in die Ruhrmetropole Duisburg ging. Hier kümmerte sich der Sachse um soziale Brennpunkte, verantwortete einen Ausgabeposten von 300 Millionen Euro und war für 1800 Mitarbeiter zuständig. Politisch hob Pethke zur Wendezeit das Neue Forum in seinem damaligen Wohnort Weinböhla mit aus der Taufe. Später gehörte er der CDU an und ist inzwischen parteilos.

Im Landkreis lernten ihn Akteure in Vereinen und Museen als umtriebigen Macher kennen. Zitieren lassen wollte sich vorerst niemand, da man die Hintergründe der Personalentscheidung nicht kenne, hieß es. Einige ließen durchblicken, Pethke sei ein Visionär gewesen, der ein großes Engagement an den Tag gelegt habe. Als Mann klarer Worte und unkonventioneller Wege habe er sich aber nicht nur Freunde gemacht. Hinderlich sei vielleicht auch, dass der Kultursekretär gleichzeitig Amtsleiter und so quasi Diener zweier Herren sei. Dies, so hieß es, sei zum Beispiel in anderen sächsischen Kulturräumen anders geregelt. Dort seien diese Positionen getrennt und nicht einer Person vereint.

Pethke selbst war für eine Stellungnahme am Donnerstag nicht zu erreichen. Die Frage, wer sein Nachfolger wird, wurde vorerst kommissarisch beantwortet. Marion Weigelt, Beschäftigte im Kultursekretariat, übernimmt vertretungsweise die Aufgaben des Kultursekretärs, hieß es aus dem Landratsamt. Die Mitarbeiterin war schon im Vorjahr mit dieser Aufgabe betraut, als die Position mehrere Monate vakant war. Iris Bode, Sachgebietsleiterin für Schülerbeförderung, wurde von Landrat Henry Graichen als amtierende Leiterin des Kultusamtes eingesetzt.

Von Simone Prenzel

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