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Landratsamt als Verhinderungsbehörde? – Häuslebauer fühlen sich ausgebremst

Lastau Landratsamt als Verhinderungsbehörde? – Häuslebauer fühlen sich ausgebremst

Rolf Thiele aus Lastau versteht die Welt nicht mehr: „Alle reden von Landflucht, wenn sich aber jemand entscheidet, aufs Dorf zu ziehen, werden ihm auch bloß Knüppel zwischen die Beine geworfen.“ Baupläne seiner Tochter erweisen sich jedenfalls als schwierig.

Ein Bauvorhaben im Colditzer Ortsteil Lastau ist nicht gerade leicht.

Quelle: Seidler

Colditz/Lastau. Rolf Thiele aus Lastau versteht die Welt nicht mehr: „Alle reden von Landflucht, wenn sich aber jemand entscheidet, aufs Dorf zu ziehen, werden ihm auch bloß Knüppel zwischen die Beine geworfen.“ Vier erwachsene Kinder hat der Rentner. Alle vier suchten zunächst das Glück in der Ferne. Eine Tochter aber will nun zurück, überzeugte ihren Freund, einen Ur-Leipziger, mit nach Lastau zu kommen. „Sie möchte auf unserem Grundstück bauen“, sagt der Rentner, „darf das aber nicht, weil es sich angeblich im Außenbereich befindet“.

Rolf Thiele stammt aus Commichau bei Colditz. Zu DDR-Zeiten zog er der Arbeit hinterher, wohnte mit seiner Frau in Leipzig. Weil es den Thieles in der Stadt nicht mehr gefiel, schauten sie sich auf dem Lande um und entdeckten jenen ruinösen Vierseithof in Lastau: „1978 kauften wir alle vier noch in Resten vorhandenen Gebäude, mussten aber drei davon wegreißen, um einen Ausbaukredit für das Vierte zu bekommen. Denn damals – das war die Bedingung – durften wir nur 73 Quadratmeter Wohnraum schaffen.“ In dem einen Haus wohnt der Rentner mit seiner Frau – auf dem Fundament der ehemaligen Scheune soll das Anwesen von Tochter und Freund entstehen. Er habe mehrere Planer kontaktiert, sagt Rolf Thiele, und alle rieten ihm, die Finger davon zu lassen: „Bau’ lieber im Nachbarkreis, unser Landratsamt ist eher eine Verhinderungsbehörde.“

Er nehme es dem Sachbearbeiter nicht persönlich übel, so Thiele: „Sicher wollte der nichts falsch machen.“ Lobend äußerte sich der Lastauer über die Stadtverwaltung: „Statt zu überlegen, warum es nicht geht, machte sich das Rathaus einen Kopf, wie es klappen könnte.“ Auf der jüngsten Ratssitzung legte Bauamtsleiterin Angela Rößner eine Klarstellungssatzung vor, die den Innen- vom Außenbereich unstrittig abgrenzt. „Als Kommune mit 25 Ortsteilen ist das unsere erste diesbezügliche Satzung. Es kann durchaus unterschiedliche Sichtweisen geben, wie ein Gesetz ausgelegt wird. Mit ihrem Beschluss dokumentierten die Stadträte jetzt den Willen der Gemeinde. Ich gehe davon aus, dass es dem Landratsamt nun leichter fällt, dem Bauantrag der Thieles zuzustimmen.“ Das hofft auch Ronny Kriz vom Heimatverein: „Zu DDR-Zeiten hatte Lastau in der Spitze 300 Einwohner, inzwischen sind es rund 220. Wir freuen uns über jede junge Familie, die in unserem Dorf bauen möchte. Wir haben einen Kindergarten und eine gute Busanbindung.“ Das Votum der Stadträte zur Klarstellungssatzung bekräftigen Simon Wismach, Stefan Juhrich (beide „Für unsere Heimat“) sowie Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos): „Wir können uns gar nicht leisten, auch nur einen einzigen Bauwilligen zu vergraulen.“

Ob das Bauaufsichtsamt zu sehr auf die rechtlichen Noten sieht, sei Ansichtssache, sagt Brigitte Laux vom Landratsamt: „Bauherren, die viel Geld investieren, brauchen eine sichere Rechtsgrundlage.“ Durch die Randlage des Grundstücks sei dieses zunächst dem Außenbereich zugeordnet worden. „Bestandsschutz konnte nicht bejaht werden, ein Fundament reicht hierfür nicht aus.“ Mit der jetzigen Klarstellungssatzung habe die Kommune das fragliche Grundstück baurechtlich dem Innenbereich zugeschlagen. Wenn die Satzung rechtswirksam ist, sei das Grundproblem gelöst, so Laux.

Rolf Thiele atmet auf: Ob Tochter und Freund nun doch noch bauen dürfen? Für ihn eigentlich keine Frage: „Denn das zu errichtende Anwesen würde zwischen meinem Haus und dem Dorf stehen – ist gewissermaßen eine Lückenbebauung.“

Von Haig Latchinian

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