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Latten mit Nägeln am Kinderweg – Grundstücksstreit in Großbothen eskaliert

Grimma Latten mit Nägeln am Kinderweg – Grundstücksstreit in Großbothen eskaliert

Der Grundstücksstreit zwischen der Stadt Grimma und einem Nachbarn der Grundschule Großbothen hat eine neue Dimension erreicht. Die Nachbarsfamilie schraubte ein Zaunfeld ab, um aufs Schulgelände zu kommen, und markierte mit Eisenschienen und alten Latten, aus denen vereinzelt rostige Nägel ragen, die Grenze. Für die Stadt ist damit das Maß überschritten.

Grundstückszoff: Mit einer abendlichen Aktion hat die Familie auf dem Weg der Kinder in der Schule Großbothen die Grenze markiert. Aus den Latten ragen einige rostige Nägel, für Grimmas Rathauschef ist damit das Maß überschritten.

Quelle: Thomas Kube

Grimma/Grossbothen. Der Grundstücksstreit zwischen der Stadt Grimma und einem Nachbarn der Grundschule Großbothen hat eine neue Dimension erreicht. Mittwochabend schraubte die Nachbarsfamilie ein Zaunfeld ab, um aufs Schulgelände zu kommen, und markierte zwischen Schulwand und Holzzaun die Grundstücksgrenze – mit Eisenschienen und alten Latten, aus denen vereinzelt rostige Nägel ragen. Für die Schulkinder, die auf diesem etwa 40 Meter langen Weg zum Hof laufen und sich hier auch aufhalten, ist das nicht ungefährlich. Schulleiterin Kerstin Arnold schlug wegen der Unfallquelle am Donnerstagmorgen bei der Stadtverwaltung Alarm und forderte den Schulträger auf, sich um die Angelegenheit zu kümmern.

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) ist fassungslos und spricht von einer Eskalation. Das Problem schwele seit 20 Jahren, „die Leute haben es jetzt übertrieben“, gibt er zu verstehen. Mit Hochbauamtsleiterin Ute Hoppe und Grimmas Justiziarin Sandra Rückert begab er sich umgehend an den Ort des Geschehens. Man habe die Nachbarsfrau aufgefordert, die Latten sofort zu entfernen, weil sie eine erhebliche Verletzungsgefahr für die Kinder sind, so Berger. Es gebe eine gerichtliche Einigung, jetzt „mit rostigen Nägeln Druck“ aufzubauen, sei verantwortungslos.

Das Nachbargrundstück gehört Ursula Mansfeld (88). Deren Tochter Rosmarie Fuhrmann (67) zeichnet für die abendliche Aktion verantwortlich und schiebt den Schwarzen Peter der Stadt Grimma zu. Beide Seiten liegen seit Jahren im Streit, der auch vor Gericht ausgefochten wird. Laut Fuhrmann traten ihre Eltern 1986, als die Gemeinde Großbothen die Schule mit einem Anbau erweitert habe, einen Streifen des eigenen Grundstücks ohne Geldausgleich ab. 2011 habe sie sich als künftige Erbin dann an die Stadt gewandt, um die Grenzfrage zu klären. Grimma hatte Großbothen in jenem Jahr eingemeindet. Die Familie habe die 110 Quadratmeter, um die es sich ihrer Aussage nach handelt, der Stadt auch zum Kauf angeboten. Doch die habe sie mit 500 Euro abspeisen wollen. „Sie hätte das Land längst haben können, aber sie will nicht zahlen“, wettert Fuhrmann. Mit 4000 Euro wäre die Familie einverstanden gewesen, lässt sie sich entlocken.

Seit Mai 2014 beschäftigt die Richter der Streit. Das Amtsgericht Grimma wies die Klage der Familie auf Nutzungsentschädigung und Herausgabe der Flächen ab, erläutert Grimmas Justiziarin Rückert. Das Oberlandesgericht Dresden korrigierte ihren Worten nach das Urteil im November 2015 soweit, dass die Stadt die verwendete Fläche zurück zu geben habe. „Das taten wir sofort.“ Eine Entschädigung müsse nicht gezahlt werden. Inzwischen strengt die Familie eine Unterlassungsklage an. „Wir sollen Sorge tragen“, so Rückert, „dass Kinder, Lehrer und Hortner den Grundstücksstreifen nicht betreten.“ Bei Androhung einer Geldstrafe. Verhandelt wird am 8. Juni vor dem Amtsgericht in Grimma.

Die Grenze geht also mitten durch den Weg, den die Grundschüler nutzen. Die Stadt sei nicht berechtigt, den Zaun zu versetzen, weil er auf dem Grundstück der Familie steht, erläutert Rückert. Fuhrmann wiederum bedauert einen Fehler ihrer Eltern. Die hätten es seinerzeit versäumt, alle drei Jahre anzuzeigen, dass bei einer Rückgabe der Grundstücksfläche die Kommune alles zurückzubauen habe. Nun stehen Betonweg und Zaunfundament. Für den Rückbau ist jetzt die Familie zuständig.

Vor der Verhandlung im Juni wollte sie laut Fuhrmann „ein Zeichen setzen“ und beweisen, dass auf der Fläche Kinder laufen und Grimma sie somit nutzt. Die Pflicht, die Grenze einzuhalten, liege bei der Stadt, so die 67-Jährige. „Wir wollen die Stadt wach rütteln.“ Die Latten lägen „auf unserem Grundstück“, sagt sie, gibt aber zu, dass eine Gefahr nicht wegzureden ist. Die drei Männer der Familie hätten nicht auf die Nägel geachtet.

Für Rathauschef Berger und sein Team ist das Maß jedenfalls überschritten. Man brauche im Interesse der Kinder eine gütliche Lösung, die sei von der Familie nicht gewollt. Bei einer von der Stadt ausgelösten Vermessung vorigen Oktober habe sich heraus gestellt, dass wenige Schritte entfernt die Familie wiederum einen Teil des städtischen Grundstücks nutze. „Wir hatten gehofft, alles tauschen zu können mit einem Wertausgleich. Da führt aber kein Weg hin“, bedauert Berger. Die Familie indes zweifelt die Vermessung an und hat Widerspruch eingelegt. Auch, weil laut Fuhrmann dadurch die 110 auf 80 Quadratmeter geschmolzen seien.

Zumindest war Donnerstagnachmittag die Gefahr für die Kinder gebannt. Unter Einbeziehung der Polizei habe die Familie die Latten weggeräumt, informierte der Oberbürgermeister.

Von Frank Prenzel

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