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Legendäre Dampflok: Saxonia schnauft zur 1000-Jahr-Feier durch Machern

Legendäre Dampflok: Saxonia schnauft zur 1000-Jahr-Feier durch Machern

Eine 1000-Jährige kann mächtig Dampf machen! Zum gestrigen Festumzug, der die Feierlichkeiten zum Macherner Jubiläum krönte, sorgte nicht nur eine funktionsfähige Dampfmaschine für Furore.

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1000 Jahre Ortsgeschichte im Schnelldurchlauf: Der Festumzug war am gestrigen Sonntag zweifellos der Höhepunkt der Macherner 1000-Jahr-Feier. Fotos: Frank Schmidt

Quelle: Frank Schmidt fuer LVZ

Als rollende Reminiszenz an die Bahn-Geschichte zog vor allem die "Saxonia", eine Erinnerung an die erste deutsche Dampf-Lok, die Blicke auf sich.

Mit viel Liebe hatte der 7000-Einwohner-Ort das bunte Spektakel auf die Beien gestellt. Kurz vor 13 Uhr waren die begehrtesten Plätze rund um den Markt im Nu vergeben. Biertischgarnituren wurden noch schnell am Bordstein zurechtgerückt, die Mauer vorm Konsum geentert, Klappstühle aufgebaut, um ja keines der rund 40 Bilder zu verpassen. Das Erdbeer-Maskottchen, das an die Macherner Obstbau-Tradition erinnert, führte den Umzug an. Der Träger des Laufkostüms machte es sich mit zwei Dudelsackspielern allerdings auf einem Anhänger bequem - immerhin lagen fünf Kilometer Strecke vor den rund 300 Teilnehmern.

Gleich darauf schritt Albrecht der II. von Lindenau, Mundschenk des sächsischen Kurfürsten, gemächlichen Tempos drein. "Er studierte zu Zeiten Luthers an der Universität von Wittenberg und sorgte dafür, dass Machern schon damals sehr fortschrittlich eingestellt war", gab Moderatorin Grit Noack zu Protokoll. Überhaupt - die Lindenaus: Bei einer Familiengeschichte, die über 372 Jahre mit Machern verbunden ist, waren gleich mehrere der hochwohlgeborenen Schlossbesitzer vertreten. Als Carl Heinrich August Graf von Lindenau winkte Frank Lange, Bürgermeister a. D., huldvoll in die Menge, gemeinsam mit seiner Gattin Christiane Henriette von Lindenau alias Monika Alexandrow.

"Bringt eure Toten raus", schallte es wenig später aus der Truppe des Vereins Theatermacher(n). Die Laienschauspieler zogen einen Leichenwagen hinter sich her - als Erinnerung an eines der dunkelsten Kapitel der Ortsgeschichte: die Pest. Die erste Geige im Umzug spielte aber die Landwirtschaft. "Da geht einem doch das Herz auf", bejubelte so mancher die historische Landtechnik. Der Macherner Jürgen Sack hatte alles aufgeboten, was sein traditionsreicher Hof zu bieten hat. Vier aufpolierte Lanz-Bulldogs, jeder für sich ein Schmuckstück, konnten aber einer alten Lady nicht das Wasser reichen - der originalen Dampfmaschine - "Baujahr 1902 und noch voll funktionstüchtig", die der Landwirt höchstselbst durch die Straßen bugsierte. Etwas eher in der Zeittafel rangiert die legendäre "Saxonia". Die Macherner hatten sich in Altenbach ein schon umzugserprobtes Schaubild des Dampfrosses besorgt. Der Bau der ersten deutschen Fernbahnstrecke Leipzig-Dresden riss das kleine Gutsdorf damals aus dem Dornröschenschlaf. Der Einschnitt bei Machern gilt als Pionierleistung. Immerhin musste Hügelland vergleichbar mit der Größe der Pyramiden von Gizeh durchbrochen werden. "Nur gut", meinte Ex-Bürgermeister Frank Lange, "dass es damals noch keine Bürgerinitiativen Nord, Süd oder Mitte gab, vielleicht wäre die Bahn dann bis heute noch nicht gebaut worden." Es kam bekanntlich anders. Selbst für den Siegeszug der Erdbeere, die bei Hofe genossen wurde, war der Haltepunkt später entscheidend. Der Zug stoppte täglich in Machern, um Obst für den König an Bord zu nehmen. Auch die Plagwitzer erinnerten mit einer Saftpresse an die große Obstbautradition der Gemeinde.

"Es ist sagenhaft, was hier auf die Beine gestellt wird." Nicht nur Isolde und Manfred Roos, die extra aus Wurzen angereist waren, zeigten sich begeistert. "Die Macherner haben sich wirklich viel Mühe gegeben", meinte auch Albrecht Mißbach: "Hut ab vor den Organisatoren."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.06.2015
Simone Prenzel

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