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Grimma Lehrling als Meister des Winterdienstes
Region Grimma Lehrling als Meister des Winterdienstes
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05:00 06.01.2010

Im Gegenteil: Der Mann vom Winterdienst schiebt Sonderschichten und viel, sehr viel Schnee. Bei unter minus acht Grad verliert das Salz seine Wirkung – vielleicht „heizt“ der Jungspund ja auch deshalb so rasant über die Piste.

Richard lacht: „Ich fahre doch nicht schnell. Das kommt den Leuten nur so vor. Mit dem Schneeschild vorn dran bringt es mein Trecker eh bloß auf 20 Stundenkilometer. Aber weil das Auto so groß ist, täuscht die Geschwindigkeit. Wie beim Zug. Du denkst, der hat 200 drauf, dabei fährt der nur mit 100 Sachen.“

Zusammen mit seinem Vater Jörg Schicketanz hat der Landwirtschaftslehrling fast 100 Nerchauer Straßenkilometer unterm Pflug. Zu beackern sind die Rutschbahnen im gesamten Gemeindegebiet – jeweils bis nach Wagelwitz, Gastewitz, Bröhsen, Grimma und Wednig. „Am schwierigsten ist es in der Stadt Nerchau. Da parken viele vor dem Grundstück. Eng geht es auch im Bahrener Siedlerring zu. Dort stehen die Autos sogar in der Kurve. „Zentimetersache“, wischt sich Richard die Schweißperlen von der Stirn. „Bei Wind weht es besonders Serka und Löbschütz zu. Um die Orte freizuschaufeln, müssen wir auch mit dem Radlader ran“, so der Heißsporn, dem die Einheimischen inzwischen ähnlich herzlich zuwinken wie damals der Christel von der Post. Richard war auch dabei, als zwischen Deditz und Golzern ein umgekippter Bus gleich mal mit drei Zugmaschinen auf die Straße gezerrt werden musste.

Vater Jörg: „Viele der Straßen über Land sind so schmal wie im Mittelalter. Ein Riesenproblem. Denn Laster oder Busse dürfen sich hier nicht begegnen. Weil Ausweichstellen fehlen, landen Fahrzeuge im Straßengraben und müssen geborgen werden. Mein Junge und ich stehen schon früh um vier auf, damit wir noch vor dem Schülerverkehr streuen. Die Straße ist drei Meter fuffzig eng – unser Traktor allein ist drei Meter breit.“

Um so gekonnter meistert der junge Richard auf seinem Stahlross den täglichen Drahtseilakt, den (Schicke-)Tanz auf dem Drahtseil. Kein Wunder: Als Fünfjähriger soll er bereits auf dem Rasentraktor gesessen haben – und das, obwohl der Sicherungsschalter, der sich im Sitz befindet, die Maschine regelmäßig abschaltete. Klein-Richard war schlicht zu leicht. Zum Geburtstag wünschte sich der Junge einst nichts sehnlicher als seine geliebten Siku-Traktoren, Matchbox-Autos im Maßstab 1:32. Natürlich durften die Anbaugeräte nie fehlen, also Drillmaschine, Düngerstreuer und Ackerpflug. Im zarten Alter von 14 stand Richard bei den Landesmeisterschaften im Pflügen bereits auf dem Podium. Wenn er heutzutage seine Traktoren rückwärts durch die engen Scheunentore bugsiert, dann sieht das immer noch aus wie ein Kinderspiel. Von irgend woher scheint sich ein Famulus zu nähern. Nein, das Tuckern ist nur der Handy-Klingelton von Vater Jörg: „Bei Verwehungen werden wir oft gerufen.“

Statt mit Kumpels um die Häuser zu ziehen, war Richard auch in der Neujahrsnacht im Dauereinsatz. Erst Bahne machen und dann auch noch die Verfolgung der ausgebüxten Rinder aufnehmen. Durch Silvesterknaller wurden die 20 Tiere in Cannewitz aufgeschreckt und ergriffen die Flucht. Über Wagelwitz, Roda, den Wermsdorfer Wald und die Gegend um Luppa rannten die Ausreißer bis nach Radegast, wo sie dank der Familie Karnahl eingefangen werden konnten. Richard längst aufgetaut: „Um die letzten beiden Bullen zu kriegen, rückten sogar die Bull... äh die Polizisten an und sperrten die ICE-Strecke.“

Haig Latchinian

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