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Leisenauer wollen ihren Kulturraum behalten

Einwohnerversammlung Leisenauer wollen ihren Kulturraum behalten

Kräftiger Gegenwind blies Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) zur Einwohnerversammlung am Montagabend im Leisenauer Kulturraum ins Gesicht. Eben jener Raum befindet sich im ehemaligen Rittergut, das die Stadt zum Verkauf ausgeschrieben hat. Im Ort wird befürchtet, dass damit das Zentrum verloren geht, in dem sich das Dorfgemeinschaftsleben abspielt.

Das Ensemble des Ritterguts. Es soll mit dazugehöriger Grün- und Waldfläche verkauft werden. Der Kulturraum befindet sich im Erdgeschoss des linken Hauses.

Quelle: Thomas Kube

Colditz/Leisenau. Kräftiger Gegenwind blies Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) zur Einwohnerversammlung am Montagabend im Leisenauer Kulturraum ins Gesicht. Eben jener Raum befindet sich im ehemaligen Rittergut, das die Stadt zum Verkauf ausgeschrieben hat. Im Ort wird befürchtet, dass damit das Zentrum verloren geht, in dem sich das Dorfgemeinschaftsleben abspielt.

In einer leidenschaftlichen Rede, die mit viel Applaus quittiert wurde, mahnte Gottfried Haferkorn: „Es geht um unser Herzblut.“ Er, so der 83-Jährige, habe das Rittergut noch als intaktes Ensemble erlebt. Erst zu DDR-Zeiten sei das jetzige Monstrum daraus geworden. Im hergerichteten Kulturraum wären aber viele öffentliche und private Feste gefeiert worden. „Ich bitte euch alles daran zu setzen, dass er erhalten wird“, sagte Haferkorn.

Schmiedel verwies auf den Reparaturstau der beiden Häuser. Im Rahmen einer Bewertung aller kommunalen Gebäude von Colditz in den Jahren 2013 und ’14 sei für sie ein hoher Sanierungsbedarf festgestellt und die Veräußerung empfohlen worden. Diese werde im Gesamtpaket mit der dazugehörigen 6500 Quadratmeter großen Grünfläche und der Waldfläche von 11 900 Quadratmetern erfolgen. Von Verhökerung, wie sie der Stadt in einem offenen Brief vorgeworfen wurde, könne keine Rede sein. Die 40 000 Euro Verkehrswert seien Resultat dessen, was ein öffentlich bestelltes vereidigtes Mitglied des Gutachterausschusses als Wert ermittelt habe.

Laut Bauamtsleiterin Angela Rößner gibt es schon drei Kaufinteressenten, weitere könnten noch bis zum 30. April ihre Umschläge im Colditzer Rathaus abgeben. „Allen haben wir gesagt, dass es im Rittergut einen Dorfgemeinschaftsraum gibt, für den wir noch keinen Ersatz haben“, sagte sie. Der Höchstbietende werde nicht zwingend den Zuschlag des Stadtrats erhalten.

Warum alles so vage gehalten wird und kein Nutzungskonzept vor dem Verkauf erstellt wurde, hinterfragten mehrere Einwohner kritisch. Ihnen wäre es lieber, den Erhalt des Kulturraums vor dem Verkauf des Ritterguts schriftlich zu fixieren. Das lehnte Bürgermeister Schmiedel jedoch ab. „Wir haben das Gesamtobjekt ausgeschrieben ohne jegliche Einschränkung, um überhaupt erst mal Kaufinteresse zu wecken“, erklärte er. Bei solchen Gebäuden würde niemand Schlange stehen.

„Wir achten aber darauf, dass der Kulturraum so lange besteht, bis wir eine andere Lösung gefunden haben“, versprach Schmiedel, schränkte jedoch gleich ein: „Das kann aber keine 100 Jahre dauern.“ Als neuer Standort seien der Jugendclub oder das daneben befindliche Feuerwehrdomizil denkbar.

„Viel zu klein“ wandte Harry Kluge ein. Der Vorsitzende des Vereins Leisenauer Dorfleben warf dem Bürgermeister eine „Verdummung der Bürger“ vor. Schmiedel habe kürzlich zugesagt, das Rittergut werde erst verkauft, wenn eine Lösung für den Kulturraum besteht. Diese sei aber nicht absehbar. Werde der Park verkauft, blieben nur noch Handtuchflächen übrig, die für Veranstaltungen im Freien nicht nutzbar seien.

Einer der Bieter ist Simon Wismach, Stadtrat und zugleich Leisenauer Ortsfeuerwehrchef. Er möchte einen Wildpark anlegen. Das Rittergut bezeichnete er als „lästiges Beiwerk“ mit einem Investitionsrückstau von 370 000 Euro, das er für Mietwohnungen sanieren möchte. Nicht alle sind zurzeit belegt.

Grundsätzlich betonte Schmiedel, Leisenau habe seit 2011 die meiste Förderung der 25 Colditzer Ortsteile erhalten – über eine Million Euro seien für Straßenbau und Abwasserentsorgung geflossen. Eine Zahl, die ihm mehrere Zwischenrufe einbrachte, denn auch Grundeigentümer wurden zur Kasse gebeten.

Von Frank Pfeifer

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