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Colditz-Liebhaber John Smith ist tot – sein letzter Wunsch bleibt unerfüllt

Ehemaliger Brauereibesitzer Colditz-Liebhaber John Smith ist tot – sein letzter Wunsch bleibt unerfüllt

Von Kind an faszinierte ihn Colditz. Als sich der eisernere Vorhang hob, kam der Brite in die Kleinstadt an der Zwickauer Mulde, übernahm die Brauerei und engagierte sich in vielerlei Hinsicht, scheiterte aber geschäftlich. Sein größter Wunsch war es dennoch, in Colditz begraben zu werden. Doch dieser erfüllte sich nicht. Am Sonntag verstarb John Smith im serbischen Belgrad.

Wiedergefundene Jugendliebe: John Smith mit Stella de Febres-Cordero an der Colditzer Pension zur Alten Stadtmauer.

Quelle: Haig Latchinian

Colditz/Belgrad. Von Kind an faszinierte ihn Colditz. Als sich der eisernere Vorhang hob, kam der Brite in die Kleinstadt an der Zwickauer Mulde, übernahm die Brauerei und engagierte sich in vielerlei Hinsicht, scheiterte aber geschäftlich. Sein größter Wunsch war es dennoch, in Colditz begraben zu werden. Doch dieser erfüllte sich nicht. Am Sonntag verstarb John Smith im serbischen Belgrad, wo sich seine letzte Ruhestätte befindet. Er wurde gerade einmal 61.

Von kleinauf wälzte der Engländer Bücher über das Kriegsgefangenenlager im Schloss Colditz. Vor allem der Bestseller „The Colditz Story“ hatte es ihm angetan, den der Offizier Pat Reid 1952 geschrieben hatte, dem zehn Jahre zuvor die Flucht aus dem Schloss gelungen war. Smith verschlang den Bericht über den Bau des Gleiters, jenes mit blau-weißem Bettzeug bespannten Segelflugzeugs, das in die Freiheit führen sollte. Und er wusste, dort muss er hin.

In Deutschland fasste er zunächst in Mönchengladbach Fuß. Dort war er Berufssoldat und Militärzeichner, später machte er sich selbstständig mit einer Verkaufsförderungsagentur, einer Kunstfirma und einer leistungsstarken Sprachschule, in der Ralf Gorny Englisch lernte. Beide beschlossen 1993 nach Colditz zu gehen. Die Frau von Smith war dazu nicht bereit, so trennte er sich von ihr.

Noch im selben Jahr kaufte Smith die alte Colditzer Brauerei am Marktplatz. Das Bier wollte er nicht nur in Deutschland, sondern auch in England absetzen. So entwarf er einen Spezialkarton für je 20 Flaschen, dem er ein Poster vom Schloss Colditz, eine Skizze mit markanten Fluchtpunkten und eine Einladungskarte zur 400-Jahrfeier der Colditzer Brauerei beilegte. 5000 solcher Kästen schickte er vor Weihnachten nach London, doch die Sendung kam erst lange nach dem Fest an. So war die Marketing-Aktion verpufft, der Anfang vom Ende. 1995 musste Smith Insolvenz anmelden.

Hatte John Smith besessen

Hatte John Smith besessen: Die alte Brauerei am Colditzer Marktplatz.

Quelle: Thomas Kube

„Er machte es möglich, dass ich ein Viertel des Brauereigeländes ersteigern konnte“, sagt Ralf Gorny, der darauf seine Pension Zur alten Stadtmauer betreibt. „Von ihm lernte ich viele seiner Geschäftstechniken. Er war kreativ, ein Künstler.“ Während seiner Zeit in Colditz hatte sich Smith nicht nur ums Geschäftliche gekümmert, er brachte auch dem Männerchor englische Lieder bei, porträtierte ehemalige Gefangene und unterstützte den Hausdorfer Pfeifenclub – er selbst war passionierter Raucher.

Von der Insolvenz hat sich John Smith nie mehr finanziell erholt. Auch die Trennung von seiner Frau setzte ihm zu. „Gesundheitsschäden mit mehreren Schlaganfällen gaben ihm den Rest“, so Gorny, für den der Tod deshalb nicht ganz unerwartet kam. „Er war ein super Freund und Lehrmeister, mein Leben hängt viel von ihm ab.“

Auch Cornelia Hippe-Kasten sagt: „Für mich ging ein Freund.“ Durch Smith war sie einst nach Colditz gekommen und hatte sich sofort für das Schloss begeistert. „Dafür wollte ich mich engagieren, und er unterstützte mich dabei“, erinnert sie sich. So wurde sie Gründungsmitglied der Gesellschaft Schloss Colditz, der sie als Geschäftsführerin vorsteht.

„Ich freute mich für ihn, dass er noch einmal glücklich geworden ist“, betont Hippe-Kasten. 2014 hatte Smith in Colditz seine alte Jugendliebe wiedergetroffen, Stella de Febres-Cordero, früher verheiratet mit einem venezolanischen Botschafter, inzwischen verwitwet. Beide logierten in Gornys Pension, es funkte, und sie gingen nach Serbien, wo er laut Gorny im Schlaf verstarb und am Montag begraben wurde.

Der Tod stellt die Stadt Colditz vor eine neue Herausforderung. Sie hatte sich dieses Jahr entschieden, die Brauerei zu kaufen, die Produktionsgebäude abzureißen und das Gelände zu entwickeln. Dafür sollten Gespräche mit John Smith geführt werden, der als Nachtragsliquidator eingesetzt war. „Nun müssen wir beim zuständigen Registergericht nachfragen, wie weiter verfahren wird und mit wem wir das Rechtsgeschäft abschließen können“, erklärt Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos).

Noch im Frühjahr hatte die Kommune vor, das Investpaket „Brücken in die Zukunft“ für das Vorhaben einzusetzen, über das Bund und Land Beihilfen bereitstellen. „Doch daraus wird nichts, weil der historische Speicher im Markt 12 stehen bleiben muss und deshalb das gesamte Projekt nicht in dieses Programm passt“, so Schmiedel. Es gebe aber eine andere Fördermöglichkeit im Rahmen der städtebaulichen Entwicklung, die genutzt werden solle. Ziel sei es, die Industriebrache stufenweise zurückzubauen, um eine Passage zwischen Badergasse und Speicher, für den eine Nachnutzung gefunden werden müsse, zu schaffen.

Von Frank Pfeifer

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