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Letzter Tante-Emma-Laden in Naunhofer Ortsteilen schließt seine Pforten

Ammelshain Letzter Tante-Emma-Laden in Naunhofer Ortsteilen schließt seine Pforten

Mit dem Einkaufsstübchen an der Hauptstraße in Ammelshain schloss der letzte Lebensmittelladen in den Naunhofer Ortsteilen. Die Pächterin entschied sich aus Gesundheitsgründen, ihn aufzugeben. Nun stellt sich die Frage, wie mit der Immobilie weiter verfahren werden soll. Stadt und Ortschaftsrat haben einen Plan.

Ein Bild aus besseren Tagen: Im November 2014 kaufte Charlotte Meglin (links) bei Gisela Dietrich ein und mochte sich nicht vorstellen, dass dieser Laden irgendwann einmal schließt.

Quelle: Andreas Röse

Naunhof/Ammelshain. Mit dem Einkaufsstübchen an der Hauptstraße in Ammelshain schloss der letzte Lebensmittelladen in den Naunhofer Ortsteilen. Die Pächterin entschied sich aus gesundheitlichen Gründen, ihn aufzugeben. Nun stellt sich die Frage, wie mit der Immobilie weiter verfahren werden soll. Stadt und Ortschaftsrat haben einen Plan.

In dem Tante-Emma-Laden fanden die Einwohner Mehl, Zucker, Konserven, Süßigkeiten, Haushaltsartikel und vieles mehr, was sie fürs tägliche Leben brauchten. Tante Emma hieß in diesem Falle Gisela Dietrich.

Zu ihrem Angebot gehörte ein Rundum-Sorglos-Service. Wer hungrig kam, dem machte sie eine Bockwurscht heiß, bei ihr gab‘s belegte Brötchen und das Schälchen Heeßen. Sogar Präsentkörbe stellte sie zusammen. Und drückten jemanden Kummer und Sorgen, spendete sie Trost. „Es ist immer schlecht, wenn der letzte Laden im Dorf verschwindet, denn es handelt sich zugleich um einen Treffpunkt für die Einwohner, der damit auch soziale Zwecke erfüllt“, sagte Bürgermeister Volker Zocher (parteilos).

Aus diesem Grund brachte er dem Ortschaftsrat einen Vorschlag mit. „Wir werden nach einem Einzelhändler suchen, der das Geschäft übernimmt“, versprach er. Infrage käme auch ein anderes nichtstörendes Gewerbe. Allerdings müsse viel Geld in das Haus gesteckt werden, als erstes wäre das Dach zu sanieren. Die Frage stelle sich, ob diese Arbeiten dem neuen Pächter überlassen werden oder ob die Stadt in Vorleistung geht, was mit dem Risiko verbunden sei, dass ein neuer Mieter schon nach wenigen Monaten auszieht und die Stadt auf den Kosten sitzen bleibt. „Sollte sich aber kein Interessent finden“, so Zocher, „schieben wir das Haus um und stellen die Fläche der benachbarten Feuerwehr als Parkplatz zur Verfügung.“

Der Plan traf auf breite Unterstützung im Ortschaftsrat. Nur Jürgen Streller von der Wählervereinigung Ammelshain forderte Korrekturen. Er schlug vor, mit einem neuen Pächter vertraglich zu vereinbaren, dass er mindestens fünf Jahre durchhalten muss. Das minimiere das Risiko, wenn die Stadt das Haus in Schuss bringt. Für Zocher nicht machbar. „Ich kann niemandem mit einem Vertrag drohen, wenn er vor Ablauf der Frist pleite geht“, erklärte er.

Auch ein anderer Vorschlag Strellers lief ins Leere. Der Abgeordnete bat die Stadt, für ein Nachbargrundstück des ehemaligen Ladens ihr Vorkaufsrecht in Anspruch zu nehmen. Wenn beide Flächen abgerissen würden, könnten sie zusammengelegt werden. „Dann hätten wir mitten im Ort einen Platz für Veranstaltungen und nicht nur draußen den Sportplatz“, sagte er.

Für solche Zwecke, erwiderte Bauamtsleiter Thomas Hertel, könne das Vorkaufsrecht nicht in Anspruch genommen werden. Gegenüber der LVZ erklärte er im Nachgang, ihm sei außerdem nicht bekannt, dass jemand im Umfeld sein Grundstück verkaufen will. Auch Ortsvorsteher Lutz Kadyk von der Wählervereinigung Ammelshain hat, wie er sagte, nichts dergleichen gehört.

Am 29. Juli nahm Bauamtsleiter Hertel den leergeräumten Laden ab, den Gisela Dietrich 2007 übernommen und mit Unterstützung ihres Ehemanns Günther betrieben hatte. Der LVZ sagte die Polenzerin nun: „Ich bedanke mich bei allen Kunden für ihr Entgegenkommen. Sie hätten mich nicht in Ammelshain aufnehmen müssen. Ich gab mein Bestes und war immer mit ihnen zufrieden. Nach meiner Einschätzung beruhte das auf Gegenseitigkeit.“

Die zwei Jahre, die sie nach schwerer Krankheit noch im Geschäft geblieben war, hätten sie aufgebaut. Irgendwann müsse aber Schluss sein. „Ich bin mit einem weinenden Herzen rausgegangen“, ließ die 65-Jährige wissen.

Von Frank Pfeifer

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