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Grimma Lift-Defekt: Behinderte Mieter sitzen fest
Region Grimma Lift-Defekt: Behinderte Mieter sitzen fest
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13:14 31.08.2018
Die Fahrstühle im Grimmaer Punkthochhaus (PH 9) laufen nicht immer. Auch die Hebebühne im äußeren Eingangsbereich ist öfter defekt. Jetzt gab es Wirbel im Haus, weil Rollstuhlfahrer nur mit fremder Hilfe aus dem Haus kamen. Quelle: Thomas Kube
Grimma

Im Grimmaer Punkthochhaus, wegen seiner neun Stockwerke kurz PH9 genannt, gab es in letzter Zeit einigen Wirbel. Grund war der defekte Fahrstuhl, der bis in den Keller und damit zu einem ebenerdigen Ausgang führt. Fataler Weise streikte zeitgleich die anfällige Hebeplattform, die 2016 neben der Außentreppe errichtet wurde und Rollstuhlfahrern oder alten Leuten mit Rollatoren seitdem einen zweiten Weg ins und aus dem Wohngebäude ermöglicht. Die behinderten Bewohner konnten deshalb über Tage hinweg nur mit fremder Hilfe ins Freie.

Störung ist behoben

Seit Donnerstag ist der Fahrstuhl wieder in Betrieb, ein Monteur knöpfte sich an dem Tag auch die Hebeplattform vor. Bewohner wie Betreiber hoffen nun, dass die Lifte störungsfrei laufen. Indes denkt die Grimmaer Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (GWB) als Eigentümer des Gebäudes offenbar über einen Wechsel der Wartungsfirma nach. Im Haus in der Stecknadelallee gibt es zwei Aufzüge über die neun Etagen, wobei nur einer bis zum Keller führt. Per Wartungsvertrag ist die Niederlassung Leipzig der Thyssenkrupp Aufzüge GmbH dafür verantwortlich, dass die zehn Jahre alten Fahrstühle im 1981 errichten Haus zuverlässig ihren Dienst tun.

Extremfall sorgte für großen Ärger

Auch wenn der vom Erd- bis zum Dachgeschoss führende Lift stets verfügbar war: So einen Extremfall hat es nach Aussage von GWB-Chefin Katrin Hentschel bislang nicht im Haus gegeben. Der Ärger war groß – auf allen Seiten. Die Fahrstühle im PH9 hätten in den letzten sechs Wochen 40 Prozent ihrer Arbeitszeit gekostet, zürnt Hentschel. „Am meisten bewegt mich die Machtlosigkeit“, sagt sie. „Wir sind in den Fängen des Dienstleisters.“

Reparatur zog sich über Wochen

Der zum Keller führende Lift war schon am 21. Juli ausgefallen. Nach der Reparatur lief er nur kurze Zeit, um sofort wieder den Geist aufzugeben. „Das Stahlseil hatte Schlupf und hing durch“, erläutert Hentschel. Am 24. Juli habe die GWB den Auftrag zum Seilwechsel erteilt, „doch es dauerte drei Wochen, bis Thyssenkrupp mit dem neuen Seil anrückte“, ärgert sich die GWB-Geschäftsführerin und fragt sich, warum die Wartungsfirma kein Ersatzseil vorhält. Kaum repariert, streikte die Elektronik am Kellerlift, so dass er am 23. August erneut seinen Dienst einstellte. Am Abend blieb er plötzlich stecken und schloss eine ältere Dame ein, die von der Feuerwehr aus ihrer misslichen Lage befreit werden musste. Dummerweise fiel drei Tage später auch die Hebeplattform wieder aus, weil eine der beiden Türen beschädigt worden war.

Ansprechpartner im Haus helfen

Zum Glück gebe es immer Ansprechpartner im Haus, sagt Hentschel und verweist auf die Rezeption, die Sozialhelferinnen und den GWB-Hausmeister. Angelika Sallat vom Verein Mehrgenerationenwohnen PH9 lobt den Einsatz der acht Sozialhelferinnen, die über die Stiftung St. Georgenhospital angestellt sind und wochentags von 6 bis 20.30 Uhr sowie am Wochenende von 7 bis 12 und 17 bis 20 Uhr im Haus sind. Sie hätten in der Zeit alle mögliche Hilfe geleistet, etwa den Müll der betroffenen Mieter weggebracht oder Einkaufstaschen getragen. Auch die GWB habe sich bemüht, den Lift-Ausfall zu kompensieren.

Hebeplattform ist störanfällig

Für die Hebeplattform hatte sich die Stiftung stark gemacht und 2016 über die Förderrichtlinie „Lieblingsplätze für alle“ 24 700 Euro an Land gezogen. „Uns war eine robuste Anlage versprochen worden, doch sie ist sehr störanfällig und fällt immer mal wieder aus“, ist Sallat sauer. Seit Mai sei es ein Dauerproblem. An Vandalismus glaubt sie nicht, aber offenbar könne schon eine unsachgemäße Bedienung zur Störung führen. Die Hebeeinrichtung sei sinnvoll und verbessere die Situation der Bewohner, betont Sallat, die dem Hersteller mit Hilfe der Stadt noch einmal Dampf machen möchte. Zumal die Gewährleistung dieser Tage endet.

Ersatzteile nicht von der Stange

Mit der Hebeplattform hat Thyssenkrupp nichts zu tun, wohl aber mit beiden Liften. „Wir haben alles schnellstmöglich gemacht“, verteidigt sich der Servicemeister. Leider könne man bei den vielen Aufzugstypen nicht alles Material vorrätig haben, verweist er auf die 2200 Fahrstühle, die seine Firma im Leipziger Raum betreut. „Beim Seil sind wir an unseren Zulieferer gebunden“, erläutert er. Das gebe es nicht von der Stange. „Wir haben es dringend gemacht, doch es hing an der Lieferung“, erklärte der Servicechef. Der Einbau habe dann nur einen Tag gedauert. Liftseile würden generell bestellt und gefertigt und bräuchten vorm Einbau ein Seilattest. Man könne sie nicht jahrelang lagern.

Von Frank Prenzel

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