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Lindhardter Kindergarten in Gefahr

Lindhardter Kindergarten in Gefahr

Im Ungewissen liegt die Zukunft des Kindergartens Funtasia in Lindhardt nicht zum ersten Mal, doch jetzt ist das Bangen besonders groß. Die Arbeiterwohlfahrt Mulde/Collm (Awo), die ihn im Auftrag Naunhofs betreibt, hat vor, einen Vertrag zu lösen, der bisher die Existenz der Einrichtung mit absicherte.

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Idyllisch gelegen, aber kaum genutzt: das ehemalige Heim in Lindhardt, in dem sich ein Kindergarten befindet.

Quelle: Andreas Röse

Naunhof/Lindhardt. Im ehemaligen Kinder- und Jugendheim werden die Funtasia-Knirpse derzeit betreut. Allerdings belegt die Awo damit nur ein Fünftel des riesigen Hauses. "Seit vielen Jahren suchen wir nach einer Nutzung für den restlichen Teil des Gebäudes, der leersteht; doch das ist uns nie gelungen", erklärt Geschäftsführer Daniel Schippan. Betreibung der Kindertagesstätte und Unterhaltung der Immobilie würden im Jahr 25 000 Euro mehr kosten, als mit der Kindereinrichtung verdient werden könne. Der Erbbauzins würde sich mittelfristig erhöhen, so dass sich die Negativbilanz immer weiter vergrößere.

Grundstück und Gebäude gehören der Stadt Leipzig, mit der die Awo einen Erbbaupachtvertrag abgeschlossen hat, der erst in rund 80 Jahren ausläuft. Jetzt tauchte aber ein Exposé auf der Internetseite der Messestadt auf, in dem die Immobilie für 362 000 Euro angeboten wird. Es enthält außerdem einen Satz, der in Lindhardt für mächtig Unruhe sorgt. "Das Erbbaurecht mit der Awo nebst sämtlichen Verpflichtungen wird mit dem Verkauf aufgehoben", heißt es dort. "Will die Awo etwa den Kindergarten aufgeben?", fragt sich der neue Ortsvorsteher Bernd Pohl von der Freien Wählervereinigung Lindhardt.

Von dem Exposé zeigt sich auch Bürgermeister Volker Zocher überrumpelt. Er hat in der Vergangenheit nach eigenem Bekunden mehrfach in Leipzig um Auskunft zum ehemaligen Lindhardter Heim gebeten, aber nie eine erhalten. "Für uns ist jetzt erst einmal wichtig zu wissen, was dort geplant ist", sagt er in einer ersten Reaktion und verweist darauf, dass es nicht so einfach sei, die Kita zu schließen. "Da gibt es Fristen. Die Awo erhält von der Stadt und vom Freistaat Mittel, sie kann nur langfristig raus aus dem Haus", meint er.

Schippan von der Awo versucht, den Ball flach zu halten. "Wir haben ein großes Interesse, die Kindertagesstätte weiter zu betreiben", versichert er. "Alles werden wir tun, damit sie nicht aufgegeben werden muss." Ziel sei es, dass der Käufer das Gebäude einer Nutzung zuführe und die Awo die Kita behält. Er, Schippan, wisse von einem Interessenten, bei dem das möglich sei. Sollten alle Stränge reißen, müsse ein Ersatzquartier für die Tagesstätte gefunden werden; ein Angebot gebe es bereits.

Sorge ist durchaus angebracht, denn es steht nicht nur der eine Kaufinteressent auf der Matte, von dem Schippan spricht und dessen Identität er noch geheim halten will. Wie der Abteilungsleiter Grundstücksverkehr der Stadt Leipzig, Ralph Rinner, auf Anfrage mitteilt, gab es schon mehrere Besichtigungen in dem Haus - die bisher letzte vorgestern. Bürgermeister Zocher will erfahren haben, dass unter jenen, die sich umgesehen haben, auch Mitglieder des Fördervereins des Freien Gymnasiums Naunhof gewesen sind.

Vor reichlich einem Jahr hatte er die Immobilie dieser Bildungseinrichtung für die notwendige Erweiterung angeboten. Damals war der Vorschlag, wie Zocher erinnert, vom Gymnasium selbst und von seinem Förderverein zurückgewiesen worden. Jetzt kann sich der Bürgermeister allerdings einen neuen Anlauf vorstellen.

"Die Kommune hat in solchen Fällen immer ein Vorkaufsrecht", erklärt er. "Das Gymnasium braucht nächstes Jahr dringend mehr Räume, wir dürfen es nicht ins offene Messer laufen lassen." Also sei es vorstellbar, dass die Kommune das ehemalige Kinder- und Jugendheim erwirbt und dann an den Träger des Gymnasiums, die Da-Vinci-Campus Naunen gGmbH, vermietet. Hans-Dieter Fleischer von der Freien Wählervereinigung Lindhardt äußert zwar Bedenken: "Wenn die Stadt Eigentümer ist, muss sie das Haus umbauen; und das kostet viel Geld." Doch Zocher meint: "Entsprechend dem, was wir reinstecken, müssen wir eben Miete verlangen. Das setzt voraus, dass wir die Sache zunächst ordentlich durchrechnen."

Missmut bereitet dem Bürgermeister in erster Linie die enorme Verteuerung der Immobilie. Vor nicht allzu langer Zeit habe Leipzig einen fünfstelligen Betrag als Preis angegeben. "Wenn jetzt das Vierfache verlangt wird, lässt das vermuten, dass es mehrere Interessenten gibt." Laut Rinner vom Rathaus der Messestadt ist schlichtweg der Verkehrswert der Immobilie gestiegen, wie in einem Gutachten festgestellt worden sei.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.07.2014
Pfeifer, Frank

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