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Grimma Linksfraktion: Rewe-Ansiedlung ist ein schwerer Fehler
Region Grimma Linksfraktion: Rewe-Ansiedlung ist ein schwerer Fehler
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17:35 10.04.2017
Jörg Diecke Quelle: Foto: Frank Prenzel
Grimma

Jörg Diecke ist felsenfest davon überzeugt: „Die Rewe-Ansiedlung ist ein ganz schwerer Fehler, den wir begehen.“ Der Fraktionschef der Linken im Grimmaer Stadtrat glaubt nicht, dass der Supermarkt am nördlichen Altstadtrand zur avisierten Belebung der City führen wird. Die Parkanlage zwischen Markt und Zentrum stehe unter Denkmalschutz, „so dass keine Passagenfunktion zustande kommt“, sagt der 62-Jährige. In diesem Abschnitt fehlten zwei bis drei Läden, um die Verlängerung zur Brückenstraße herzustellen.

Die Linksfraktion im Stadtrat hatte dem Bebaungsplan für das Gelände des jetzigen Jahnstadions, auf dem Super- und Drogeriemarkt entstehen sollen, nicht zugestimmt (die LVZ berichtete). „Natürlich haben wir alle das Ziel, die Altstadt Grimmas zu beleben. Der zunehmende Leerstand unterstreicht die Dringlichkeit. Aber die Ansiedlung eines weiteren Vollsortimenters halten wir für den falschen Weg“, so Dieckes Fraktionskollegin Kerstin Köditz. Laut Industrie- und Handelskammer Leipzig gebe es allein zwischen Volkshausplatz und Markt Sortimentsüberschneidungen in sechs Geschäften, was eine verschärfte Konkurrenz zur Folge habe. Der Abstimmungsmarathon im Stadtrat ohne Diskussion sei solchen Bedenken nicht gerecht geworden, beklagt Köditz.

Kleine Läden werden verdrängt

Ohne höheres Einkommen der Bürger werde sich auch der Umsatz in Grimma insgesamt nicht erhöhen, meint Fraktionsmitglied Sabine Krahnert. „Mit der Ansiedlung entsteht ein Verdrängungswettbewerb, dem zuerst die Kleinen zum Opfer fallen.“ Steige aber der Leerstand, verringere sich die Attraktivität der Altstadt. Kämen so weniger Besucher, wirke sich das negativ auf die Umsätze aus, „was eine Abwärtsspirale bedeutet“.

Solange die Hochwasserschutzmauer nicht steht, dürfe für den Supermarkt noch keine Baugenehmigung erteilt werden, erläutert Diecke. Aus seiner Sicht schafft die Stadt auch deshalb mit den Big-Bags einen provisorischen Schutz, um so beim Rewe keine Zeit zu verlieren. Gemeinsam mit dem Fördergeld ermöglicht erst der Grundstückserlös in Höhe von 1,6 Millionen Euro das finanzielle Polster zur Verlagerung der zwei innerstädtischen Stadien an die Lausicker Straße. Und das ist ebenfalls ein Punkt, den der Chef der dreiköpfigen Linksfraktion, der seit 1990 im Stadtrat sitzt, kritisch sieht. „Das ist für uns eine Nummer zu groß.“ Die Stadt brauche kein Stadion mit 2000 Plätzen, „wenn nur 150 Zuschauer zu den Fußballspielen kommen“.

Zudem sieht Diecke eine Gefahr bei den Folgekosten. „Der Verein wird nicht in der Lage sein, die Betriebskosten für die neue Anlage zu stemmen.“ Im jetzigen Stadion der Freundschaft würden sich Fußballer und Leichtathleten mit dem Schulsport die Unterhaltungskosten teilen. Die 1000 Euro, die der Fußballverein derzeit zahle, „reichen da oben nicht aus“, meint Diecke. „Die Realität wird uns einholen, dann muss die Stadt einspringen.“ Und dann käme wieder das Thema der Ungleichbehandlung der Vereine und Sportarten ins Spiel. Das betreffe auch die Roggenmühle, die der Seesportverein zur Nutzung erhält.

Neubau der Oberschule hat Priorität

Während die Linken die Stadien an der Mulde belassen wollen, befürworten sie vehement den Neubau der Oberschule Böhlen. Die Schule biete Unterricht auf hohem Niveau, sagt Dicke, mit der Investition setze Grimma ein Zeichen für den ländlichen Raum. „Für die Oberschule in Böhlen setzen wir gern Luxusbauten in Grimma hintenan“, so der 62-Jährige. Sie habe „oberste Priorität“, ohne die finanzielle Herausforderung zu unterschätzen.

Das Haushaltstrukturkonzept betrachten die Linken ebenfalls mit kritischen Augen. Die beschlossenen Einsparungen „sind verglichen mit den strukturellen Problemen Peanuts“, meint der Fraktionsvorsitzende. Vielmehr müsste die Verwaltung ihren Stellenplan durchforsten und eine Aufgabenkritik vornehmen. Warum brauche Grimma zum Beispiel einen Marktmeister, fragt Diecke. Diese Leistung könne extern vergeben werden. Bei den Stellen ließe sich eine Menge Geld sparen, „aber da traut sich keiner ran“.

Von Frank Prenzel

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