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London, Pausitz, Wurzen

London, Pausitz, Wurzen

Auf den Fingernägeln sind noch die Reste der Schwarz-Rot-Gold-Lackierung zu sehen. Auch eine britische Flagge ist dabei und verblasst gerade. „In den ersten Tagen wollte ich wieder zurück", sagt Verena Schott.

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Die Pausitzerin Verena Schott gewann bei den Paralympischen Spielen Silber in 200 Meter Lagen.

Quelle: Andreas Röse

Pausitz/Wurzen. Es sei ungewohnt gewesen auf einmal die Menschen auf der Straße wieder zu verstehen, nachdem die 23-jährige Pausitzerin in Deutschland gelandet war. London, Paralympische Spiele, Silbermedaille – „Es fühlt sich an, als sei es Jahrzehnte her." Der Alltag ist zurück. Naja, fast. Denn seit ihrem großen Erfolg reiht sich für die junge Frau ein Termin an den anderen: Englisches Fernsehen, deutsches Fernsehen, Zeitungen, Klaus Wowereit. Trotzdem erweckt sie nicht den Eindruck, dass es für sie Stress bedeutet. Am Mittwoch besuchte sie die Grundschule Bennewitz. „Die Kinder waren total neugierig und wollten wissen wie es war und wie man sich fühlt", strahlt Verena Schott. Sie ist früher selbst dort zur Schule gegangen. Doch das ist schon eine Weile her.Momentan studiert Verena Schott in Berlin. Bei diesem Gedanken fällt die lockere Art von ihr ab, während sie am Springbrunnen auf dem Wurzener Markt sitzt. „Der Stress zwischen Uni und Sport ist enorm groß." Da werde allgemein zu wenig Rücksicht auf die Leistungssportler genommen. „Ihre kleine Schwester geht zur Sportschule", sagt Verena‘s Mutter, Ramona Statovci. Doch die Lehrer achteten auf die sportlichen Leistungen und Herausforderungen nicht. Das kleine Mädchen müsse nach einem langen Wettkampf-Wochenende sofort Klausuren schreiben. „In England werden die Schüler vor großen Spielen bis zu einem Jahr freigestellt", erklärt Verena Schott. „Bei uns machen sie nebenbei noch Abitur", ergänzt die Mutter. Kein Wunder also, dass andere Nationen viel besser abschneiden – ohne Doppelbelastung. Wenn Verena ins Trainingsbecken steigt, dann hat sie schon im Hinterkopf „mach nicht so doll, du musst noch zur Uni." Zudem gebe es hier kaum finanzielle Unterstützung für die Behindertensportler, die seien meist „nebenbei" noch voll berufstätig. Denn ihnen bleibe nicht die Möglichkeit in den Polizeidienst oder zur Armee zu gehen, wo es annehmbare Bedingungen für die Doppelbelastung gibt. „In England bekommen die Sportler genug Unterhalt zum Leben." Die Bedingungen für Leistungssportler, Olympioniken und Paralympiker, müssten hier verbessert werden, fordert sie. Ein weiterer Unterschied, der dem Ganzen noch eine Krone aufsetzt: „Ein Olympionike bekommt 15 000 Euro für Gold, ein Paralympiker hingegen nur 7500 Euro", berichtet Verena Schott, über die Gleichbehandlung der deutschen Athleten. Als ob weniger Leistung oder Training für eine Medaille nötig wäre. „Wir müssen noch zur Drogerie, ich brauche Nagellackentferner", sagt Verena Schott zu ihrer Mutter. Diese Spiele sind vorüber. „Aber in Rio, in vier Jahren, da wird sie voll zu schlagen", meint Ramona Statovci. Bei dieser Aussicht strahlt Verena Schott wieder mit vollem Elan. Matthias Pöls

Matthias Pöls

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