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Grimma Machern: Mobbing-Klage abgewiesen
Region Grimma Machern: Mobbing-Klage abgewiesen
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14:08 19.05.2015
Das Gericht ist nicht ihrer Meinung: Ronny Reichel (r.), ehemaliger Mitarbeiter der Macherner Gemeindeverwaltung, und sein Anwalt Daniel Jurochnik, wollten Schadenersatz und Schmerzensgeld einklagen. Richter sah gestern nicht genug Anhaltspunkte für das behauptete Mobbing durch die Rathauschefin. Quelle: Andreas Döring

In Saal 5 des Arbeitsgerichts wurden die Vorwürfe heute aufgerollt. Reichel, der bis März das Bürgeramt leitete, machte die konfliktbelastete Situation am Arbeitsplatz und "Diskriminierungen" durch die Rathauschefin für seine psychische Erkrankung verantwortlich.

Der 38-Jährige war mit seinem Rechtsbeistand Daniel Jurochnik erschienen. Die Kommune ließ sich von Anwalt Sven Singer, Fachmann für Kommunal- und Haftungsrecht, vertreten. Doreen Lieder war nicht zugegen. Auf den Besucherstühlen verloren sich nur wenige Interessierte. Was monatelang die Debatte in Machern bestimmte, hatte Richter Olaf Steffen als 32-seitige Klage auf dem Tisch. Er habe stets eine gute Arbeit geleistet, schilderte der Kläger vor der 2. Kammer. Doch mit dem Amtsantritt von Doreen Lieder im Jahr 2013 hätten die Probleme begonnen. "Ich merkte immer mehr, dass es nicht um fachliche und sachliche Kritik ging, sondern darum, mich schlecht zu machen." Als die psychischen Belastungen immer größer wurden, habe er entschieden, ein Mobbing-Tagebuch zu führen - "auch auf Anraten meiner Therapeutin." Die Klage listet mehrere Ereignisse auf. Unter anderem ging es um eine heftige Auseinandersetzung, bei der sich die Ortschefin "in Lautstärke und Wortwahl vergriffen" habe. Selbst Bürger seien unfreiwillige Zeugen dieses emotionalen Ausbruchs geworden. "Ich wusste an dem Tag nicht mehr, wie ich überhaupt nach Hause gekommen bin." Unmittelbar danach sei er zusammengebrochen. Ein Klinikaufenthalt folgte. Selbst seine Krankheit habe Doreen Lieder nicht davon abgehalten, ihm Arbeitsaufträge zu erteilen und damit eine weitere Verschlechterung seines Gesundheitszustandes heraufzubeschwören.

Reichel machte im Laufe der 45-minütigen Verhandlung deutlich, dass er kein Einzelfall sei. "Ich war nur der Erste", nahm er auf weitere Ausfälle von Rathaus-Mitarbeitern Bezug. Wie am Rande der Verhandlung bekannt wurde, hätten sich insgesamt fünf Angestellte in stationäre und/oder ambulante psychologische Behandlung begeben müssen. Ein Fall sei zur Anerkennung als Arbeitsunfall bei der Unfallkasse Sachsen anhängig.

Großen Raum nahm die Angewohnheit der parteilosen Rathauschefin ein, nächtliche E-Mails zu verschicken. Reichel schilderte einen Fall, wo ihn nach 24 Uhr die Botschaft erreichte, er solle am folgenden Morgen an einer Beratung teilnehmen. "Das war mir aber nicht möglich, da ich bereits langfristig eine Besprechung mit den Mitarbeitern meines Amtes angesetzt hatte." Sven Singer sah die Sache anders. Der Anwalt der Gemeinde konnte die ganze Aufregung nicht verstehen: "Darf man einem Vorgesetzten allen Ernstes vorwerfen, dass er Weisungen erteilt, dass er vielleicht auch nachts arbeitet und dann auch E-Mails verschickt?" Im Namen der Gemeinde wies der Jurist sämtliche Vorwürfe zurück, auch eine gütliche Einigung komme nicht in Betracht.

Die Parteien wurden auf den frühen Nachmittag vertröstet. "Die Vorfälle, die dargestellt wurden, reichen nicht aus, um die behaupteten Persönlichkeitsverletzungen zu begründen", verkündete Richter Olaf Steffen schließlich gegen 14 Uhr die Abweisung die Klage. Der Vortrag des Anwaltes reiche nicht aus, um von Mobbing zu sprechen.

Ob damit ein Schlussstrich unter die Auseinandersetzung gezogen ist, bleibt offen. Reichel kündigte an, die Worte des Gerichts in Ruhe auszuwerten und dann zu entscheiden, ob er die nächste Instanz bemüht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.12.2014
Simone Prenzel

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