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Männerchor Köhra gibt Festkonzert zum runden Geburtstag

Seit 110 Jahren haben sie Töne Männerchor Köhra gibt Festkonzert zum runden Geburtstag

„Wo man singt, da lass dich ruhig nieder“, hatte Johann Gottfried Seume gedichtet. Sehr viele Leute nahmen Platz, als unlängst der Männerchor Köhra sein 110-jähriges Bestehen zelebrierte. „Die Kirche war voller als zu den jährlichen Adventskonzerten“, sagt Ensembleleiter Ekkehard Schmidt, der gleichzeitig zwei persönliche Gründe zum Feiern hatte.

Der komplette Männerchor Köhra beim Festkonzert. Am elektronischen Klavier saß Leiter Ekkehard Schmidt.

Quelle: Elfriede Schmidt

Belgershain/Köhra. „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder“, hatte der in Grimma hochverehrte Johann Gottfried Seume gedichtet. Sehr viele Leute nahmen Platz, als unlängst der Männerchor Köhra sein 110-jähriges Bestehen mit einem Festkonzert zelebrierte. „Die Kirche war voller als zu den jährlichen Adventskonzerten, die wir dort gemeinsam mit der Gesangsgruppe Grimma geben“, sagt Ensembleleiter Ekkehard Schmidt, der gleichzeitig zwei persönliche Gründe zum Feiern hatte.

Sie alle waren gekommen: Musikliebhaber aus dem Dorf, ehemalige Chormitglieder und Überraschungsgäste wie die Kehrchen Lerchen, was in diesem Falle keine Kirchen-Lerchen sind, sondern die Köhraer Lerchen. „Mit zwei Ständchen beglückwünschten wir den Männerchor“, sagt Hannelore Zimmermann, deren Vater und Ehemann schon in dem Ensemble sangen und deren Sohn noch immer dort mitsingt. „Bei uns im Ort existiert doch kein Vereinsleben mehr, Feuerwehr und Siedlergruppe sind weg“, erklärt die 75-jährige Lerche. „Da wollen wir doch wenigstens den kleinen Chor unterstützen, den wir noch haben.“

Gemeint sind die zwölf aktiven Sänger, begleitet von Nummer 13, Ekkehard Schmidt, am elektronischen Klavier. Eine relativ bescheidene Gruppe im Vergleich zur 1374-köpfigen Köhraer Einwohnerschaft, die wegen der zahlreichen Neubaugebiete seit 1990 mächtig gewachsen ist. Wie viel anders war das noch vor 110 Jahren, als 40 Männer der Schöpfung ihre Kehlen erschallen ließen, also fast die Hälfte der Herren im Dorf.

In der Gründungssatzung des Chors hielten sie als Zweck fest, „den sangeslustigen männlichen Personen des Ortes und der Umgegend Gelegenheit zur besseren Ausbildung im Gesang zu geben und überhaupt dadurch den gesellschaftlichen Verkehr untereinander zu fördern.“ Die Worte haben noch immer Gültigkeit. Sechs Mitglieder kommen aus der Umgebung, konkret aus Threna, Grimma und Leipzig sowie Chorleiter Schmidt aus Trebsen. Sie proben jede Woche im Gasthof „Zur goldenen Krone“, und hinterher pflegen sie das gesellschaftliche Miteinander beim Knobeln und Plaudereien übers aktuelle Geschehen in Belgershain.

Mit ihren Traditionen wollten die Sänger nie brechen, auch nicht zur schwersten Krise des Vereins nach dem Zweiten Weltkrieg. Mehrere Männer waren gefallen, und die Idee kam auf, das Ensemble in einen gemischten Chor umzuwandeln. „Diesen Gedanken begrub man aber schnell, alles blieb beim Alten“, weiß Schmidt.

Vor 50 Jahren übernahm er die Leitung. Als Spross einer musikalischen Familie und Musiklehrer in Naunhof erschien er seinem Onkel Wolfgang Blohm, der bis dahin den Taktstock geschwungen hatte, nun aber erkrankt war, dafür als geeignet. „Mein erster großer Auftritt war leider bei dessen Trauerfeier“, erinnert sich der 74-jährige Schmidt.

Besetzt war sein reichlich 30 Mitglieder zählender Chor noch ausgewogen mit je zwei Tenor- und zwei Bassstimmen. Neben Volksliedern sowie Ausschnitten aus Opern, Operetten und Musicals war sozialistisches Liedgut Pflicht. „Ich weiß noch, wie sie zähneknirschend ’Deck den Tisch für unsere Republik’ sangen“, bemerkt Schmidt schmunzelnd. „Weil wir auch zu den Jugendweihen auftreten mussten, hatten wir die DDR-Nationalhymne einzustudieren. Gerade als ich mit unseren Leuten den Text draufhatte, wurde er Anfang der 1970er wegen der Worte ’Deutschland, einig Vaterland’ verboten.“

Politische Vorgaben macht seit der Wiedervereinigung niemand mehr. Dafür begannen neue Sorgen zu drücken. Junge Männer zogen der Arbeit hinterher oder fanden andere Interessen. So blieb der Nachwuchs aus. Derzeit sind alle Mitglieder über 50, der Älteste ist 77. Als Resultat bleibt eine der vier Stimmen unbesetzt. „Der Gasthof hat keinen Saal mehr“, bedauert Ekkehard Schmidt. Damit fehlt ein weltlicher Raum, um auftreten und damit eine Öffentlichkeit erreichen zu können, aus der sich Nachwuchs akquirieren ließe.

„Wir sind dankbar, dass wir wenigstens die Köhraer Kirche benutzen können“, betont Schmidt, der zum Festkonzert nicht nur auf seine 50-jährige Chorleitertätigkeit zurückblickte, sondern noch rein privat froh und glücklich sein durfte. „Meine Frau Elfriede hatte ich am selben Tag vor 40 Jahren geheiratet, wir hatten also Rubinhochzeit“, gibt er preis.

Von Frank Pfeifer

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