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"Mama weint jetzt immer"

"Mama weint jetzt immer"

In vier Grundschulen des Landkreises läuft seit einigen Monaten das Modellprojekt Schulsozialarbeiter. Neben der Wurzener Ringelnatz-Schule, der Grundschule in Markkleeberg und der Neuseeenland-Schule in Borna profitiert auch die Grimmaer Einrichtung Bücherwurm von den Fördermitteln aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes.

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Im lockeren Gespräch mit Viertklässlern: Schulsozialarbeiterin Eva Weidemann (Mitte) und Hortleiterin Ina Pohle in der Grundschule Bücherwurm.

Quelle: Silke Hoffmann

Grimma. In Grimmas Westen möchte man Schulsozialarbeiterin Eva Weidemann nicht mehr missen.

„Das Schöne ist, dass wir eine sehr enge Dreier-Kooperation mit der Schule und mit dem Hort haben", so die 33-jährige Diplom-Pädagogin. Hortleiterin Ina Pohle sagt, sie sei sehr glücklich über diese Unterstützung. Familiäre Probleme, aber auch die Gewaltbereitschaft der Kinder hätten in den vergangenen Jahren zugenommen. „Sonst mussten wir Hortnerinnen uns oft nachmittags mit einzelnen Kindern auseinandersetzen und beschäftigen, jetzt steht uns Frau Weidemann zur Seite." Kerstin Wilhelm, stellvertretende Schulleiterin, bestätigt das: „Die Nöte in den Familien werden immer größer. Es ist sehr hilfreich, dass Frau Weidemann engen Kontakt gerade zu den sozial schwachen Familien hält, wofür wir sonst kaum die Zeit hatten."

Wenn es um Zeit geht, möchte die Schulsozialarbeiterin am liebsten doppelt so viel davon haben. An den Vormittagen stehen Elterngespräche auf dem Programm, wenn die Schule vorüber ist, warten schon die ersten Kinder vor dem Raum, in dem auch eine Couch zum Schwatzen und Chillen einlädt. „Die Themen, mit denen die Mädchen und Jungen zu mir kommen, sind sehr vielschichtig", sagt Eva Weidemann. Oft gehe es um die Trennung der Eltern. „Der Papa ist ausgezogen, und Mama weint jetzt immer." Solche Gespräche gingen ihr unter die Haut, sagt die zweifache Mutter. Zur Sprache kämen außerdem Probleme, die in Patchwork-Familien auftreten; manche Kinder seien traurig, weil sie keine Freunde finden oder Schulkameraden zu ihnen gehässig seien. Es gehe aber auch ernster zur Sache, wenn ihr bekannt wird, dass Drogen, Kindesvernachlässigung oder Gewalt in den Familien eine Rolle spielen. „Hier ist dann auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt gefragt."

Neben eigenen außerschulischen Angeboten wie der Arbeitsgemeinschaft „Starke Kinder" organisiert Eva Weidemann gemeinsam mit Hort und Schule auch verschiedene Projekte. So gab es jetzt einen „Mädchen-Tag", bei dem die Dritt- und Viertklässlerinnen mit solchen Klischees wie „Mädchen sind alle Hexen" oder „Mädchen bauen keine Häuser" konfrontiert wurden. Fazit war, dass es durchaus junge hübsche Kräuter-„Hexen" gibt, dass auch Mädchen unter Anleitung ein stabiles Regal bauen können und dass sich Grundschülerinnen schon mal ganz dezent schminken können.

Während für den Leipziger Caritas-Verband als Träger bereits drei Schulsozialarbeiter in Grimma tätig sind – in Gymnasium, Mittelschule und Lernförderschule – ist die vierte Stelle im Bücherwurm noch Neuland. Zunächst ist sie befristet bis Ende 2013. „Wir werden mit allen Mitteln darum kämpfen, dass sie bleibt", versichern Ina Pohle und Kerstin Wilhelm. Eva Weidemann weiß, wie nötig das ist: „Es ist wichtig, die Kinder schon im Grundschulalter stark zu machen, für das, was später auf sie zukommt. Noch ist es Gott sei Dank so, dass neben Schule und Hort in den meisten Fällen auch die Eltern mitziehen, was später leider oft nicht mehr der Fall ist.

Silke Hoffmann

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