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Grimma Manfred Bergmann ist in Mutzschen unvergessen
Region Grimma Manfred Bergmann ist in Mutzschen unvergessen
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00:25 02.09.2018
Die Böblinger Trauerfeier für Manfred Bergmann erinnerte an einen Staatsakt. Quelle: Thomas Kube
Grimma/Mutzschen

2006, exakt 50 Jahre nach dessen Tod, begründete der SV Einheit Mutzschen die Tradition des Manfred-Bergmann-Gedächtnisturniers. Bis heute hält sie an. Bergmann ist noch immer präsent – in der Turnhalle, in der Stadt, in den Köpfen. Dabei kennen ihn inzwischen die meisten nur noch vom Hörensagen. Sein Tod bewegte damals nicht nur den Osten, auch den Westen: Seine sterblichen Überreste wurden vorm Böblinger Rathaus aufgebahrt. Ganz Böblingen war auf den Beinen, um Manfred Bergmann die letzte Ehre zu erweisen. Wie auf einem Staatsakt.

Am 6. Januar 1956 heiratete der gelernte Schreiner seine geliebte Hilde. Noch im gleichen Monat wurde sein Töchterchen Monika geboren. Manfred Bergmann wollte in Kürze eine neue Wohnung beziehen, alle Möbel hatte er selbst gebaut – Berufsehre! Meine Hand für mein Produkt. Das galt für Manfred Bergmann auch im Boxring.

Der 23-Jährige war stolz, für die Faustkampf-Hochburg Mutzschen boxen zu dürfen. Wen wunderte es. Kein Geringerer als Wolfgang Behrendt, der für die DDR bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne Gold erkämpfte, unterstützte in der Mutzschener Turnhalle als Gastboxer Manfreds Team im Wettstreit mit den Böblingern. Dann der Rückkampf in Böblingen. Vor 1200 Zuschauern! Gegenüber standen sich Manfred Bergmann und Georg Haseloff. Zwei Techniker, die auf harte Schläge keinen Wert legten, sondern durch frappierende Schnelligkeit und instinktive Reaktionen glänzten. In der ersten Runde hatte Haseloff leichte Vorteile. Aber Manfred holte auf. Ende der zweiten Runde musste er einen leichten Kopftreffer hinnehmen. Als die Glocke schallte, ging er in seine Ringecke. Er drehte sich um und brach plötzlich zusammen.

Manfred Bergmann erlag am 3. Juni 1956 einer Gehirnblutung. Zuvor hatte er bereits das Bewusstsein verloren. Die Rettungskräfte im Boxring sowie die Ärzte vom Kreiskrankenhaus Böblingen gaben sich die größte Mühe, ihn zu retten. Doch alle medizinische Meisterschaft war vergebens. Die Nachricht vom Tod des Mutzschener Boxers verbreitete sich in Böblingen wie ein Lauffeuer. Spontan strömten die Böblinger auf den Rathausplatz, wo Halbmast geflaggt und der Tote aufgebahrt war.

Manfreds Frau Hilde erinnerte sich später: „Bei einem Kampf in Zittau zog sich mein Mann eine Gehirnerschütterung zu. Drei Wochen lag er in Wermsdorf im Krankenhaus. Als er entlassen wurde, verordneten ihm die Ärzte nur leichtes Training. Aber der Manfred ging für sein Boxen durchs Feuer! Beim Kampf in Böblingen löste sich dann das Blutgerinsel von Zittau ... Er wollte unbedingt mit in den Westen. Klar, unter anderem besuchten die Jungs auch die Automobilwerke in Sindelfingen.“

Karl Wentzlaff gehörte damals als 17-Jähriger zur Mutzschener Delegation: „Mein Bruder wollte den Manfred am nächsten Morgen im Krankenhaus besuchen. Da bekam er die schlimme Nachricht. Auf den Rathausplatz von Böblingen waren bestimmt 10 000 Menschen gekommen. Beide Mannschaften nahmen am Sarg Aufstellung: Wir Mutzschener auf der einen Seite und die Böblinger auf der anderen. Es war sehr bewegend. Ich kann mich noch erinnern: Bei der Beerdigung in Liptitz salutierte zu Ehren des Toten sogar die Feuerwehr. Manfred war ja auch Feuerwehrmann.“

Zur Premiere des Gedächtnisturniers kamen auch Böblinger Boxer von einst nach Mutzschen. Überhaupt rissen die Kontakte zwischen Mutzschen und Böblingen nie ab. Manfred Bergmanns inzwischen verstorbene Frau Hilde besuchte im Jahr 2000 zusammen mit ihrer Tochter Monika die Stadt im Westen. Dort trafen sie sich mit Inge Grob. Die war damals Krankenschwester und kämpfte um das Leben des Boxers. Bis zur Wende hatte sie oft Pakete nach Mutzschen geschickt. Und sie stand in Briefkontakt mit Hilde.

Von Haig Latchinian

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