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Max Baumbach zum 150. Geburtstag

Max Baumbach zum 150. Geburtstag


Wurzen. Max Baumbach gehört zur erstaunlich großen Schar von herausragenden Persönlichkeiten, die aus Wurzen kamen.

. Er machte als Künstler Karriere, zählte vor 100 Jahren zu den führenden Berliner Bildhauern und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Sein bevorzugtes Genre waren historische Herrscherstatuen, die in ganz Deutschland und sogar in den USA bewundert wurden.

Doch inzwischen ist er nur noch wenigen Kunstfreunden ein Begriff. Man muss schon suchen, um auf seine erhaltenen Schöpfungen zu stoßen. Das gelingt am ehesten in Berlin und Wörth. Der Künstler wurde am 28. November 1859 in Wurzen geboren. Er offenbarte bereits früh eine ungewöhnliche künstlerische Begabung, die von den Eltern nach Kräften gefördert wurde. Nach dem heimischen Schulbesuch ging der Kunstjünger zum Studium nach Berlin. Von 1881 bis 1884 probierte er sich im Kunstgewerblichen Museum aus. Der junge Mann aus Wurzen war noch unschlüssig, in welche Richtung seine Kunstreise gehen sollte. 1884 wechselte Baumbach an die Hochschule für bildende Künste. Hier kam er in die Obhut von Fritz Schaper, der seine besondere Begabung gerade im Aktsaal und bei der figürlichen Darstellung erkannte und ausprägte. Das brachte Baumbach 1885 in die Meisterklasse von Reinhold Begas, einem anderen Stern am Berliner Kunsthimmel. Hier erhielt er wohl den letzten Schliff. Fortan beteiligte sich der aufstrebende Künstler aus Wurzen mit eigenen Schöpfungen an den maßgeblichen Ausstellungen. Seine Arbeit „Das Gebet“ sorgte für erstes Aufsehen. Sie gehört heute zum Bestand der Berliner Nationalgalerie.

Baumbach blieb in Berlin, etablierte sich als freischaffender Künstler und heimste in der Folge für seine Werke erste Goldmedaillen in Berlin und München ein. Höhepunkte waren die Erfolge auf den Weltausstellungen in Chicago und Wien. Der Bildhauer hatte es geschafft. Er war nun wer in der Berliner Kunstszene, bekam öffentliche Aufträge und hatte ein wachsendes Einkommen. In seinen Schöpfungen blieb er in der Tradition seiner künstlerischen Ziehväter Schaper und Begas. Wie seine Lehrer pflegte er den Neubarock. Er traf damit andererseits auch den Zeitgeschmack im wilhelminischen Kaiserreich. Das belegen sein „Kaiser Barbarossa“ für das Reichstagsgebäude, seine Kolossalstatue „Herzog Albrecht von Preußen“ für den Berliner Dom und seine Doppelgruppe aus Marmor für die Berliner Siegesallee, die an Johann I. sowie Otto III. erinnern sollte. Die Siegesallee mit ihren pompösen Darstellungen war ein Prestigeprojekt des Kaisers, das der Heldenverehrung im preußischen Sinne diente und schon damals umstritten war. Wilhelm II. vergab die Aufträge dafür nur an die renommiertesten Künstler seiner Wahl. Die Berücksichtigung kam einem Ritterschlag gleich. Baumbach gehörte wie auch Schaper und Begas zu diesem prominenten Künstlerkreis.

Das katapultierte ihn endgültig in die erste Reihe der Berliner Künstlergrößen und bescherte ihm zudem die Professorenwürde. Zusätzlich zu den Berliner Schöpfungen kamen mit steigender Bekanntheit auch Aufträge aus anderen Regionen. Die diesbezügliche Palette reichte vom Reiterstandbild „Friedrich III.“ für Wörth über das Reiterstandbild „König Albert von Sachsen“, das vor dem Ständehaus in Dresden aufgestellt wurde, bis zum Bronzedenkmal „Friedrich Wilhelm von Seydlitz“ für das schlesische Trebnitz, das an den berühmten Reitergeneral Friedrichs des Großen und Siegers der Schlachten von Roßbach sowie Zorndorf erinnern sollte. Besondere Beachtung fand einst auch seine Denkmalgruppe mit den sechs protestierenden Reichsfürsten von 1529, die 1914 in der Gedächtniskirche von Speyer zur Aufstellung kam.

Anschließend blieb ihm allerdings nur noch wenig Schaffenszeit. Baumbach verstarb am Ende des ersten Kriegsjahres am 4. Oktober 1915 in Berlin. Seine Zeit war abgelaufen und sein Ruhm verblasste im Gefolge des Krieges und neuer Kunstauffassungen schnell. Im kunsthistorischen Werk Vomms „Reiterstandbilder des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Deutschland“, das 1975 erschien, wird das Wirken von Baumbach eingehend reflektiert und eingeordnet. Die überlieferten Kataloge der einstigen Ausstellungen mit Baumbach-Beteiligung enthalten ebenfalls Angaben zum Künstler. Außerdem verfügt das Archiv der preußischen Akademie der Künste in Berlin über interessantes Material zu Baumbach.

Martin Stolzenau

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