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Miete vor Kauf: Colditz will Hausdorfer Bowlingbahn zum Stadtarchiv umbauen

Stadtratsbeschluss Miete vor Kauf: Colditz will Hausdorfer Bowlingbahn zum Stadtarchiv umbauen

Die ehemalige Bowlingbahn in Hausdorf soll zum künftigen Colditzer Stadtarchiv umgebaut werden. Deshalb schließt die Kommune mit dem Eigentümer zunächst einen befristeten Mietvertrag. Später will sie das Gebäude kaufen. Die Vorgehensweise gefällt aber nicht jedem Abgeordneten. Und völlig unklar ist im Moment, ob ein Stadtratsbeschluss rechtlich Bestand hat.

Die Bowlingbahn von Hausdorf. Außen herum blüht es, drinnen ist alles tot.

Quelle: Thomas Kube

Colditz/Hausdorf. Die ehemalige Bowlingbahn in Hausdorf soll zum künftigen Colditzer Stadtarchiv umgebaut werden. Deshalb schließt die Kommune mit dem Eigentümer zunächst einen befristeten Mietvertrag. Später will sie das Gebäude kaufen. Die Vorgehensweise gefällt aber nicht jedem Abgeordneten. Und völlig unklar ist im Moment, ob ein Beschluss zur jüngsten Stadtratssitzung überhaupt rechtlich Bestand haben wird.

Seit sich im Juni vergangenen Jahres der Pächter der Gaststätte „Zum Anpfiff“ und der Bowlingbahn verabschiedet hatte, steht der Komplex leer. Die Diskussion um eine Nachnutzung begann kurz zuvor. Das städtische Archiv im Bildungs- und Begegnungszentrum BBS platzt aus allen Nähten, außerdem laufen dort Tag und Nacht die Luftentfeuchter. Im Rathaus ist schon jede freie Ecke mit Dokumenten zugestellt, und auch im Hausdorfer Bauamt findet sich keine freie Fläche mehr.

Die Mehrheit des Stadtrats ist sich deshalb einig, dass neue Räume her müssen. Nur Till Brand von der Bürgerinitiative Colditz vertritt weiter seine Meinung, wonach das digitale Archiv das Archiv der Zukunft sei und deshalb die Bowlinganlage nicht gebraucht würde. Laut Landesarchivar könnten bis zu 95 Prozent der Akten vernichtet werden, damit müsse jetzt begonnen werden. Doch Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) kontert: „Wir sind nicht Leipzig, sondern eine Kleinstadt, deshalb müssen wir noch auf Jahrzehnte hinaus Papierakten lagern.“

Beschließen sollte der Stadtrat nun, die Bowlingbahn vom Eigentümer, dem Hausdorfer Sportverein (HSV) zu mieten. Doch die Verwaltung legte den Abgeordneten keinen Mietvertrag vor. Für Manfred Heinz (FDP) ein Unding. „Normalerweise erhalten wir einen Entwurf. Aber jetzt kennen wir weder Dauer des Anmietens noch sonst irgendwelche Regularien“, kritisiert er. „Und das, obwohl der Vertrag schon zwei Tage nach der Stadtratssitzung in Kraft treten sollte.“

Die Mehrheit des Parlaments wischte die Bedenken beiseite und beschloss einen Mietvertrag, den sie nicht kannte. Laut Schmiedel soll eine Kaltmiete von 2000 Euro pro Monat anfallen. Gegenüber der LVZ erklärt er, in diesem Jahr den Umbau zum Archiv planen und auf seine Förderfähigkeit hin abklopfen zu wollen. Für das kommende Jahr werde der Kauf der Bowlingbahn in den städtischen Haushalt eingestellt, dann ende das Mietverhältnis.

Abzuwarten bleibt allerdings, ob der Stadtratsbeschluss überhaupt gültig ist. Denn Bürgermeister Schmiedel stimmte mit ab, obwohl er stellvertretender Vorsitzender des Hausdorfer Sportvereins ist. „Somit schließt er mit sich selber den Mietvertrag“, mutmaßt Manfred Heinz. Nun soll die Rechtsaufsicht prüfen, ob eine Befangenheit vorlag. „Sollte das der Fall sein, muss der Stadtrat eben noch einmal abstimmen“, gibt sich Schmiedel gelassen. „Dann wären aber die eigentlichen Fakten schon geschaffen“, entgegnet Heinz. „Das ist kein fairer Umgang.“

Grundlegend meint der FDP-Mann, es wäre von Anfang nicht aufrichtig argumentiert worden. „Die Einen sagen, Colditz braucht ein neues Archiv, und die Bowlingbahn ist zufällig frei. Die Anderen – und zu ihnen neige ich eher – meinen, der HSV steht vor der Insolvenz, wir müssen ihn davor bewahren und brauchen zufällig ein Archiv“, führte er aus.

In der Tat will auch Schmiedel das Finanzdesaster des Sportvereins nicht wegreden. „Der HSV hat einen Kredit über rund 160 000 Euro abzuzahlen, den er für den Bau der Bowlingbahn aufgenommen hatte. Findet er keinen neuen Mieter, könnte die Insolvenz drohen“, schildert er. Intensiv sei ein neuer Gastronom gesucht worden, aber es habe sich keiner gefunden. Nun werde also die Stadt aktiv. Die Kaufsumme beziffert Schmiedel mit 160 000 Euro. Hinzu kämen Umbaukosten von 100 000 Euro, für die er sich eine 80-prozentige Förderung erhofft.

Die Bowlingbahn bezeichnet er als ideal für die neuen Zwecke. „Es hat keine Fenster, so dass sich ein eigenes Klima erzeugen lässt“, zählt er auf. „Es verfügt über eine durchgängige Bodenplatte. Es hängt an der zentralen Heizung der Stadt, ringsum stehen Kindertagesstätte, Schule, Bauamt und Sporthalle. Eingang und Toiletten sind behindertengerecht. Die Bushaltestelle ist nur 100 Meter entfernt, und hinterm Haus kann man mit dem Auto parken.“

Laut Gottfried Schröpfer, SPD-Stadtrat und Präsident des Hausdorfer Fußballclubs Colditz (HFC), baute der HSV, dem er damals vorstand, das Lokal „Zum anpfiff“ 1997 in viel Eigenleistung. Im Jahr darauf kaufte der Sportverein das Privatland und ließ die Bowlingbahn durch eine ortsansässige Firma errichten, 1999 wurde sie eröffnet. „Sie lief die ersten zehn Jahre gut, dann entstanden ringsum – teilweise mit Fördermitteln – andere Bowlingbahnen“, sagt er. Trotz Konkurrenz hätten die Unterhaltungskosten erwirtschaftet und die Kredite bedient werden müssen. Die Nutzungsgebühren seien gestiegen, die Besucherzahl habe abgenommen. Ein Teufelskreislauf.

Von Frank Pfeifer

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