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Grimma Mieterstrom – Stadtwerke Grimma starten Pilotprojekt
Region Grimma Mieterstrom – Stadtwerke Grimma starten Pilotprojekt
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13:57 11.03.2018
Auf dem Dach des Neubaublocks Bonhoeffer-Straße 2 bis 5 wird eine Photovoltaikanlage für preiswerteren Mieterstrom installiert. Beim Kontrollgang sind hier Hagen Böhme, Chef der Stadtwerke Grimma GmbH (li.), und Riad Dargazanli, der Technische Leiter der Grimmaer Wohnungs- und Baugesellschaft mbH. Quelle: Foto: Thomas Kube
Grimma

Durch den Wintereinbruch mussten die Spezialisten ihre Arbeiten auf dem Flachdach der Bonhoefferstraße 2-5 in Grimma erst mal unterbrechen. Schon aus Gründen der Arbeitssicherheit darf bei Frost niemand hier rauf. Davon abgesehen, dass der Kleber fünf Grad plus benötigt. Doch die ersten der insgesamt 252 Solarmodule sind bereits montiert – hoch über den Köpfen der 38 Mietparteien im nunmehr sanierten Neubaublock, der auch Aufzüge erhalten hat. Kurz vor Weihnachten war er praktisch übergeben worden.

Fakten zum Mieterstrom

Als Mieterstrom wird Strom bezeichnet, der in Solaranlagen auf dem Dach eines Wohngebäudes erzeugt und an Letztverbraucher (insbesondere Mieter) in diesem Wohngebäude oder in Wohngebäuden und Nebenanlagen im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang ohne Netzdurchleitung geliefert wird. Der von den Mietern nicht verbrauchte Strom wird ins Netz der allgemeinen Versorgung eingespeist und vergütet.

Bis zum vorigen Jahr rechnete sich Mieterstrom in der Regel für Vermieter nicht, weil zusätzliche Kosten für Abrechnung, Vertrieb und Messungen entstanden. Um Mieterstrom wirtschaftlich attraktiver zu machen, hat der Bundestag am 29. Juni 2017 das Gesetz zur Förderung von Mieterstrom verabschiedet. Das Gesetz ist am 25. Juli 2017 in Kraft getreten.

Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2017) wird ein Förderanspruch für direkt gelieferten Strom aus Solaranlagen auf Wohngebäuden verankert. Danach erhält der Betreiber einer solchen Anlage einen Mieterstromzuschlag. Dieser orientiert sich an den im EEG genannten Einspeisevergütungen abzüglich eines Abschlags. Um die durch die Mieterstromförderung entstehenden zusätzlichen Kosten zu begrenzen, wird der durch den Mieterstromzuschlag förderfähige Zubau von Solaranlagen auf 500 Megawatt pro Jahr beschränkt.

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Auf dem Dach in etwa 17 Meter Höhe startet die Stadtwerke Grimma GmbH ihr Mieterstrom-Pilotprojekt. Das städtische Unternehmen nimmt rund 70 000 Euro in die Hand, um die gesamte Fläche mit Solarmodulen zu versehen. Die Photovoltaikanlage auf dem Haus wird eine elektrische Leistung von 68 Kilowatt peak haben. Partner des Energieversorgers ist dabei eine weitere städtische Tochterfirma, die Grimmaer Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (GWB), der der Wohnblock gehört. „Es lag nahe, erst mal mit der GWB Gespräche zu führen, wir haben entschieden, gemeinsam etwas aufzubauen“, erläutert Stadtwerke-Chef Hagen Böhme. Dabei soll es eine Win-Win-Situation für alle geben. Die Stadtwerke hoffen auf neue Kunden und verdienen Geld, indem sie überschüssigen Strom vom Dach ins öffentliche Netz einspeisen. Die GWB verpachtet die Dachfläche(n) an die Stadtwerke. Und die Mieter der Solarhäuser, die Kunden des städtischen Energieversorgers sind, bezahlen weniger für ihren Strom.

Erst durch das Gesetz zur Förderung von Mieterstrom, das im vorigen Jahr in Kraft trat (siehe Kasten) lohnt sich laut Böhme der Aufwand. Jetzt gebe es einen kleinen Zuschlag für jede Kilowattstunde, die vor Ort vermarktet wird. Und damit rechnet es sich. Wenn sich der Pilot in der Bonhoefferstraße bewährt, wollen die Stadtwerke groß einsteigen. „Dann folgen die nächsten Projekte“, verspricht Böhme. Intention sei es, jede Dachfläche der GWB, auf der es Sinn macht, mit Solarzellen zu versehen. Die Stadtwerke wollen so ihr Geschäftsfeld der erneuerbaren Energie ausbauen. Laut Böhme würden jährlich eine halbe Million investiert, und das in den nächsten zehn bis 15 Jahren.

Wie das erste Mieterstrom-Projekt in der Praxis funktioniert, wollen die Stadtwerke zunächst ein halbes Jahr beobachten. Knackpunkt sei das energiewirtschaftliche Abrechnungssystem, erläutert Böhme, absoluter Profi seines Faches. „Das wollen wir analysieren, ehe wir auf anderen Häusern loslegen.“ Das langfristige Ziel sei es, viele Häuser in Grimma und Umgebung mit Photovoltaikanlagen zu versehen, „damit auch die Mieter was davon haben“ .

Der grüne Strom wird dabei ins Hausnetz eingespeist, in der Bonhoefferstraße in jeden Anschluss der vier Eingänge. Die Mieter, über deren Köpfen die Energie dank Sonnenlicht entsteht, profitieren von der Investition. Im Tarif „Grimma Strom direkt“ verbilligt sich ein Viertel ihres Stroms um einen Cent je Kilowattstunde, weil laut Böhme zum Beispiel das Netzentgelt entfällt. Die Stadtwerke bleiben Eigentümer der Dachanlage, die sie vom Vermieter pachten.

Von den Mietern des Blocks, die mit Flyern informiert wurden, gebe es bereits positive Reaktionen, erläutert Riad Dargazanli, Technischer Leiter des Wohnungsunternehmens. Aus dem Westring etwa seien auch schon Anfragen gekommen. „Ich denke, dass das Angebot angenommen wird.“

Von Frank Prenzel

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