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Minikocher statt Luxusliner: Grimmaer Senioren auf Abenteuer-Tour

Buchveröffentlichung Minikocher statt Luxusliner: Grimmaer Senioren auf Abenteuer-Tour

Für die Kreuzfahrt sind sie noch zu jung. Und doch denkt der Buchautor Peter Göthner in einem Buch über Fahrradreisen mit Zelt und Packtaschen, die er mit seiner Frau übernimmt, auch über sein Alter nach. Ein Reisebuch mit philosophischem Tiefgang.

Auf der Inlanddurchquerung von Island im Jahr 2008 mussten die beiden Grimmaer ihre Räder gelegentlich schieben.

Quelle: privat

Grimma. Warum tun wir uns das eigentlich an?, fragt Elise irgendwann. Die Frage scheint berechtigt, wenn zwei Menschen, die zusammen über 150 Jahre alt sind, nicht davon lassen können, mit Fahrrad, Packtaschen, Minikocher, Schlafsack und einem kleinen Zelt die Welt zu entdecken. Den Teil der Welt, zu dem sie die ungebrochene Neugier treibt. Und in dem neben vielerlei Glücksmomenten auch Strapazen auf sie warten: Kälte, Wind, Regen und geröllige Straßen. Warum tun Hans und Elise sich das an? Warum fühlen sie sich „Für die Kreuzfahrt noch zu jung“?

Eine erschöpfende Antwort auf diese Frage liefert das so betitelte Buch, das kürzlich im Verlag Shaker Media erschienen ist, nicht. Dafür aber 176 Seiten interessante, überraschende Lektüre und viele farbige Fotos über drei der zahlreichen Radtouren des unternehmungslustigen Paares.

Geschrieben hat das Buch Peter Göthner aus Grimma, Jahrgang 1932. Nicht nur Freunden und Bekannten des Mathematikers und langjährigen Lehrers am Grimmaer Gymnasium wird schnell klar: Er, der Autor, ist Hans, Elise seine sechs Jahre jüngere Frau Christel.

„Für die Kreuzfahrt noch zu jung“ bricht aus gängigen Genre-Schubladen aus. Das broschürte Büchlein ist kein Reiseführer und keine Erzählung, auch kein Essay-Band und kein Reisetagebuch und doch von allem etwas. Der Autor lässt den Leser teilhaben an der vierten Rad-Reise der Grimmaer nach Norwegen, auf der sie 2007 die Inselgruppe der Lofoten erreichten, an einer strapaziösen Inlanddurchquerung von Island im Jahr darauf und an einer Tour durch den südlichen Teil der Mittelmeerinsel Zypern im Jahre 2009.

Peter Göthner nimmt die Position des außenstehenden Erzählers ganz bewusst ein. Damit entkräftet er schon einmal komplett den Verdacht, dieses Buch könnte geschrieben worden sein, weil die beiden sich ihrer Taten rühmen wollten. Im Gegenteil, eher sind die Schilderungen manchmal geeignet, ein freundliches Mitleid aufkommen zu lassen, wenn die beiden Alten, wie der Autor selbst immer wieder formuliert, wieder einmal mit feuchten Klamotten einen Campingplatz verlassen, oder, wie bei Sturm und Regen in Island geschehen, sich entkräftet entscheiden, für die nächste Etappe doch einen Bus zu nehmen. Wobei die Fahrt mit dem dann auch kein reines Vergnügen ist.

Im selben Atemzug weckt das Buch die Neugier auf jene Orte, die die beiden aufsuchten und für die sich die Anstrengungen dann doch gelohnt haben. Kann man die Mitternachtssonne in Norwegens Norden unmittelbarer erleben als von einem Hügel hinter dem an einem kleinen Bach fern jeder Siedlung stehenden Zelt? Kann ein Bad erquickender sein als das nach zermürbender Radfahrt durch eine kalte und abweisend karge vulkanische Landschaft in einem warmen Geysir-See?

Diese Schilderungen würzt Peter Göthner mit tief gehenden, oft philosophischen Gedanken. So grübelt er bei der Einreise nach Norwegen über deutsche Kriegsschuld an diesem wunderbaren Volk und Land, in Zyperns geteilter Hauptstadt Nikosia über Mauern, die Menschen trennten und noch immer trennen.

Er lässt den Leser an seiner Sicht über Radfahrer und Wohnmobilisten teilhaben und verschweigt nicht die Furcht des alten Mannes davor, dass nicht mehr genügend Lebenszeit da sein könnte für all das, was er noch gern tun würde. Auch den frühen Tod der eigenen Tochter reflektiert er.

Etwas aber zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch: immer wiederkehrende Liebeserklärungen des über Achtzigjährigen an seine treue Frau und Gefährtin. Mit der er momentan noch immer nicht über eine Kreuzfahrt nachdenken mag.

Für die Kreuzfahrt noch zu jung, Verlag Shaker Media, 2016, ISBN 978-3-95631-399-8, 15,90 Euro

Von André Neumann

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