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Mit neuem Träger – Tafel in Grimma arbeitet nahtlos weiter

Verein Mit neuem Träger – Tafel in Grimma arbeitet nahtlos weiter

Die Ausgabe der Lebensmittel ging nahtlos weiter. Seit 1. Juli obliegt einem neu gegründeten Verein die Tafel in Grimma, nachdem der Kreisverband Mulde/Collm der Arbeiterwohlfahrt, der die Bedürftigeneinrichtung 15 Jahre lang betrieb, vor allem aus personellen Gründen die Reißleine gezogen hatte. Personelle Lücken machen aber immer noch Sorgen.

Auch nach dem Trägerwechsel bekommen Sozialbedürftige in der Grimmaer Tafel Lebensmittel gegen ein kleines Entgelt. Hier betreut die ehrenamtliche Mitarbeiterin Elke Fischer (li.) die Ausgabestelle.

Quelle: Thomas Kube

Grimma. Die Ausgabe der Lebensmittel ging nahtlos weiter. Seit 1. Juli obliegt einem neu gegründeten Verein die Tafel in Grimma, nachdem der Kreisverband Mulde/Collm der Arbeiterwohlfahrt (Awo), der die Bedürftigeneinrichtung 15 Jahre lang betrieb, vor allem aus personellen Gründen die Reißleine gezogen hatte (die LVZ berichtete). Mit sieben Gründungsmitgliedern, darunter die Städte Grimma und Trebsen und der bisherige Betreiber, startete der Verein mit der Tafel neu durch. Ein Motor im Boot ist das Bildungs- und Sozialwerk (BSW) Muldental, dessen Geschäftsführer Christian Kamprad (53) den Vorsitz des Vereins „Tafel Muldental“ übernahm.

Der nahtlose Übergang ist auch einem Glücksumstand zu verdanken. Von der Oschatzer Tafel konnte der 50-Jährige Sven Wittenberg nach Grimma wechseln, der das nötige Knowhow für diese anspruchsvolle Arbeit mitbringt. Ende Juli endete sein Angestelltenverhältnis in Oschatz, und an der Mulde tritt er nun in die Fußstapfen der langjährigen Tafel-Chefin Heidrun Henze-Fleihs. Beim Umbruch „sind wir von der Oschatzer Tafel unterstützt worden“, so Kamprad. Der Vorsitzende des dortigen Vereins, Joachim Rolke, ist auch Chef der Sächsischen Tafeln und steht den Grimmaern zur Seite. Im neuen Verein ist er Kamprads Stellvertreter.

Dennoch hat sich Kamprad alles etwas leichter vorgestellt. Gerade die personelle Besetzung zeichnet sich weiter als ein Kernproblem ab. „Es ist schwierig, geeignete Personen zu finden“, sagt er. Wittenberg sucht vor allem noch zwei bis drei Freiwillige mit Führerschein, die zeitlich ungebunden sind. Derzeit hat er vier ehrenamtliche Kraftfahrer für die vier Fahrzeuge. „Die Lieferanten rufen an, dann brauche ich jemand, der Gewehr bei Fuß steht.“ Jeden Tag sind von umliegenden Supermärkten und Direktvermarktern Waren abzuholen, und Wittenberg will verhindern, dass die Tür zu ihnen zuschlägt. Dank seiner Kontakte wurden auch schon drei neue große Spender akquiriert: Das Aldi-Großlager in Beucha, Frosta in Lommatzsch und das Kartoffellagerhaus Falkenhain. Die werden nunmehr wie die anderen rund 50 Lieferanten angefahren. Wittenberg steuert zudem regelmäßig die Lebensmittel-Bank des Tafel-Landesverbandes in Dresden an. „Das hilft für ein ausgewogenes Sortiment“, so der 50-jährige Thalheimer, der das Warenangebot ausbauen möchte.

So lange der neue Verein noch nicht rechtskräftig ist, hat das BSW Wittenberg unter Anstellung genommen. Er arbeitet momentan mit neun ehrenamtlichen Helfern und sieben Personen mit geförderter Beschäftigung. Auch hier sprang das BSW zunächst in die Bresche und kümmerte sich um fünf Ein-Euro-Jobber; zwei geförderte Frauen laufen über die Awo. Wenn der Verein im Vereinsregister steht, kann er entsprechende Anträge selbst stellen.

Kamprad, der allen Unterstützern dankt, möchte den Verein nach und nach auf breite Füße stellen. „Die Idee der Tafel funktioniert nur, wenn sie viele mittragen.“ Ihm liegt am Herzen, dass Lebensmittel nicht vernichtet werden und statt dessen Menschen erreichen, die sie sich kaum leisten können „und einen Anspruch darauf haben“. Etwa 100 000 Euro umfasst der jährliche Kostenaufwand der Tafel, die Hälfte davon decken die ausgegebenen Lebensmittel – für jeden Beutel nimmt der Verein vier Euro. Die andere Hälfte muss über geförderte Beschäftigung, Spenden und kommunale Zuschüsse erwirtschaftet werden.

Zuversichtlich ist Kamprad, dass die Stadt Colditz Mitglied im Verein wird. Wurzens Intensionen könne er momentan nicht einschätzen. Der Vereinschef sagt aber klipp und klar: „Wenn sich Kommunen nicht engagieren wollen, werden wir uns nicht aufdrängen.“ Eine klare Ansicht hat er auch zur Ausgabe der Lebensmittel: wohnortnah. „Ich könnte mir vorstellen, einmal in der Woche Ausgabestellen anzufahren und dafür zur besseren Planung ein Bestellsystem einzuführen“, sagt er mit Blick auf Colditz und Trebsen.

Zunächst gehe es aber darum, den Standort Grimma auszubauen und logistisch fit zu machen. Derzeit mietet die Tafel bei der Kök Kleinbardau Landwirtschafts GmbH eine Kühlhaus an – sechs Kilometer von Grimma entfernt. Dort lagern die meisten Lebensmittel, und das schafft zusätzliche Fahrtwege und damit Aufwand. Aus Sicht von Kamprad und Wittenberg macht es Sinn, die Ausgabe und Lagerung in Grimma zusammen zu führen. Als Standort wird derzeit der Prophetenberg geprüft, wo das BSW bereits einen Möbelfundus für kleines Geld öffnet. Der Umzug von der Gabelsberger Straße ist fürs Jahresende avisiert.

Wöchentlich mehr als 500 Personen nutzen die Tafel in Grimma, die Bedürftigkeit wird geprüft. „Wir rechnen aber damit, dass es mehr werden“, sagt Kamrad. Und: „Keiner muss sich dafür schämen.“ Gerade Rentner würden sich nicht trauen, zur Tafel zu gehen, sagt Wittenberg. Doch die Altersarmut werde in Zukunft auch die Tafel spüren.

Ausgabe in der Gabelsbergerstraße 5: Montag und Mittwoch von 14 bis 16 Uhr, Freitag von 14 bis 15.30 Uhr.

Von Frank Prenzel

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