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Grimma Mulde-Hochwasser: Die Natur hält sich an keine Statistik
Region Grimma Mulde-Hochwasser: Die Natur hält sich an keine Statistik
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16:11 19.05.2015

Fünf Jahre später wagte sich die Redaktion an einen Rückblick, arbeitete die Ereignisse der Jahrhundertflut, von einigen gar als Jahrtausendflut bezeichnet, noch einmal auf. Fünf Jahre waren Zeit genug gewesen, die Schäden zu beseitigen und die Wunden - nicht nur die körperlichen - heilen zu lassen. Die Kolleginnen und Kollegen, die an der Ausgabe mitarbeiteten, waren allesamt der Meinung, quasi einen journalistischen Schlussstrich unter ein einmaliges Ereignis ziehen zu können.

"Ich hätte Haus, Hof und Auto verwettet, dass ich so etwas nie wieder erleben würde", sagte einer von ihnen vor zwei Monaten. Zu jenem Zeitpunkt wusste er, dass er seine Wette verloren hätte. Denn die Mulde, der am schnellsten fließende Fluss Europas mit seinen Quellen und Zuflüssen im Erzgebirge, hatte sich nicht an Statistiken gehalten. Nur elf Jahre nach dem vermeintlichen Jahrhunderthochwasser hatte sie ihr Bett erneut in einem Ausmaß verlassen, das nur noch ein Wort als Beschreibung zuließ: Katastrophe. Wer geglaubt hatte, die alte Namensform "Milda" habe etwas damit zu tun, dass der Fluss milde mit seiner Umgebung und seinen Anliegern umgehen würde, sah sich gründlich getäuscht.

Die Fluten der Jahre 2002 und 2013 sind inzwischen eingeordnet. Die Fachleute sprechen bei der ersten Katastrophe von einem HQ 200 - einem Hochwasser, wie es statistisch alle 200 Jahre auftreten könnte. Bei Beginn der diesjährigen Flut schwankten die Prognosen zwischen einem HQ 100 - einem hundertjährigen Hochwasser - und einem HQ 200. Inzwischen spricht die Landestalsperrenverwaltung an er Vereinigten Mulde von einem HQ 100 plus 20 Zentimeter.

Diese Einschätzungen spielen eine Rolle für den künftigen Hochwasserschutz, den die Menschen an der Mulde zurecht fordern und herbeisehnen. Doch eines ist inzwischen allen klar geworden: Der Fluss, der die Region schön und sehenswert macht, der ihr seinen Namen gibt, ist derselbe Fluss, der sich nicht in Schubladen stecken lässt und der sich nicht an Statistiken hält.

2007 waren sich alle Menschen im Muldental mit den LVZ-Kolleginnen und -Kollegen einig. Niemand glaubte, dass sich eine Flutkatastrophe so schnell wiederholen könnte. Doch wie 2002 steht die Region auch 2013 vor einem Wiederaufbau. Die Vorzeichen allerdings haben sich verändert. Wie vor elf Jahren spielen Dinge wie Mut, Optimismus oder Solidarität eine große Rolle. Ohne sie geht es nicht. Die Lehre aber, die die Natur allen erteilt hat, die sie für beherrschbar hielten, sollte nicht vergessen werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.08.2013

Heinrich Lillie

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