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Muldental-Triathlon in Grimma: Härtetest für Sportler, Organisatoren und Helfer

Von Jedermann bis Profi Muldental-Triathlon in Grimma: Härtetest für Sportler, Organisatoren und Helfer

650 Starter beim 13. Muldental-Triathlon – ein Härtetest für Organisatoren, Kampfrichter und 250 Helfer. Am Sonntag ging es in Grimma einmal mehr turbulent zu – nicht nur auf Straßen und Plätzen, sondern auch in der Mulde. Von der Hängebrücke aus boten sich spektakuläre Blicke auf kraulende Athleten, der Prophetenberg wurde zum Scharfrichter für die Radrennfahrer.

Wechselzone: Die Frauen aus den Mannschaften der 1. Bundesliga stellen die Fahrräder ab und ziehen die Laufschuhe an
 

Quelle: Thomas Kube

Grimma.  3000 Quadratmeter Teppichboden, 2000 laufende Meter Absperrgitter, 1700 Liter Mineralwasser, 330 Kilogramm Obst, Bitburger 0,0 Prozent und – Babypuder, viel Babypuder. Das Anforderungsprofil an den Muldental-Triathlon liest sich wie die Bestellliste der Olsenbande. Und tatsächlich: Auf die Sekunde genau startet der Coup. Im schnellsten Fluss Europas. Gegen die Strömung. Gegen den Wind. Die Mulde brodelt! Zwar ist vom dänischen TV-Gaunertrio nichts zu sehen – dafür hüpft Landsmann Morten Clavilla fast so wild umher, als würde Egon, gerade frisch entlassen, die Gefängnisallee entlang stolzieren. Nur die Fahne fehlt. Umso lauter jubelt er seinem kraulenden Freund Lars Schmidt zu. Der ist eher ein langer Schlacks, alles andere als klein und dick. Dabei kommt er aus Holstebro, Jütland, wo es sonntags immer heißt: lecker Torte statt großer Worte.

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Mehr als turbulent ging es am Sonntag beim 13. Muldental-Triathlon in Grimma zu. Nicht nur auf Straßen und Plätzen, sondern auch in der Mulde. Von der Hängebrücke aus boten sich spektakuläre Blicke auf kraulende Athleten, der Prophetenberg wurde zum Scharfrichter für die Radrennfahrer. Die Veranstaltung mit 650 Teilnehmern, die Wettbewerbe um die Deutsche Meisterschaft im Sprint der Elite, in der 1. Bundesliga sowie für Jedermänner absolvierten, war ein Härtetest für Organisatoren, Kampfrichter und 250 Helfer.

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Babylonisches Sprachengewirr am Muldenufer: neben Dänisch auch Spanisch, Englisch, Bayerisch, Sächsisch und – Österreichisch: Martin Demuth aus der Alpenrepublik startete vor einer Woche noch beim World Cup in Yucatan in Mexiko. Nun ist er in Grimma dabei: 750 Meter schwimmen, 22 Kilometer Rad fahren, fünf Kilometer laufen. Die Welt zu Gast bei Freunden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. 250 (!) Helfer aus 15 Vereinen und drei Feuerwehren sind ganz für die Sportler da: Annett Lehmann und Silvia Pöschke von der Wasserwacht reichen den Schwimmern am Landesteg die Hand. Frank Oehmichen und Uwe Hofmann hüten die teuren Sportschuhe der Athleten wie ihren Augapfel. Tilo Urban chauffiert die Kampfrichter auf seinem Motorrad. Urban ist der Präsident der Grimmaer Kartoffelkäferbande.

„1958 war es. Grimmaer Motorsportfreunde feuerten auf der Halle-Saale-Schleife den Schweden Lennard Hedlund an. Der trug einen gelb-schwarz-gestreiften Sturzhelm, der wenig später auch in Grimma zum absoluten Markenzeichen wurde. Fortan waren wir die Kartoffelkäfer.“ War die aufsässige Bande früher der Schrecken eines jeden Volkspolizisten, so sichern inzwischen einige der 46 Vereinsmitglieder an der Seite der Polizei den Triathlon mit ab. Wie sich die Zeiten ändern. Im nächsten Jahr werden die Kartoffelkäfer 60 (!). Dann geben sich auch die zum Teil schon ausgeflogenen Gründungs-Käfer die Ehre: Peter Wüstneck, Klaus „Gustl“ Köhler, Holm Schirmer und andere.

Friedrich Endler hat zwei künstliche Hüftgelenke, Rückenprobleme und läuft an (Walking)-Stöcken. Für ihn noch lange kein Grund, auf dem Sofa zu liegen. „Ich hab’ so eine unheimliche Ehrfurcht vor den Triathleten – wie sie sich schinden, stöhnen, an ihre Grenzen gehen – fantastisch.“ Nirgendwo könne man das so gut sehen wie am Prophetenberg, an Grimmas steiler Wand. „Wenn die Radfahrer sich hier hoch kämpfen, erinnert mich das immer an die Friedensfahrt. Mir war es damals gelungen, ein Autogramm von Viktor Kapitonow zu erhaschen“, schwärmt der Grimmaer, der in Moskau studiert und in Grimmas sowjetischer Garnison gedolmetscht hatte.

Auch Steffen Jesche hält es nicht im Haus. In der Leipziger-/Ecke Weberstraße drückt er die Daumen, dass die Radrenner auch ja ordentlich die Kurve kriegen. Seine Freundin Yvonne, nicht zu verwechseln mit Kjelds geschwätziger gleichnamiger Frau aus den Olsenbandenfilmen, hat alle Hände voll zu tun. Zum einen beklatscht sie die Sportler, zum anderen muss sie ihre Mutter spritzen: „Sie ist Diabetikerin. Normalerweise kommt der Pflegdienst dreimal am Tag. Am Morgen ist er auch noch da gewesen. Mittags dann war kein Durchkommen mehr.“

Der verlorene Sohn ist wieder daheim! Franz-Georg Leidhold, der „Süd-Schwede“, der für Trizack Rostock startet. Nur von der Papierform her ist er Fischkopp, denn aufgewachsen ist der jetzt 17-Jährige in Grimma. Hier ging er bis zur siebten Klasse aufs Gymnasium, ehe er zunächst nach Leipzig und später zum Bundesstützpunkt nach Neubrandenburg wechselte. Bei seinem Heimtriathlon in Grimma ist er einer der Jüngsten. „Die anderen haben doppelt so dicke Oberschenkel, mir fehlt es da noch etwas an Watt“, sagt der Junge mit Augenzwinkern. Und doch kommt der begnadete Schwimmer als Dritter aus dem Wasser und gehört auf dem Rad lange zur sechsköpfigen Spitzengruppe. „Es war sehr hart, ich habe unterwegs ziemlich gelitten. Klar, die Konkurrenz ist mitunter 30 Jahre und älter, darunter Profis, das macht schon was aus.“ Nur gut, dass Franz-Georg von seinen Eltern und Geschwistern an der Strecke nach vorn gepeitscht wird.

650 Teilnehmer! Die Organisatoren Hans-Peter Bischoff, Matthias Vogel, Wolfgang Möller und all die anderen behalten die Übersicht. Bundeskampfrichter Karsten Pfuhl achtet darauf, dass beim Start niemand schummelt, im Wasser keiner abkürzt und sich keiner schlägt. Wie bitte? „Es ist ein ganz schönes Gewühl, da hast du schnell mal einen Fuß im Gesicht“, sagt Norman Fenske aus Berlin. „Gerade beim Start und an der Boje siehst du nur noch Badekappen. Man schwimmt zum Teil übereinander. Bei den vielen fliegenden Armen ist es wichtig, sich an den Beinen des Vordermanns zu orientieren und die Sogwirkung auszunutzen.“

Trotz eines Sturzes auf der Radstrecke sind im Ziel alle Athleten wohlauf. Der Torgauer Johannes Geiler hat sich nicht mal Blasen gelaufen. Dank Babypuder, mit dem er seine Schuhe von innen präparierte. Der Coup ist gelungen. Mächtig gewaltig. Statt wie Egon, Benny und Kjeld mit Carlsberg stoßen die Triathleten standesgemäß mit Sponsor Bitburger 0,0 Prozent an. Nur einige „Jedermänner“ scheinen untröstlich. Sie werden disqualifiziert, weil sie angeblich zu langsam sind und für die nachkommende Elite somit zur Gefahr werden. Selbst Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger wurde dabei vom Rad geholt und entsprechend verärgert.

Kommentar: Triathlon erstmals auch mit Verlierern

Im Flugzeug ist sie nicht vorhanden, die 13. Sitzreihe. Die Unglückszahl als schlechtes Omen auch für den 13. Mul- dental-Triathlon vom Wochenende? Leider ja. Denn sie warf einen Schatten auf den sonst so reibungslosen Ablauf.
Dabei gab es auch gestern in Grimma überwiegend Sonne: perfekte Organisation, zahlreiche freiwillige Helfer, optimale Wettkampfbedingungen. Die Teilnehmer aus ganz Deutschland und darüber hinaus kamen einmal mehr ins Schwärmen, lobten die Kompaktheit, die zahlreichen Zuschauer an der Strecke und als Alleinstellungsmerkmal das Schwimmen im Fluss.

Umso fragwürdiger die Entscheidung des Kampfrichters im Jedermann-Rennen, die Radstrecke noch während des laufenden Wettbewerbs zu sperren und weit über 50 Athleten kurzerhand rauszuwinken. Vermutlich sah er in den angeblich zu langsamen Akteuren eine Gefährdung für die zeitnah startende Elite. Das sorgte sowohl bei den Betroffenen, ihren Angehörigen, aber auch bei vielen Organisatoren für Unverständnis. Mit Recht. Das harte Training übers Jahr, der zum Teil lange Anfahrtsweg, die nicht unbeträchtlichen Startgebühren – alles für die Katz’.

Der Wettkampf war für die Leidtragenden abrupt zu Ende. Zwar durften sie noch auf die Laufstrecke gehen – reine Makulatur. In einer Sportart, in der es um Sekunden geht, war ein Vergleich mit befreundeten Konkurrenten nun nicht mehr möglich. In die Wertung kamen sie nicht, sie wurden disqualifiziert.

Bedauerlich für die Sportler, die vielen Helfer, für das gesamte Event, das ja gerade von der Begeisterung der Freizeitsportler lebt!

Von Haig Latchinian

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