Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Muldental in Fahrt – Leisenau auf Trab
Region Grimma Muldental in Fahrt – Leisenau auf Trab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:37 16.04.2018
Die Bushaltestelle am Ortsrand – direkt an der stark befahrenen Bundesstraße 107. Quelle: Foto: Frank Schmidt
Colditz/Leisenau

Das Modellprojekt „Muldental in Fahrt“ sorgt in Leisenau nicht gerade für Jubelstürme. Denn in dem Dorf zwischen Grimma und Colditz sind die Einwohner vor allem am Laufen. „In Fahrt“ und schnell auf 180 kommen sie, wenn sie verwundert fragen, weshalb ihre Bushaltestelle im Ortszentrum neuerdings nicht mehr bedient wird und sie stattdessen lange Wege bis an die Bundesstraße in Kauf nehmen müssen.

Joachim Berger war jahrelang Ortsvorsteher, Gemeinde- und Stadtrat. Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, warum die Leisenauer fortan bis zu den Bushaltestellen an der B 107 pilgern sollen: „Wir haben direkt im Ort eine gut ausgebaute zentrale Haltestelle. Die kann von beiden Seiten angefahren werden, und es gibt eine Wendeschleife. Radius, Borde, Einstiegshöhe – alles topp.“ Berger sagt, was viele im Ort denken: „Die Neuregelung ist für uns kein Fortschritt, sondern ein Schritt in die falsche Richtung.“

Berger: Weite Wege und gefährliche Zustände

Berger verweist nicht nur auf weite Wege, sondern vor allem auf die seiner Meinung nach gefährlichen Zustände: „Wer den Bus in Richtung Colditz nehmen möchte oder aus Richtung Grimma ankommt, muss die Bundesstraße queren. Dürfen wir das den Schulkindern und älteren Menschen wirklich zumuten?“ Es sei ein Wunder, dass noch nichts Schlimmes passiert ist – gerade in der Dämmerung oder im Winter. Nicht selten, so Berger, schieben Räumfahrzeuge den Schnee bis auf den Fußweg, wodurch es noch mal unübersichtlicher werde.

Regionalbus Leipzig: Schlenker ins Dorf kostet zu viel Zeit

Thomas Fröhner, Pressesprecher von Regionalbus Leipzig, kennt das Problem. Die überdachten Haltestellen an der Hauptstraße lägen zwar nicht gerade optimal, seien aber mit Buchten versehen. Dennoch könne er verstehen, dass sich mancher wundere, warum die Haltestelle direkt im Ort nicht mehr angefahren werde. Jedenfalls nicht, um die Fahrgäste unnütz auf Trab zu halten, so Fröhner: „Den Schlenker von der B 107 rein ins Dorf können wir uns schlichtweg nicht mehr leisten. Die drei bis vier Minuten, die wir dafür bräuchten, würden der Buslinie 619 fehlen, um sämtliche Anschlüsse zu schaffen. Es handelt sich um ein Gesamtsystem, das straff organisiert ist und auch mit der Bahn getaktet ist.“ Man könne in die Beziehungen nicht willkürlich eingreifen, weil Pendler auf reibungslose Umstiege angewiesen seien, die dann gefährdet wären: „Wenn man irgendwo einen Baustein rausnimmt, bricht alles zusammen – ein Effekt wie beim Domino.“ Fröhner verweist auf eine ähnliche Problemlage in Threna. Nach Elternprotesten und mehreren LVZ-Artikeln fährt der Linienbus dort zwar auch weiter nicht ins Dorfinnere, zumindest aber werden nun die Schulkinder per Zubringer zur Haltestelle an die Staatsstraße chauffiert.

Bürgermeister bittet um Geduld

Der Colditzer Bürgermeister Matthias Schmiedel (parteilos) bittet die Leisenauer noch um etwas Geduld. Er sei sich sicher, dass die Zentralhaltestelle im Ort schon ab Mitte oder Ende 2019 wieder mit genutzt werde: „Dann gibt’s die dritte Stufe von ,Muldental in Fahrt’. Also zusätzliche Stadtbusse, die alle zwei Stunden aus den Ortsteilen direkt ins Zentrum von Colditz fahren.“ Schmiedel geht davon aus, dass für diesen Fall alle drei Haltestellen zwingend gebraucht würden. Überhaupt stehe er „Muldental in Fahrt“ aufgeschlossen gegenüber: Gerade ältere, nicht motorisierte Menschen müssten so perspektivisch nicht zwingend ins Pflegeheim, würden weiter mobil bleiben.

Von Haig Latchinian

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Fortgesetzt wurde am Donnerstag am Amtsgericht Grimma die Bußgeldsache gegen den früheren Großbardauer Landwirt Arnd Viehweg. Vor leeren Rängen verlas Richter Malte Fischer beim sogenannten Schiebetermin Schriftstücke des 67-jährigen Betroffenen. Dem wird vorgeworfen Kontrolleure vor die Tür gesetzt zu haben.

12.04.2018

Bei einem Auffahrunfall auf der Wurzener Straße in Grimma sind am Donnerstagnachmittag zwei Menschen verletzt worden. Die wichtige Ortsdurchfahrt musste zeitweise voll gesperrt werden. Es kam zu langen Staus.

12.04.2018

Krankheitsbedingt musste das Alte Kranwerk Naunhhof sein diesjähriges Programm etwas abspecken. Die Saison startet am Sonntag mit der Landparty. Höhepunkt soll im Juli das erste Internationale Bandoneonfestival werden.

15.04.2018