Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma „Muldental in Fahrt“ beschert mehr Verbindungen und Haltestellen
Region Grimma „Muldental in Fahrt“ beschert mehr Verbindungen und Haltestellen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:33 09.08.2017
Im Muldental rollen Busse jetzt öfter, bis in den Abend, an Wochenenden und in den Ferien: Fürs sachsenweite Modellprojekt fällt der Startschuss auf Grimmas Markt. Quelle: Thomas Kube
Anzeige
Landkreis Leipzig

Zum Quantensprung in Sachen Nahverkehr holt die östliche Landkreis-Region aus. Statt den öffentlichen Nahverkehr auszudünnen, bringt das Projekt „Muldental in Fahrt“ seit Wochenbeginn ein verbessertes ÖPNV-Angebot für rund 100 000 Einwohner mit sich. Bislang waren die Offerten hauptsächlich auf den Schülerverkehr ausgerichtet, ließen damit viele Nutzergruppen wie Senioren, Berufstätige, Einkäufer und Touristen außen vor. Rund um die Kernstädte Grimma, Bad Lausick, Colditz und Brandis soll sich das nun gravierend ändern. „Ein dichtes Netz an Haltestellen und Busverbindungen soll die Bürger zum Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr animieren“, wünscht sich Steffen Lehmann, Geschäftsführer des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) als einer der Initiatoren.

Bereits im Dezember waren die ersten vier Linien an den Start gegangen. Mit dem Fahrplanwechsel am 7. August fiel der Startschuss für die nächste Projektstufe. Zusätzliche Fahrten abends und an den Wochenenden stehen nun im Fahrplan. Außerdem wurde die Anbindung an die Bahn optimiert. Statt bisher sechs Plus-Busse rollen nunmehr zwölf. Fast 60 Orte werden im Taktverkehr angebunden – doppelt so viele wie bislang. Weiterer Vorteil: Auch in den Ferien ist jetzt für Anschluss gesorgt.

Berger: Projekt wirklich Paradigmenwechsel

„In der Politik ist oft von Paradigmenwechsel und Nachhaltigkeit die Rede“, betonte der Grimmaer Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) zum offiziellen Projektstart am Dienstag. „Auf ,Muldental in Fahrt‘ treffen diese Begriffe wirklich zu.“ Berger gehört zu den Bürgermeistern, denen zum Auftakt vielfach Lob für ihren Mut und ihr Mitwirken gezollt wurde. Ebenso wie alle anderen Projektbeteiligten – angefangen von Landkreis über MDV bis hin zu Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig und Freistaat – einte die Protagonisten die Überzeugung, dass sie etwas wirklich Neues wagen wollen.

Beim offiziellen Projektstart in Grimma wird das sächsische Vorzeigevorhaben erläutert. Quelle: Thomas Kube

Aus berufenem Munde gab es dafür am Dienstag in Grimma viel Anerkennung. Professor Heiner Monheim, deutschlandweit anerkannter Verkehrsexperte, attestierte den Akteuren, auf dem richtigen Weg zu sein. „Was Sie hier machen, sucht seinesgleichen“, so der Bonner Forscher. Monheim ist kein Autofreund, plädiert seit Jahren für vernetzte Systeme, die alle Verkehrsarten intelligent verknüpfen. Und genau darum geht es bei „Muldental in Fahrt“.

Integraler Taktfahrplan ist das Herzstück

Als Schlüssel zum Erfolg gilt ein sogenannter Integraler Taktfahrplan. Dieser stimmt die Fahrzeiten der Busse aufeinander ab, statt jede Linie einzeln zu planen. Charakteristisch ist, dass das Umsteigen nicht nur an einer zentralen Haltestelle, sondern an möglichst vielen Knotenpunkten stattfindet und so immer wieder Anschluss in möglichst viele Richtungen besteht. Deshalb war es auch eine Mammutaufgabe, die Voraussetzungen für die zweite Projektstufe zu schaffen. Nicht nur neue Busse mussten gekauft werden. „Insgesamt haben wir 66 neue Haltestellen installiert, sodass sich deren Zahl auf inzwischen 336 erhöht hat“, erklärte Andreas Kultscher, Geschäftsführer der Regionalbus Leipzig GmbH. Nicht ganz leicht sei es außerdem gewesen, auf dem aktuellen Arbeitsmarkt 30 neue Busfahrer zu finden. „Insgesamt“, so Kultscher, „wird sich die Verkehrsleistung im Projektgebiet um 25 Prozent erhöhen.“ 18 barrierefreie Busse helfen, die zusätzlichen Kilometer zu bewältigen.

Dass nicht alles auf Anhieb reibungslos funktioniert, sei den Beteiligten bewusst, hieß es. Laut MDV-Chef Lehmann hatten sie sich bereits am Montag zu einer ersten Manöverkritik getroffen. Berger appellierte, Zweiflern und Skeptikern mit Informationen zu begegnen. „Vieles ist neu und ungewohnt, deshalb werden wir auch erst einmal ausgeschimpft.“ Aber das müsse man jetzt aushalten, eventuell nachbessern und sich bewusst sein, so Berger: „Mit der Einführung des neuen Taktfahrplanes ist nur ein erster Schritt auf einem unglaublich langen Weg getan.“

Von Simone Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ernst Schock war der erste Beigeordnete im Altkreis Grimma nach der politischen Wende. Der Mann, der damals an der Seite von Alt-Landrat Gerhard Gey gestanden hatte, starb Ende Juli im Alter von 76 Jahren und wird nicht nur wegen seiner Verdienste vielen in guter Erinnerung bleiben.

08.08.2017

Die Luft brennt in Walzig. Mehrere Grundeigentümer fühlen sich kalt enteignet durch einen Beschluss des Stadtrats. Zur Wut gesellt sich alter Frust, aber auch Resignation. Im Rathaus hingegen wird die ganze Aufregung nicht verstanden.

11.08.2017

Die Launzige wird naturnah von der Stadt Grimma umgestaltet. Das dient zum einen der Pflege des Gewässers aber auch des Hochwasserschutzes. Am Mittwoch geht es am Mutzschener Wasser weiter. Es erfolgt der Spatenstich für eine neue Brücke, um den Durchfluss des Gewässers zu vergrößern.

11.08.2017
Anzeige