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Muldental in Fahrt bremst Belgershainer Schüler aus

Massiver Elternprotest Muldental in Fahrt bremst Belgershainer Schüler aus

Während andernorts dem Modellprojekt „Muldental in Fahrt“ hoffnungsvoll entgegengeblickt wird, dringt aus Belgershain vor allem eine Emotion nach außen: Frust. Eltern, die ihre Sprösslinge nach Großbardau in die Schule schicken, schaudert vor dem neuen Busfahrplan, der am Montag in Kraft tritt. Massiver Protest steht ins Haus.

In Sicherheit: Erst die Threnaer Bushaltestelle ist gepflastert und bietet Schutz vor dem Verkehr auf der Staatsstraße und der Seitenstraße nach Belgershain.

Quelle: Thomas Kube

Belgershain. Während andernorts dem Modellprojekt „Muldental in Fahrt“ hoffnungsvoll entgegengeblickt wird, dringt aus Belgershain vor allem eine Emotion nach außen: Frust. Eltern, die ihre Sprösslinge nach Großbardau in die Schule schicken, schaudert vor dem neuen Busfahrplan, der am Montag in Kraft tritt. Massiver Protest steht ins Haus.

Marc Lößners Kinder besuchen das Evangelische Schulzentrum Großbardau, die Direktverbindung dorthin entfällt aber. Als Ersatz, so erklärt er, startet ein Bus künftig 6.28 Uhr in Belgershain und erreicht Otterwisch 6.46 Uhr. Dort müssten die Kinder 39 Minuten warten, bis sie der nächste Bus nach Großbardau bringe. „Bei Wind und Wetter werden sie an der Straße stehen. Wer übernimmt da die Verantwortung?“, macht er seinem Ärger Luft.

Auf Nachfrage der LVZ bietet Brigitte Laux vom Landratsamt eine Alternative an. Demnach sollen die Belgershainer Kinder 6.58 Uhr mit dem Zug nach Bad Lausick fahren und dort acht Minuten nach Ankunft den Bus in Richtung Großbardau nehmen. Für Lößner ein Unding. „Die Erfahrung zeigt, dass der Zug öfter ausfällt. Es kommt auch zu Verspätungen; wenn dann der Bus in Bad Lausick nicht wartet, stehen die Kinder dort“, argwöhnt er und nennt noch ein grundsätzliches Argument: „Wir reden auch über Erstklässler, diese können nicht unbeaufsichtigt an der Bahnsteigkante stehen!“

Am Nachmittag existiert zwar eine Direktverbindung zurück nach Belgershain, die 14.25 Uhr in Großbardau startet. Doch diese können die Kinder unmöglich erreichen, weil der Unterricht erst 14.20 Uhr endet. Laux offeriert hier ebenfalls eine Bus-Zug-Kombination über Bad Lausick. Aber diese kommt noch weniger in Frage, weil die Kinder sogar drei Minuten eher einsteigen müssten.

Im Falle eines früheren Schulschlusses, so Lößner, gebe es überhaupt keine Verbindung. Und später am Nachmittag fahre eine ganz andere Linie nach Kleinbardau, wo die Kinder den Bus nach Belgershain nehmen könnten. Eine weitere Variante, die sich die Kleinen dann auch noch merken müssten. Lößner ist entsetzt: „Man bekommt hier ganz schnell das Gefühl, dass zu Gunsten eines scheinbar besseren Netzes die Möglichkeiten der günstigen und effektiven Schülerbeförderung eingeschränkt wurden“, kritisiert er. Die 30 Kinder aus der Gemeinde, die im Großbardauer Schulzentrum unterrichtet werden, würden deutlich schlechter gestellt.

Zehn davon kommen aus dem Ortsteil Threna, wo der Schuh an anderer Stelle drückt. Bisher nahmen sie den Bus, der an der wenig befahrenen Dorfstraße hielt, nach Belgershain, von wo aus es weiter nach Großbardau ging. Ab Montag müssen sie raus auf die Staatsstraße mit ihrem Schwerlastverkehr. Dort hält der Bus nach Grimma, dem neuen Umsteigeort.

Das Problem dabei: Die Mädchen und Jungen sollen den sicheren Threnaer Ortskern zu Fuß verlassen. „Sie müssen die viel befahrene S 36 überqueren, aber es gibt weder Überweg oder Ampel, noch einen Bürgersteig, auf dem sie dann entlang der Staatsstraße bis zur Bushaltestelle gehen könnten“, beschreibt Frank Zimmermann die Situation. „Bisher betraf dieser Weg nur Gymnasiasten, aber jetzt auch Grundschüler“, fügt der Vater an.

Zuständig für den Ausbau der Ortsdurchfahrt ist das Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Pressesprecherin Isabell Siebert kennt die Kritik an deren Zustand schon, kann aber keine Neuigkeiten verkünden. Das heißt, eine Sanierung sei erst mittelfristig geplant, einen Termin gebe es noch nicht. Der Gemeinde stehe es frei, vorher auf eigene Kosten einen Bürgersteig zu bauen. Bis dahin könnten die Kinder jene Straßenseite benutzen, auf der durch eine weiße Linie die Fahrbahn abgegrenzt ist. Lößner, der für die Belgershainer Initiative im Gemeinderat sitzt, dazu: „Das kennen wir schon, die Verantwortung soll auf die Kommune abgeschoben werden. Der Bau eines Bürgersteigs macht nur Sinn in Verbindung mit der Straßensanierung.“

Angesichts der Veränderungen rät Laux allen Eltern, die Kinder anfangs zu den Bussen zu bringen. An den Umsteigepunkten würden in der Einführungsphasen Lotsen eingesetzt. Befriedigt sind die Eltern von solchen Botschaften nicht. „Das Landratsamt schickte uns nach der Kritik nur standardisierte Briefe“, so Lößner. „Jetzt wenden wir uns an die Bildungsagentur, das Kultusministerium und die Landtagsabgeordneten.“

Von Frank Pfeifer

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