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Muldental nimmt Fahrt auf: Mehr Busse und 100 neue Haltestellen

Modellprojekt Muldental nimmt Fahrt auf: Mehr Busse und 100 neue Haltestellen

Alles einsteigen heißt es bald im Muldental. In den Städten Grimma, Bad Lausick, Brandis und Colditz sollen bessere Busverbindungen die Leute zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr bewegen. Rund 100 000 Einwohner sollen von attraktiveren Verbindungen und einem engmaschigen Haltestellennetz profitieren. Der Kreistag gab dafür grünes Licht.

Nach über zwei Jahren Vorbereitungszeit wird der öffentliche Personennahverkehr im Muldental umgekrempelt. Ein dichtes Haltestellennetz, ein enger Takt und moderne Fahrzeuge, die das kreiseigene Busunternehmen am Donnerstag vorstellte, gelten als Schlüssel zum Erfolg.

Quelle: Andreas Döring

Grimma/Bad Lausick/Brandis/Colditz. Bislang waren es Planspiele, jetzt wird das Projekt „Muldental in Fahrt“ Realität. In den Städten Grimma, Bad Lausick, Colditz und Brandis soll im Rahmen eines Modellvorhabens ein dichtes Netz an Haltestellen und Busverbindungen realisiert und damit mehr Menschen zum Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr animiert werden. Der Kreistag gab auf seiner Sitzung am Mittwochabend im Bornaer Stadtkulturhaus dafür einstimmig grünes Licht. Bereits ab 11. Dezember werden die ersten Bausteine des Konzepts umgesetzt: Vier Regionalbuslinien gehen dann in den Projektkommunen an den Start. Ab August 2017 folgt dann die Umsetzung des sogenannten Integralen Taktfahrplanes in der gesamten Modellregion. Dafür wurde das gesamte Liniennetz überarbeitet, so dass die Busse teilweise im Stundentakt, bis in den Abend oder an Wochenenden rollen.

„Mobilität ist ausschlaggebend, um Wohnbau und Gewerbeentwicklung in der Region voranzubringen“, erklärte Landrat Henry Graichen (CDU). Die Segnungen des mitteldeutschen S-Bahn-Netzes könnten durch eine kluge Verknüpfung von Bus und Bahn jetzt auch in die Fläche getragen werden. Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) warb als einer der Nutznießer des Projektes darum, „lokale Egoismen“ zurückzustellen. Er bat auch Kreisräte aus Kommunen, die derzeit noch nicht von einem dichteren Busnetz profitieren, um ihre Zustimmung. „Politisch sind im öffentlichen Personennahverkehr viele Fehler gemacht worden.“ Mit „Muldental in Fahrt“ liege ein innovativer Ansatz vor, so der Grimmaer OBM. „Wer es mit Bekundungen zur Stärkung des ländlichen Raumens ernst meint, kann nicht anders, als dieses Vorhaben zu unterstützen.“

Initiator ist der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV), der mit dem Landkreis, der kreiseigenen Regionalbus GmbH und dem Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) Neuland betreten will. „Bislang war der ÖPNV auf Schüler ausgerichtet, viele andere Gruppen wurden außen vor gelassen“, konstatierte SPD-Fraktionschef Karsten Schütze. Mit „Muldental in Fahrt“ vollziehe man einen Paradigmenwechsel. Zugleich gab er seiner Hoffnung Ausdruck, dass das Testprojekt der Auftakt für Verbesserungen im gesamten Landkreis sein möge.

Für die Christdemokraten sicherte deren Fraktionschef Maik Kunze die Unterstützung der CDU zu. Der Groitzscher Bürgermeister gab jedoch zu bedenken, dass andere Kreis-Regionen möglichst zügig folgen sollten. „Zudem dürfen die Ticket-Preise die Kunden nicht überfordern.“

Weitere Beschlüsse im Kreistag

Auf seiner Sitzung im Bornaer Stadtkulturhaus fasste der Kreistag unter anderem folgende weitere Beschlüsse:

• Holger Pethke heißt der neue Leiter des Kultusamtes. Der gebürtige Meißner wird am 1. November seine neue Tätigkeit im Landratsamt antreten. Der 52-Jährige war zuletzt Jugendamtsleiter in Duisburg.

• Ein ständiger Beirat soll sich künftig für die Themen Brand- und Katastrophenschutz sowie Rettungsdienst verantwortlich fühlen. Der Landrat und der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes gehören dem Gremium als geborene Mitglieder an, außerdem je ein Vertreter aller Fraktionen, vier Stadt- und Gemeindewehrleiter und vier Bürgermeister des Sächsischen Städte- und Gemeindetages (SSG).

• Eine Änderung der Geschäftskreise im Landratsamt wurde ebenfalls abgesegnet. Das Amt für Kreisentwicklung wird in die Stabsstelle Wirtschaftsförderung/Kreisentwicklung gewandelt. Das Amt für Abfallwirtschaft wird zum 1. Oktober aufgelöst. Die Aufgaben gehen auf die Kell (Kommunalentsorgung Landkreis Leipzig) über. Damit verbunden ist auch die Bestellung des bisherigen Abteilungsleiters des Abfallwirtschaftsamtes, Jens Meissner, zum zweiten Geschäftsführer der Kell.

• Eine Umbesetzung gibt es im Kreisseniorenbeirat. Die Kreisarbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege entsendet ab 1. Januar 2017 Elke Pohl in das Gremium. Irmtraud Wien scheidet dafür aus .

Quasi noch in letzter Minute war die Kreisumlage als Geldquelle ausgeschieden, was den Fraktionen die uneingeschränkte Zustimmung erleichtert haben dürfte. Nunmehr schultert der ZVNL die Finanzierung der zusätzlichen Buskilometer in den nächsten zwei Jahren. Für 2017 signalisierte die Regionalbus GmbH einen Zuschussbedarf von knapp 900 000 Euro und für 2018 von rund 1,4 Millionen Euro. Ein Umstand, der Enrico Stange den Finger in den Wunde legen ließ: „Koalitionsveränderungen in Dresden“, gab der Landtagsabgeordnete der Linkspartei zu bedenken, „könnten uns unter Umständen die Ausfinanzierung erschweren.“ Zudem werde der ZVNL auf Grund seiner finanziellen Ausstattung von den anderen sächsischen Verkehrsverbünden bereits „kritisch beäugt“.

Langfristiges Anliegen sei, durch eine deutliche Steigerung der Fahrgastzahlen auch die Wirtschaftlichkeit der Linien zu verbessern, unterstrich Andreas Kultscher, Geschäftsführer der Regionalbus Leipzig GmbH. Steffen Lehmann, Geschäftsführer des MDV, hob noch einmal den Modellcharakter hervor. „Im Muldental werden rund 100 000 Menschen von den neuen Linien profitieren.“ Die Region nehme damit eine Vorreiterrolle in ganz Sachsen sein.

Gezieltes Marketing soll das Angebot in den nächsten Wochen publik machen. „Außerdem werden als nächster Schritt rund 100 neue Haltestellen ausgewiesen“, so Lehmann. Grünes Licht gab es bereits für die Erweiterung der Fahrzeugflotte. Für rund 2,7 Millionen Euro wird die Regionalbus elf neue Niederflurbusse anschaffen, um die zusätzlichen Fahrten erbringen zu können. Was Andreas Kultscher derzeit allerdings noch vor eine besondere Herausforderung stellt. „Für die Fahrzeuge brauchen wir noch Personal, das dringend gesucht wird.“

Von Simone Prenzel

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