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Muldentaldreieck - Projekt für mehr Nahverkehr

Muldentaldreieck - Projekt für mehr Nahverkehr

Der Öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) steht vor großen Herausforderungen. Das wissen auch die Verantwortlichen im Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV) und haben sich deshalb einen Strategieprozess verordnet.

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Eine einsame Haltestelle in Großbothen: Davon soll es im sogenannten Muldentaldreieck deutlich mehr geben, um das Angebot für Kunden zu verbessern.

Quelle: Andreas Röse

Muldental. Wie sieht die Zukunft der Mobilität in Mitteldeutschland 2025 aus? So lautet die Frage, um die es dabei geht. Die Antwort wird auch im Muldental gesucht, genauer: in einem als Muldentaldreieck bezeichneten Projektgebiet. Ende nächsten Jahres soll sie vorliegen - und als Ergebnis soll ein deutlich verbessertes Angebot für diese Region stehen.

Grimma, Colditz, Bad Lausick und Brandis, das sind die vier Städte, die das Dreieck des Projektgebietes bilden. Was dort geplant ist, machte MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann im Gespräch mit der LVZ in einem Satz deutlich: "Wir wollen dichter ran an die Bevölkerung." Ein ganz wesentlicher Punkt dabei: Die Zahl der Haltestellen soll steigen.

Diese Erkenntnis basiere nicht auf Zufall, erklärte Andreas Kultscher, Geschäftsführer der kreiseigenen Personenverkehrsgesellschaft Muldental (PVM). Vorausgegangen seien intensive Analysen. Regionale Strukturen, das aktuelle Verkehrsangebot oder Schülerkurven seien unter die Lupe genommen worden. Es waren Zahlen, die den Verantwortlichen zu denken gaben. "Schülerinnen und Schüler machen über 80 Prozent unserer Fahrgäste aus", so Kultscher, "sie repräsentieren aber nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung." Daraus folge zwangsläufig, dass 85 Prozent der Menschen im Muldental die Angebote des ÖPNV nur in geringem Maße annehmen würden. Hier liege offenbar großes Potenzial brach.

Das Ungleichgewicht macht sich auch bei den Finanzen bemerkbar. Insgesamt fördere der Landkreis den Öffentlichen Personennahverkehr jährlich mit etwa 13 Millionen Euro, nannte Kultusamtsleiterin Ines Lüpfert Eckdaten, "davon fünf Millionen Euro für den Schülerverkehr."

Dass dieser Markt mit geeigneten Angeboten durchaus erfolgreich bearbeitet werden könne, dafür nannte Lehmann die Region Templin in der Uckermark als positives Beispiel. Und dann wurde Ron Böhme, Fachbereichsleiter für Verkehrsplanung beim MDV, konkret: "Kennen Sie jemanden, der sein Auto 800 Meter vom Haus entfernt parkt?" "Oder können Sie sich vorstellen, dass eine ältere Dame erst drei Runden um den Sportplatz dreht, bevor sie in den Bus einsteigen kann?", fügte Lehmann hinzu. 30 Prozent aller Wege, die am Tage zurückgelegt würden, seien zwischen 400 Metern und zwei Kilometern lang, 25 Prozent aller Autofahrten seien unter zwei Kilometer lang. Auf diese Situation müsse der ÖPNV reagieren. "Wenn wir die Region nicht feiner erschließen und mehr Haltestellen einrichten, lassen wir die Chance auf weitere Zielgruppen ungenutzt", so der MDV-Geschäftsführer.

Dass kürzere Haltestellen eine echte Chance bieten, bestätigte PVM-Prokurist Joachim Klaas. Er gab aber auch Lehmann Recht, der geäußert hatte, dass Templin einen langen Atem bewiesen habe. "Wir haben vor vier Jahren in Grimma die Haltestellen neu geordnet, jetzt zahlt es sich aus."

Dass die Herausforderungen in jeder Hinsicht groß sind, wissen die Verantwortlichen von MDV, PVM und aus dem Landratsamt. Die Leistungen sollen besser werden, aber das Budget muss reichen. Was fast unmöglich klingt, sehen Lehmann, Kultscher und Co. als Herausforderung. Ein besseres Angebot bringt eine höhere Akzeptanz, davon haben Bürger und Verkehrsbetreiber etwas, lautet ihre Einstellung. Und dann leihen sie sich einen Werbeslogan aus: "Wir machen den Weg frei."

 

 

Nahverkehr in Zahlen

 

 

3,4 Wege legt jeder Deutsche durchschnittlich am Tag zurück, davon nur 20 Prozent für Arbeit und Ausbildung, aber 32 Prozent zu Freizeit- und 21 Prozent zu Einkaufszwecken.

Der durchschnittliche Haltestellenabstand im Bereich des MDV beträgt 1,4 Kilometer.

Ein Viertel aller Pkw-Fahrten ist kürzer als zwei Kilometer. Der MDV-Nahverkehr wird auf derartigen Streckenlängen nur von elf Prozent der Bevölkerung genutzt.

Der Nettolohn stieg von 2000 bis 2011 um 17 Prozent, der Preis für einen Pkw um 27 Prozent. Musste man 1990 im Schnitt 12,7 Monate für einen durchschnittlichen Neuwagen arbeiten, so waren es 2011 schon 15,7 Monate.

Obwohl die Bevölkerung im MDV-Gebiet - aktuell etwa 1,8 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 8000 Quadratkilometern - von 2001 bis 2011 um vier Prozent und die Zahl der beförderten Schüler um 33 Prozent fiel, stieg die Zahl der Fahrgäste um zwölf Prozent. Die Tariferlöse kletterten sogar um 60 Prozent.

 

 

www.mdv.de; www.pvm-mtl.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.08.2014
Heinrich Lillie

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