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Grimma Muldentaler Persönlichkeiten schildern in der Frauenkirche ihre Erinnerungen an den Herbst ‘89
Region Grimma Muldentaler Persönlichkeiten schildern in der Frauenkirche ihre Erinnerungen an den Herbst ‘89
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15:16 13.10.2009
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Grimma

Den Rahmen dafür bot die Ausstellung „Im Land der Mulde“ von Gerhard Weber.

Während in Leipzig zeitgleich noch einmal Zehntausende auf den Spuren der friedlichen Revolutionäre über den innerstädtischen Ring zogen, fiel das Gedenken an die ereignisreichen Tage im Herbst 89 in der Muldestadt eine ganze Nummer kleiner aus. Gerade mal rund 50 Leute hatten den Weg in die Frauenkirche gefunden, um hier den Erinnerungen von Gerhard Weber, Ex-GGI-Chef Hubertus Letzner, Denkmalschmiede-Leiter Uwe Andrich, Landrat Gerhard Gey, des langjährigen Grimmaer Stadtrates Hans Winkler sowie des ehemaligen Grimmaer Pfarrers und Bürgermeisters Hans-Henning Rößler zu lauschen.

Einen Bogen in die Messestadt schlug indes gleich zu Beginn des Wende-Forums Moderator Hans-Dieter Tschiche, der darauf hinwies, dass die DDR trotz der unblutigen Revolution keineswegs ein Volk von Helden gewesen sei. „Es waren einige wenige Menschen, die das Saatgut der friedlichen Revolution in die Erde einbrachten“, formulierte es der Ex-Schulleiter bildhaft. Daran anknüpfend erinnerte auch Hans Winkler, dass es abgesehen von den vielen Tausend Demonstranten in Leipzig in den kleineren Städten nur einige wenige Mutige gewesen seien, die sich vor den Wende-Karren gespannt hätten. „Als Lutz Simmler und Hans-Henning Rößler in Grimma die ersten Friedensgebete durchführten, haben sich viele noch im Hintergrund gehalten, die heute verantwortliche Posten innehaben“, erinnert sich das Grimmaer CDU-Urgestein.

Für den damaligen Pfarrer war das erste Grimmaer Friedensgebet am 16. Oktober indes nur eine logische Fortsetzung seines bisherigen Wirkens, gehörte Rößler doch bereits vor dem Herbst 89 einer Umweltgruppe an. „Das erste Friedensgebet in Leipzig am 4. September war für mich ein unvergessliches Erlebnis“, so Hans-Henning Rößler, der sich noch sehr gut an die „ungeheure Sehnsucht nach Freiheit“ erinnern könne, die bei den teilnehmenden Menschen zu spüren gewesen sei. „Die aus den gleichen Gedanken erwachsene Solidarität konnte ich damals fast körperlich spüren.“ Tief bewegt beim Eintauchen in die Erinnerungen an die Ereignisse von vor 20 Jahren zeigte sich auch Gerhard Weber. „Ich habe diese Tage und Wochen als Fotograf ganz unmittelbar und intensiv begleitet, und ich betrachte es als eines der größten Geschenke in meinem Leben, diese Revolution noch miterlebt zu haben.“

Ein ganzes Stück nüchterner und mit dem Blick des Wirtschaftsfachmannes schaute derweil Hubertus Letzner auf den Herbst 89 zurück. „Ich musste dienstlich einige Analysen zur DDR-Wirtschaft machen. Spätestens diese Ergebnisse haben mir signalisiert, dass schnell etwas passieren musste.“

Roger Dietze

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