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Muldentaler Tierarzt Martin Enderlein mit 46 Jahren gestorben

Trauer in Naunhof Muldentaler Tierarzt Martin Enderlein mit 46 Jahren gestorben

Er gehörte zu Deutschlands namhaftesten Tierärzten: Dieser Tage starb Martin Enderlein im Alter von 46 Jahren. Er hinterlässt Partnerin Aniko, die Kinder Richard (16), Georg (10) und Martha (1) sowie seine Mutter Maja. Die Trauerfeier findet am 26. Februar auf dem Alten Friedhof in Naunhof statt.

Mit der Sanierung der Naunhofer Schlossmühle wollte Martin Enderlein Akzente setzen. (Archivfoto)
 

Quelle: Roger Dietze

Naunhof.  „Wir schaffen das!“ Sein nahezu euphorischer Optimismus war ansteckend. 99 Prozent reichten ihm nie. Er hatte ein Ziel vor Augen, ging den oft beschwerlichen Weg, setzte jeden Tag neue Meilensteine – und lachte. Ja, er lachte oft und gern. Umso größer die Fassungslosigkeit bei Familie und Freunden, Kollegen und Kunden. Plötzlich und unerwartet brach der bekannte und beliebte Naunhofer Tierarzt Martin Enderlein zusammen und war sofort tot. Mit nur 46 Jahren. Er hinterlässt seine Lebensgefährtin Aniko, die Kinder Richard (16), Georg (10) und Martha (1) sowie seine Mutter Maja.

 Der Ur-Naunhofer führte in der Mühlgasse nicht etwa eine Praxis allein mit Wurmkur, Impfungen und Krallenschneiden. Tierfreunde aus ganz Deutschland wurden zu ihm und seinen zehn Mitarbeitern überwiesen. Kein Wunder: Das moderne Haus mit chirurgisch-orthopädischem Schwerpunkt legte von Anfang an Wert auf neueste Behandlungsmethoden. Die Kollegen, allen voran der Chef selbst, bildeten und bilden sich regelmäßig fort. Denn eines steht fest: Der Betrieb läuft weiter, das seien sie ihrem großen Vorbild schuldig, sagen die trauernden Kollegen um Frank Wünschmann.

Die Praxis war Martin Enderleins Lebenswerk. Nach fünfjährigem Studium und zwei Praktika ließ sich der Tierarzt am 22. Dezember 1996 nieder – in einem leer stehenden Haus, das er zusammen mit seinem besten Freund herrichtete und für welches er gar die Möbel eigenhändig baute. Zunächst betrieb er die Praxis ganz allein, fing am Punkt null an und ließ zur gleichen Zeit die neue Praxis in der Mühlgasse errichten. Schon am 1. September 1997 konnte er dort Eröffnung feiern.

Er arbeitete 365 Tage im Jahr, war jeweils 24 Stunden für seine geliebten Tiere da. Als zu Silvester ein Feuerwerkskörper in einen Hohnstädter Stall einschlug, ließ er alles stehen und liegen, um das brennende Pony zu retten. Obwohl er keinen Dienst hatte, trank er auch in dieser Nacht keinen Tropfen Alkohol, überhaupt lebte der Tierarzt sehr bewusst: Er war Vegetarier, hegte sein Bio-Gärtchen und trieb regelmäßig Sport. Nicht nur zu Hausbesuchen fuhr er mit dem Rad, auch zu Weiterbildungen an die Ostsee. Er liebte es, sein eigener Chef zu sein.

Als die für hochwertige Operationen bekannte Praxis aus allen Nähten platzte, zog die Familie – um im Obergeschoss Platz für neue Behandlungsräume zu schaffen – zunächst zur Mutter. Keine Dauerlösung für Frau und Kinder, sagte sich das Familienoberhaupt und wagte sich an ein weiteres Projekt, den Ausbau der verwahrlosten Schlossmühle. Mit Geschick, Mut und Erfolg: Seit 2014 bewohnt die Familie zumindest Teile des 1515 erstmals erwähnten Fünfseithofes. Doch viel, vielleicht zu viel ist noch zu tun...

Als hätte sich der Tierarzt nicht schon genug aufgehalst, engagierte er sich auch noch für die Tierheime. Sowohl in Schkortitz, Lossa und Wurzen betreute er die Tiere medizinisch. Zudem las er noch etliche Fachliteratur, auch in Englisch. Woher nahm er da noch die Zeit, seine Mutter regelmäßig zu Konzerten ins Gewandhaus zu begleiten?

Den Stammtisch seiner Freunde erreichte er aus Termingründen oft als letzter und verließ diesen nicht selten als erster – die Tiere riefen... So kehrte er immer erst spätabends heim. Ein einziges Mal fuhr er in Urlaub. Er konnte einfach nicht still sitzen und abschalten. Leerlauf erachtete Enderlein als verlorene Zeit. Heute wissen wir, warum.

Die Trauerfeier findet am 26. Februar, 11.30 Uhr, auf dem Alten Friedhof statt. Viele haben sich angesagt. Schon jetzt erreichen die Familie jede Menge Beileidsbekundungen – per Brief, Telefon, Internet. „Alle sind erschüttert, bieten uns Hilfe an“, sagt die trauernde Partnerin und fügt mit dünner Stimme hinzu: „Wir schaffen das, müssen es schaffen.“

Von Haig Latchinian

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