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Grimma Museum Grimma zeigt die schönen Seiten der Mulde
Region Grimma Museum Grimma zeigt die schönen Seiten der Mulde
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16:53 03.08.2012
Museumsleiterin Marita Pesenecker mit einem Gemälde von Walter Artus. Quelle: André Neumann
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Grimma

Dabei ist das Haus in der Paul-Gerhardt-Straße ein überaus authentischer Ort für eine Rückschau auf die Katastrophe.

Als Museumsleiterin Marita Pesenecker am Abend des 12. August 2002 spürte, dass das Wasser der keine hundert Meter vom Museum entfernten Mulde diesmal besonders weit über die Ufer treten würde, ließ sie sich von ihrem Mann zu ihrer Arbeitsstelle fahren. Es begann ein einsamer Kampf gegen die Flutwelle. Während draußen und bald auch im Haus das Wasser unaufhörlich stieg, schleppte Marita Pesenecker stundenlang alles, was sie tragen konnte nach oben. Vor allem Bücher, Akten und Schriften aus der Bibliothek. Erst gegen 7.30 Uhr am nächsten Morgen gab sie auf. „Ich hatte Angst, das Wasser könnte hinter mir die schwere Bibliothekstür zudrücken."

Am dritten Tag gegen Mittag, als das Wasser zurückgegangen war, verließ sie das Museum – erschöpft, müde und hungrig. Jetzt begann der Kampf ums Überleben der Bücher, Dokumente und anderen Musealien, die sie nicht mehr aus dem Wasser hatte schaffen können. Zehn Jahre später spricht die Museumsfrau vom Liebreiz der Mulde, den man in der am 12. August beginnenden Ausstellung zeigen wolle. Und sie hält wie zum Beweis ein Gemälde von Walter Artus in den Händen, das den ruhig in einem Bogen unter dem Schloss Döben entlang fließenden Fluss zeigt.

Knapp vierzig Ölbilder und Aquarelle von nicht mehr lebenden regionalen Malern wird die Ausstellung zeigen, die gerade aufgebaut wird. Darunter sind Bilder aus dem Fundus des Museums und Leihgaben aus Grimma, Colditz, Naunhof und Hohnbach. Darunter allein fünf Bilder von Bernd Voigtländer, dem Vorsitzenden des Museums-Freundeskreises.

Mit der Schau will das Museum den Kontrast bieten zu mehreren Ausstellungen in und um Grimma, die alle unmittelbar an die Katastrophe erinnern. Ohne die Gefährlichkeit der Mulde und ihre gelegentlichen Ausbrüche ganz auszublenden. Denn parallel zu den Gemälden der friedlichen Flusslandschaften mit saftigen Wiesen, Felsen, Burgen und Schlössern werden mehrere Tafeln mit Fotos und Postkarten vergangener Hochwasser gezeigt.

Die ersten fotografischen Überlieferungen gibt es vom Hochwasser 1897. Es folgen Bilder von 1909, von 1913, vom schweren aber glimpflich ausgegangenen „Polarwinter" 1929, von Hochwassern 1932 und 1954 und von dem alles Bisherige in den Schatten stellenden Ereignis von 2002. Die Bilder zeigen auch: Hochwasser lockten immer auch die Fotografen heraus, Postkarten mit Motiven der unter Wasser stehenden Stadt wurden gern hergestellt, gekauft und verschickt. Marita Pesenecker folgert das aus der Tatsache, dass es noch heute viele davon gibt, immerhin aus Zeiten, als die Fotografie noch ein Privileg weniger Leute war und nicht jeder wie heute seine Handykamera in der Hosentasche bei sich hatte. Die Museumsleiterin hatte einen Fotoapparat dabei, als sie im Museum eingeschlossen war. Eine ihrer Aufnahmen von damals hängt mit in der Ausstellung. Die Stadtmauer ist darauf nicht mehr zu sehen, von den berühmten Mauerhäuschen schauen nur noch Dächer aus dem Wasser.

Hans Günther, Curt Pönisch, Walter Artus, Reinhold Geidel, Kurt Ficker, Fritz Kaessner, Klaus G. Zill, Friedrich Kaufmann und Heinrich Semm waren Heimatmaler, die immer wieder die Schönheiten der Muldelandschaft festhielten. Knapp vierzig Ölbilder und Aquarelle zeigt das Museum vom nächsten Sonntag an. Zur Ausstellungseröffnung am 12. August, 15 Uhr, hat das Museum auch rund 250 damalige Helfer und Spender eingeladen. Ab 16.30 musiziert im Museumshof die Gruppe „Kraut und Rüben". Die Schau ist bis zum 11. November zu sehen.

André Neumann

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