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Muss man erst tot sein?

Muss man erst tot sein?


Grimma. „Muss man erst tot sein, ehe der Rettungsdienst kommt?!", fragt der 26-jährige Robert Kozma aus Hohnstädt.

. Als seine Mutter jetzt unter akuter Atemnot sowie Lähmungserscheinungen litt, befürchtete er einen Schlaganfall und rief die 112. Doch der Dispatcher vermittelte ihn zunächst nur weiter. Erst nachdem sich eine Ärztin einschaltete, kam Hilfe. Zum Glück noch rechtzeitig.

„Dennoch, wertvolle Zeit ging dadurch verloren", sagt Roberts Stiefvater Gerhard Lotzen. Auch er versteht die Welt nicht mehr: „In solchen Fällen können Sekunden entscheiden." Lotzen und seine Frau wissen, was Hilfe bedeutet. Nach dem Hochwasser 2002 betrieben sie in Nerchau ein Flutopferlager. „Damals fuhr ich meine Frau in den Colditzer Forst, damit sie bei einem Spaziergang zumindest kurzzeitig von all dem Stress abschalten konnte. Auf einmal klappte sie mir zusammen. Erst hatte sie ihren Schlaganfall, dann folgte meiner."

Entsprechend gewarnt war Sohn Robert, als seine Mutter am Samstagmorgen nur noch hechelte, Gesicht und Beine einschliefen. „Ich schilderte am Telefon alles genau. Doch statt einen Rettungswagen zu schicken, verwies man mich in der Notrufzentrale an den Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst. Ich kam durch und erzählte noch einmal alles von Neuem. Daraufhin gab mir der Herr die Telefonnummer einer diensthabenden Ärztin. Bei der ging der Anrufbeantworter - mit Hinweis auf eine Handynummer. Die Ärztin war mobil sofort zu erreichen. Als ich ihr die Not erklärte und sie meine Mutter über das Telefon stöhnen hörte, setzte sie sich umgehend mit der Leitstelle in Verbindung. Wenig später waren Rettungssanitäter und Notarzt zur Stelle. Warum ging das denn nicht gleich so?", fragt Robert Kozma.

Carola Schneider, Geschäftsführerin vom Rettungszweckverband Landkreis Leipzig, nimmt die Beschwerde ernst. Da alle in der Notrufzentrale eingehenden Meldungen mitgeschnitten würden, könne sie den Fall genau rekonstruieren: „Natürlich stehen Angehörige in Notsituationen unter Anspannung. Aber auch für unsere Dispatcher ist es nicht leicht, sofort zu entscheiden, ob es sich um eine lebensbedrohliche Situation handelt. Im konkreten Beispiel schätzte unser Kollege zunächst ein, dass keine Lebensgefahr besteht. Folgerichtig schaltete er den Territorialen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung ein." Die Dispatcher entscheiden nicht etwa aus dem Gefühl heraus, betont Schneider: „Im Indikationskatalog ist gesetzlich vorgeschrieben, welche Symptome einen Rettungseinsatz auslösen - Bewusstlosigkeit, Atemstillstand, schwere Blutung, um nur einige zu nennen." Ihr Kollege habe schließlich doch das Rettungsteam geschickt - und zwar deshalb, weil in der Meldung der Ärztin um 9.14 Uhr im Vergleich zur Schilderung des Sohnes von 9.07 Uhr weitergehende Symptome beschrieben worden seien, so Schneider. „Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Rettungsmitteln. Im Raum Grimma sind das ein Rettungswagen und ein Notarztfahrzeug. Die nächsten Autos stehen erst wieder in Colditz, Naunhof und Wurzen. Wir müssen uns also konsequent an die gesetzlichen Vorgaben halten. Dennoch gilt: Den Rettungsdienst lieber einmal mehr als einmal zu wenig rausschicken."

Auch Frieder Richter aus Mutzschen beteiligt sich als niedergelassener Arzt am Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst: „Die Meldungen sollten so präzise wie möglich erfolgen. Natürlich sind die Informationen der anrufenden Laien subjektiv. Deshalb wird der Dispatcher in der Regel nachfragen, um besser interpretieren zu können. Damit das Gesundheitswesen weiter bezahlbar bleibt, muss jeder SMH-Einsatz sorgfältig, oft in Sekundenschnelle abgewogen werden."

Seine Mutter liege derzeit im Krankenhaus, sei aber auf dem Weg der Besserung, sagt Robert Kozma, der sich nichts vorzuwerfen habe: „Aus meiner Meldung ging klipp und klar hervor, wie ernst es um meine Mutter steht."

 

 

 

 

 

 

 

 

Haig Latchinian

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