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Mutzschen: Graf noch ohne Herausforderer

Mutzschen: Graf noch ohne Herausforderer

Alles redet von der NRW-Wahl. Dabei hat in diesem Jahr auch MTL die Qual der Wahl. Qual aber womöglich in etwas anderem Wortsinne. Denn vor der Bürgermeisterwahl am 7. März in Mutzschen geben sich die Interessenten derzeit nicht etwa die Rathausklinke in die Hand.

Mutzschen. Obwohl schon seit Anfang Dezember Gelegenheit dazu ist, warf bis gestern offiziell noch kein einziger Kandidat seinen Hut in den Ring.

Zumindest der amtierende Bürgermeister Carsten Graf lüftete gestern gegenüber der LVZ das oahnehin offene Geheimnis: „Ja, ich stelle mich der Wahl. Na klar! Ich wäre doch schlecht beraten, die begonnene Arbeit nicht zu Ende zu führen.“

Kaum zu glauben, aber wahr: „Es sind tatsächlich schon sieben Jahre vergangen. Dabei kommt es mir wie gestern vor, als mich Alterspräsident Günter Herbst vereidigte – damals ja noch im Schloss“, schüttelt Graf ungläubig sein weises Haupt. Natürlich sei in dieser Zeit viel passiert. So konnte sich der stolze Papa gleich doppelt über Familiennachwuchs freuen. Auch als Ortschef falle seine Bilanz eher positiv aus: „Auf dem Gewerbegebiet haben sich weitere Firmen angesiedelt. Unser neues Feuerwehrgerätehaus kann sich sehen lassen. Wir sind fleißig dabei, den Haushalt zu sanieren. Und auch die Großküche als Kulturzentrum konnten wir wieder nach Hause holen. Wirklich doll ist der Einsatz der Mutzschener bei der geforderten Umrüstung auf vollbiologische Kläranlagen. Ich hoffe, der Bau kann nun dieses Jahr losgehen.“ Allerdings gebe es noch genug zu tun. Graf nennt als Beispiel die ausstehende Sanierung des Straßennetzes. Das noch immer nicht an den Mann gebrachte Schloss erwähnt er dagegen mit keiner Silbe.

Hauptamtsleiter Steffen Wahle macht seinem Namen auch diesmal alle Ehre. Als Gemeindewahlleiter weiß er, warum Mutzschen außer der Reihe zur Urne gerufen wird: „Unser damaliger Bürgermeister Frank Lämmel war 1995 während seiner Amtszeit verstorben. Deshalb mussten wir 1996 neu wählen und haben seitdem unseren ganz eigenen Sieben-Jahres-Turnus.“ 1996 machte Heinrich Hiersemann das Rennen. In der Stichwahl unterlag dieser 2003 seinem Herausforderer Carsten Graf. Nachdem im ersten Wahlgang noch vier Kandidaten wetteiferten, kam Hiersemann im zweiten Anlauf auf 32, Graf auf 68 Prozent.

Grafs Wahlperiode endet am 1. Mai. Noch bis zum 8. Februar, Punkt 18 Uhr, können sich mögliche Herausforderer melden. Im Rathaus sind auch die Antragsformulare erhältlich. Wahlleiter Wahle: „Die deutsche Staatsbürgerschaft ist zwingend notwendig. Außerdem müssen die Kandidaten mindestens 21 Jahre alt sein. Sie dürfen jedoch das 65. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Einzelbewerber brauchen 40 Unterstützungsunterschriften, die im Rathaus zu leisten sind. Keine Unterschriften benötigen Wahlvorschläge von Parteien, die entweder im Landtag oder im Stadtrat vertreten sind, sowie der amtierende Bürgermeister.“ Sollte bei der Wahl am 7. März keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen, also 50 plus x, so muss am 28. März neu gewählt werden. „Dann reicht die einfache Mehrheit“, so Wahle.

Die Spatzen pfeifen seinen Namen schon von den Dächern – jedoch seit gestern steht fest: Der einflussreiche Steffen Richter tritt definitiv nicht an. Er sei viel zu sehr mit seinem Beruf verwurzelt, so der Geschäftsführer der Nerchau-Mutzschener Agrar und Service GmbH gegenüber der LVZ. „Ich könnte meine Leute nie im Stich lassen.“ Der Landwirt galt eine Zeitlang als härtester Widersacher von Bürgermeister Graf. So machte Richter massiv Front gegen Wermuda. Er sieht Mutzschens Zukunft eher in Richtung Grimma, auf keinen Fall jedoch im Nachbarkreis. Richter gestern versöhnlich: „Ansonsten hat Graf seine Sache ordentlich gemacht.“

Haig Latchinian

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