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Grimma Mutzschen trauert um Dietmar Günther
Region Grimma Mutzschen trauert um Dietmar Günther
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00:31 25.02.2018
Über 40 Jahre lang beobachtete Dietmar Günther das Wetter in Mutzschen. Täglich bestimmte er auf seinem Grundstück die Regenmengen. Quelle: Foto: Andreas Döring
Grimma/Mutzschen

Der Dirigent stirbt auf der Bühne. Der Schmied mit dem Hammer in der Hand. Der Schauspieler im Schlussapplaus. Der Tod von Dietmar Günther reiht sich in diese Aufzählung ein: Der leidenschaftliche Kunstradfahrer betritt in Sportsachen die geliebte Mutzschener Turnhalle. Wie jede Woche will er auch mit seinen Alten Herren Fußball spielen. Er setzt sich auf die Bank, ist plötzlich kreidebleich und kippt nach vorn weg. Alle Wiederbelebungsversuche scheitern.

Es war ihnen ein Herzensbedürfnis, ihrem Dietmar Lebewohl zu sagen. Alle gingen sie davon aus: Wer – wenn nicht er – sollte 100 werden? Er, der einstige Sportlehrer. Doch Dietmar Günther wurde nur 73. Ein Schock für die Mutzschener. Und so strömten sie auf den Friedhof. Allen voran seine Feuerwehrkameraden. An der Kapelle bildeten sie ein Ehrenspalier. Seinen Einsatzhelm hatten sie versehen mit sämtlichen Unterschriften auf dem Grab platziert. Wehrleiter Markus Beiler ordnete die Schleifen am Kranz: „Er war mein Sportlehrer und absolute Respektsperson. Irgendwann bot er mir das Du an. Mir rutschte aber weiter das Sie raus. Erst vier Jahre später gewöhnte ich mich ans Du.“ Ob Alarmierung oder Arbeitseinsatz – Dietmar Günther kam als Erster und ging als Letzter. Vor fünf Jahren wurde er zum Brandmeister befördert. „Regelmäßig hat er sich untersuchen lassen, ob er für den aktiven Dienst noch tauglich ist. Er wollte bis zuletzt nicht in die Altersabteilung“, erinnert sich Beiler.

In der Stunde des Abschieds intoniert der Mutzschener Spielmannszug den „Treuen Husar“, einen Mix aus Marsch und Liebeslied. Es ist jener Titel, den Dietmar Günther damals noch als musikalischer Leiter hat einstudieren lassen. Die sichtlich bewegten Spielleute halten sich streng an ihre Noten: „So haben wir wenigstens etwas, woran wir uns klammern können“, ringt Maja Griesinger mit den Tränen. Der Flötist und Hornist des weit über die Region hinaus bekannten Zuges habe dem Vorstand bis zuletzt mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Gero Weigelt von der Abwassergruppe nannte den Verstorbenen einen guten Freund und Herzensmenschen. „Als man den Mutzschenern einredete, jeder sollte für sich allein klären, setzte sich Dietmar Günther für eine wirtschaftliche, gemeinschaftliche und somit soziale Lösung ein. Mit Erfolg.“ Weit über 40 Jahre beobachtete Günther das Wetter in Mutzschen. Weil Lausebengels die Messkanne auf dem Schulgelände öfter eigenmächtig leerten, beantragte er die Verlegung der Station auf sein Grundstück in der Florian-Geyer-Siedlung. Wer in einen seiner 50 Aktenordner schaut und all die Symbole deuten will, versteht nur Bahnhof. In einer Art Geheimsprache sind sämtliche Angaben zu Niederschlag, Regen, Schnee, Wind und Nebel vermerkt. Rot angestrichen hatte der Wetterfrosch den 22. Juli 2015, den Tag, als kurz vor Mitternacht ein Tornado in Mutzschen wütete: Es regnete bis zu 13 Zentimeter lange Eiszapfen, so dick wie Zeigefinger. Die Einschläge rückten näher. Seine Frau Jutta erkrankte schwer und starb im Herbst. Der Familienvater rappelte sich auf, spielte sogar wieder Fußball – und nun das.

Carsten Graf, viele Jahre Bürgermeister, erinnert sich an eine Begebenheit, die er als Schüler erlebte: „Ich hocke auf dem Flur und warte auf meine Prüfung. Zeitgleich findet im Grimmaer Stadion die Spartakiade statt. Mein Sportlehrer will mich unbedingt dabei haben. Also macht er bei der Prüfungskommission persönlich Druck. Und tatsächlich, er kann mich eher als geplant loseisen. Er setzt mich in seinen Trabi und rattert mit Vollgas nach Grimma, wo wir gerade noch rechtzeitig zum Start da sind.“

Wenn Frieder Bitzer am Freitag in der Turnhalle seine Sportschuhe schnürt, wird er seinen langjährigen Weggefährten vermissen. „Sein Tod hat mich getroffen, als wäre Dietmar ein naher Verwandter. Im März werden es 45 Jahre, die es unsere Alte Herren nun schon gibt. Rudi Hennig, Jürgen Pott, Dietmar und ich hatten sie damals gegründet.“ Seit den 90er-Jahren gibt es neben den Alten Herren noch die Uralten Herren: „Dietmar spielte in beiden.“

Von Haig Latchinian

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